Frankfurt

»Ort der Begegnung«

Vera Szackamer Foto: www.thomas-lohnes.com

Frankfurt

»Ort der Begegnung«

Vera Szackamer zur Bildungsarbeit des Zentralrats und der Idee der Jüdischen Akademie

von Detlef David Kauschke  02.09.2021 07:02 Uhr

Frau Szackamer, an diesem Donnerstag erfolgt der feierliche Spatenstich für die Jüdische Akademie. Was bedeutet Ihnen dieser Baubeginn?
Das ist für mich wie ein Traum. Es war ein langer, harter Weg dorthin. 2013 hat der damalige Zentralratspräsident Dieter Graumann den Impuls gegeben, Josef Schuster hat als sein Amtsnachfolger diesen weitergetragen und weiterentwickelt. Damals begannen wir die Bildungsoffensive des Zentralrats, die sich jetzt mit der Akademie auch baulich darstellen wird. Ich kann nur nochmals sagen: Ein Traum wird wahr.

2013 nahm die Bildungsabteilung ihre Arbeit auf, entsteht jetzt daraus die Akademie?
Die Bildungsabteilung des Zentralrats hat mit ihrer hervorragenden Arbeit das Fundement gelegt. Hier wurden Seminare und Konferenzen veranstaltet, Fortbildungen für Gemeindemitglieder oder -mitarbeiter organisiert. Sie hat sich seitdem der Vermittlung jüdischen Wissens, der Diskussion von Fragen der Religion, Ethik, Geschichte, Kultur und anderer Fragen des jüdischen Alltags gewidmet. Die Erinnerung an die Schoa ist dabei ebenso von besonderer Bedeutung wie die Beziehung zu Israel und der Kampf gegen Antisemitismus. Die Angebote der Bildungsabteilung unter Leitung von Sabena Donath und Doron Kiesel haben eine stetig zunehmende Wahrnehmung und Verbreitung gefunden.

Wie hat sich diese Arbeit unter den besonderen Pandemiebedingungen verändert?
Ich spreche ungern von Problemen, lieber von Herausforderungen. Doch die Pandemie hat auch die Bildungsabteilung vor ganz besondere Herausforderungen gestellt. Natürlich fehlen uns die Konferenzen und Seminare. Aber ich denke, dass wir es geschafft haben, das Angebot in anderer Form aufrechtzuerhalten und auf digitalem Weg zu den Menschen nach Hause zu kommen. Die Resonanz und Akzeptanz ist sehr gut. Aber ich hoffe doch, dass bis zur Fertigstellung der Akademie wieder normale Bedingungen herrschen, wir unsere Veranstaltungen in gewohnter Präsenz durchführen können, die Akademie damit wirklich ein Ort der Begegnung wird.

Die Akademie soll einen Rahmen bieten, in dem sich Menschen treffen, kennenlernen und Kontroversen austragen können. Wird das auch ein Ort der Pluralität?
So wie unter dem Dach des Zentralrats alle religiösen Strömungen des Judentums vertreten sind, werden sie es auch unter dem Dach der Jüdischen Akademie sein. Dies soll ein neuer intellektueller Mittelpunkt innerhalb der jüdischen Gemeinschaft sein. Schon in der Bildungsabteilung haben wir unsere Angebote unter anderem mit den Rabbinerkonferenzen, der Studierendenunion und der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg, der ZWST und Makkabi realisiert. Die Akademie soll auch ein Ort für interreligiösen und interkulturellen Austausch werden, wie die Evangelische und Katholische Akademie.

Die Akademien der beiden Kirchen befinden sich in Berlin, weil sie, wie es heißt, das gesellschaftliche Gespräch in der Bundeshauptstadt mitgestalten wollen. Warum hat sich die Jüdische Akademie für Frankfurt entschieden?
Zum einen hat die Vertretung der jüdischen Gemeinschaft, der Zentralrat der Juden, den Sitz in Berlin. Zum anderen hatte die Bildungsabteilung von Anfang an ihr Büro in Frankfurt. Vielleicht auch deshalb haben wir hier die größte Unterstützung für unser Projekt erfahren. Und nicht zuletzt steht die Jüdische Akademie in der Tradition des Freien Jüdischen Lehrhauses, das in den 1920er-Jahren von Franz Rosenzweig hier gegründet und geleitet wurde.

Was erhoffen Sie sich jetzt für das Projekt?
Ich freue mich, dieses Vorhaben auch in dieser Phase begleiten zu dürfen, wobei meinem Präsidiums-Kollegen Harry Schnabel ein ganz besonderer Dank gilt, weil er vor Ort die Realisierung des Projekts voranbringt. Ich hoffe, dass der Bau reibungslos läuft, und wünsche mir, dass die Akademie dann entsprechend der Zeitplanung fertig wird und wir das Haus mit Leben füllen können.

Mit der Dezernentin für Bildung und Jugend des Zentralrats der Juden in Deutschland sprach Detlef David Kauschke.

Prag

Tschechisches Außenministerium bestellt nach Drohungen iranischen Botschafter ein

Irans Militär nennt persischsprachige Exilmedien als mögliche Angriffsziele. Wie der EU- und Nato-Mitgliedstaat Tschechien auf die neue Bedrohungslage reagiert

 27.08.2026

Sachsen-Anhalt

Mehrere Siegmund-Vertraute haben Nazi-Vergangenheit und damit kein Problem

Nach Berichten von »Welt« und »Spiegel« waren mehrere enge Vertraute von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in der 2009 verbotenen Neonazi-Organisation »Heimattreuer Deutsche Jugend« (HDJ) aktiv. Nach der Wahl könnten sie Minister werden

 27.08.2026

»Artgemeinschaft«

Durchsuchungen bei Unterstützern von rechtsextremem Verein

Bei den Razzien in fünf Bundesländern wurden auch Wohnungen von zwei AfD-Kandidaten zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt durchsucht

 27.08.2026

Schweiz

Gewalt-Demo gegen Israel in Basel verboten

Die Polizei hält die geplante Anti-Israel-Demo, bei der die Organisatoren »Tod dem Zionismus« wünschen, für nicht bewilligungsfähig

von Nicole Dreyfus  27.08.2026

Magdeburg

AfD legt weiter zu

In einer neuen Wahlumfrage von Infratest dimap steht die Rechtsaußenpartei in Sachsen-Anhalt bei 42 Prozent

 27.08.2026

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  27.08.2026

Nahost

Sechs Monate Iran-Krieg: Eskalation oder Frieden?

Bombardierungen, Sanktionen, Verhandlungen: Ein halbes Jahr nach Kriegsbeginn zeichnet sich zwischen den USA und dem Iran kein Frieden ab. Wo der Konflikt heute steht - und wie es weitergehen könnte

von Arne Bänsch, Jan Christoph Freybott  27.08.2026

Gesetzesinitiative

Bundesregierung distanziert sich von Hessens Vorstoß, Israel-Leugnung unter Strafe zu stellen

Gut gemeint, aber nicht gut gemacht - so blickt die Bundesregierung auf einen Bundesratsvorschlag zur Strafbarkeit der Leugnung des Existenzrechts Israels. Aus Hessen kommt Widerspruch

 27.08.2026

Nahost

Weiterer Tanker in der Straße von Hormus angegriffen

Der Iran blockiert den Schiffsverkehr durch die für den globalen Ölhandel wichtige Meerenge immer noch weitestgehend. Erneut wird ein Tanker zum Ziel eines Angriffs

 27.08.2026