Dokumentation

»Nutzen Sie Ihre Stimme!«

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: imago images / epd

Liebe Gemeindemitglieder,

am 23. Februar 2025 finden die vorgezogenen Bundestagswahlen statt.

Dies ist eine wichtige Wahl für die politische Ausrichtung in unserem Land. Themen wie Migration, Wirtschaft oder Verteidigung haben Einfluss auf die Lebensbereiche eines jeden Einzelnen. Die Weichen, die jetzt gestellt werden, betreffen uns als Staatsbürger und als jüdische Gemeinschaft unmittelbar.

Natürlich besorgt uns besonders der steigende Antisemitismus seit dem 7. Oktober 2023 und der Schutz jüdischen Lebens in Deutschland. Rechter, linker und muslimischer Antisemitismus ist für viele von uns zu einem Alltagsphänomen geworden. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat hierzu konkrete Forderungen an die demokratischen Parteien formuliert, die Sie hier nachlesen können: www.zentralratderjuden.de/aktuelles/bundestagswahl-2025.

Es gibt vielfältige Meinungen und Positionen. Nehmen Sie sich daher die Zeit, sich darüber zu informieren, wofür die einzelnen Parteien stehen. Sprechen Sie auch mit Freunden und Familie über die Wahl. Demokratie lebt vom Diskurs. Nutzen Sie Ihre Stimme und motivieren Sie besonders auch junge Menschen, von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen. Gehen Sie wählen!

Eine Sache darf dabei jedoch nicht in den Hintergrund treten: Insgesamt haben in den vergangenen Jahren extremistische Kräfte in Deutschland an Zuspruch und Einfluss gewonnen. Es gibt Parteien, die den gesellschaftlichen Diskurs dazu nutzen, um rassistische, antisemitische oder israelfeindliche Ideen zu verbreiten.

In der AfD und im BSW finden Antisemiten aus dem rechtsextremen Bereich und radikale Israel- und Ukrainefeinde aus dem linken Spektrum ein Zuhause. Dabei verwehren sie sich gleichzeitig dem demokratischen Diskurs und arbeiten mit populistischen Methoden. Sie spielen mit den Ängsten und Sorgen der Menschen und bieten vermeintlich einfache Lösungen auf komplexe Sachverhalte an. Wirkliche Lösungen sind es jedoch nicht. Diese beiden Parteien verschleiern ihre Absichten kaum noch. Umso größere Sorgen mache ich mir, wenn ich auf die aktuellen Wahlumfragen blicke.

Lesen Sie auch

Die Haltung des BSW ist nicht nur geschichtsvergessen, wenn es in seinem Wahlprogramm den Krieg in Gaza als »rücksichtslosen Rache- und Vernichtungsfeldzug der Regierung Netanjahu gegen Frauen und Kinder« beschreibt. Es betreibt auch Täter-Opfer-Umkehr, wenn es das israelische Vorgehen als »Terror« bezeichnet und postuliert, dass es »überall in der arabischen Welt Hass« erzeuge. Waffenlieferungen nach Israel und an die Ukraine will das BSW verhindern. Die AfD lehnt Waffenlieferungen an die Ukraine ebenfalls ab. Mit ihrem Wunsch nach einer »erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad« und der Rede vom »Schuldkult« schmälert die AfD die Erinnerung an die Schoa und die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen. In Regierungsverantwortung kann sie die Förderung von KZ-Gedenkstätten negativ beeinflussen. Mit ihrer Deutschtümelei und Schlagworten wie »Remigration« erzeugt sie ein Klima der Angst und Verunsicherung. Mit der AfD, die das jüdische Schächten verunmöglichen will und Beschneidungen ächtet, ist nicht zuletzt jüdisches Leben konkret gefährdet. Dass auch das BSW jüdischem Leben und dem Kampf gegen Antisemitismus wenig Relevanz zumisst, wird dadurch deutlich, dass es gegen die Annahme der Bundestagsresolution vom 7. November 2024 zum Schutz jüdischen Lebens stimmte.

Für den Zentralrat der Juden in Deutschland ist klar, dass diese Parteien keinen Beitrag zum Wohle unserer Gesellschaft leisten wollen. Ich bitte Sie, all das auch in Betracht zu ziehen, wenn Sie den Gang zur Wahlurne antreten oder postalisch Ihre Stimme abgeben.

Ihr

Dr. Josef Schuster

Präsident

Berlin

Israelis selbst schuld an Empathielosigkeit? SPD-Politiker in der Kritik

Der Sozialdemokrat Lars Castellucci machte am Samstag mit einem X-Post zum versuchten Anschlag auf ein Flugzeug mit israelischen Passagieren von sich reden. Viele sehen darin eine Täter-Opfer-Umkehrung

 05.10.2026

Berlin

Auswärtiges Amt kritisiert Menschenrechtsbeauftragten

In einer Reaktion auf einen X-Post von Bundesbildungsministerin Prien im Zusammenhang mit dem Flydubai-Flug nennt Lars Castellucci Israels Regierung rechtsradikal. Außenminister Wadephul reagiert

 05.10.2026

Der Verfassungsrechtler Steffen Augsberg, Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU), der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und Zentralratspräsident Josef Schuster (v.l.)

Gutachten

Hessischer Gesetzentwurf zur Leugnung des Existenzrechts Israels verfassungskonform

Hessens Justizminister Christian Heinz: »Wir brauchen dringend eine gesetzliche Regelung.« Zentralratspräsident Josef Schuster: Die Politik steht in der Pflicht, dem Antisemitismus in seinem neuen Gewand Einhalt zu gebieten

 05.10.2026

7. Oktober

Rotes Rathaus zeigt Ausstellung zum Hamas-Überfall auf Israel

Der Überfall der Terrororganisation Hamas hat überall in Israel Spuren hinterlassen. Eine neue Berliner Ausstellung beleuchtet die Erfahrungen von Sportlern und Fans rund um den 7. Oktober 2023

 05.10.2026

Recht

Gute Absicht, falsche Umsetzung

Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden, kritisiert den hessischen Vorschlag für eine Strafbarmachung der Leugnung des Existenzrechts Israels. Er hat aber einen Alternativvorschlag

 05.10.2026

Der Verfassungsrechtler Steffen Augsberg, Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU), der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und Zentralratspräsident Josef Schuster (v.l.)

Initiative

Hessen dringt auf Strafen für Leugnung des Existenzrechts Israels

Die hessische Landesregierung dringt darauf, dass ihr Vorschlag zur Strafbarkeit israelfeindlicher Äußerungen umgesetzt wird. Die Bundesregierung bleibt aber skeptisch. Auch der Zentralrat der Juden ist nicht restlos überzeugt

 05.10.2026

Josef Schuster

Berlin

Zentralrat: Linke muss Mitglieder bei Antisemitismus ausschließen

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, äußert klare Erwartungen an die Linkspartei in Bezug auf den innerparteilichen Kampf gegen Judenhass

 05.10.2026

Magdeburg

BSW: Wählen den AfD-Kandidaten zum Landtagspräsidenten

Am Dienstag kommt der neu gewählte Landtag von Sachsen-Anhalt erstmals zusammen. Die AfD hat die Zusage des BSW für die nötigen Stimmen

 05.10.2026

Berlin

Parteien in der Hauptstadt bereiten sich auf drittes Vorgespräch vor

Nach der Abgeordnetenhauswahl setzen Linke, Grüne und SPD auf ein drittes Vorgespräch. Details bleiben geheim – und keiner weiß, wo das Ganze hinführt

 05.10.2026