Ermittlungen

Neue Erkenntnisse nach Schüssen auf Jüdische Gemeinde Essen

Einsatzkräfte am Rabbinerhaus bei der Alten Synagoge Essen (18. November) Foto: picture alliance/dpa

Nach den Schüssen auf ein Nebengebäude der Alten Synagoge in Essen geht die Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf von einer extremistisch und antisemitistisch motivierten Tat aus. Das sagte Oberstaatsanwalt Holger Heming der Deutschen Presse-Agentur am Montag.

Es liege ein hinreichender Anfangsverdacht vor, so dass die Generalstaatsanwaltschaft als Zentralstelle für die Terrorismusverfolgung nun die Ermittlungen leite.

Eine unbekannte Person hatte mindestens drei Schüsse auf eine Tür abgegeben, wie auf Videoaufnahmen zu sehen ist.

Zugleich dauerten die Untersuchungen des Staatsschutzes der Essener Polizei an. Unter anderem würden weiter Zeugenhinweise gesammelt, sagte ein Polizeisprecher. Darüber hinaus waren am Samstag Beschädigungen am Metalldach der neuen Synagoge entdeckt worden. Nach dpa-Informationen sind diese vor mindestens einem Monat entstanden.

In der Nacht auf Freitag war in Essen auf das frühere Rabbinerhaus an der Alten Synagoge in der Innenstadt geschossen worden. Die Alte Synagoge gehört der Stadt und wird von der jüdischen Gemeinde nicht mehr für Gottesdienste genutzt. Eine unbekannte Person hatte dabei mindestens drei Schüsse auf eine Tür abgegeben, wie auf Videoaufnahmen zu sehen ist. Verletzt wurde in beiden Fällen niemand. Ob es einen Zusammenhang der Ereignisse an beiden Synagogen gibt, ist derzeit noch völlig unklar.

Das Thema Antisemitismus soll am Mittwoch in einer Plenardebatte im Landtag auf die Tagesordnung.

Ihn habe die Nachricht aus Essen erschüttert, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Montag in einer Ansprache in der Synagoge in Hannover. »Auch in Berlin war am Wochenende eine Synagoge beschädigt worden. Das alles schmerzt mich zutiefst.«

Steinmeier rief zur Wachsamkeit auf. In Deutschland zeige sich Antisemitismus wieder viel unverhohlener und offener, mahnte er. Wir müssen erstens wachsam sein. Und wir dürfen nicht wegschauen! Wir dürfen in Deutschland keinerlei Antisemitismus dulden!

Auch die Antisemitismusbeauftrage des Landes Nordrhein-Westfalen, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, zeigte sich besorgt. »Ich hoffe, dass die eingeleiteten Ermittlungen und veröffentlichten Bilder zur Tat helfen, schnell Täter und Hintergründe aufzuklären«, sagte die ehemalige Bundesjustizministerin am Montag auf dpa-Anfrage.

Der Anschlag zeige: »Den Kampf gegen Antisemitismus müssen wir als gesamte Gesellschaft führen. Es ist nicht die Aufgabe der Jüdinnen und Juden. Wir wollen jüdisches Leben in Deutschland als unverzichtbaren Teil unserer Gesellschaft. Wir müssen es schützen.«

Das Thema Antisemitismus soll am kommenden Mittwoch (10.00 Uhr) in einer Plenardebatte im Landtag auf die Tagesordnung. Die Regierungsfraktionen von CDU und Grünen haben dafür zusammen mit der Opposition aus SPD und FDP eine Aktuelle Stunde beantragt.

Am Freitag soll der Innenausschuss zu einer Sondersitzung zusammenkommen, die von SPD und FDP initiiert wurde. Dort soll Innenminister Herbert Reul (CDU) den aktuellen Ermittlungsstand wiedergeben. Die Aktuelle Stunde in der Plenarsitzung ist allgemeiner gehalten.

Am Freitag soll der Innenausschuss zu einer Sondersitzung zusammenkommen, die von SPD und FDP initiiert wurde.

Im gemeinsamen Antrag der Fraktionen heißt es: Man müsse sich wegen der Schüsse in Essen mit dem Thema Antisemitismus auseinandersetzen. Denn es sei eine politische und gesamtgesellschaftliche Aufgabe dafür zu sorgen, dass Jüdinnen und Juden ohne Angst in Deutschland leben können.

Am Sonntagabend hatte die Polizei Fotos eines möglichen männlichen Zeugen veröffentlicht. Nach ihm wird gesucht. Die Person könnte aufgrund der zeitlichen und räumlichen Nähe zum Tatort möglicherweise sachdienliche Hinweise geben. Weitere Videoaufzeichnungen rund um die Alte Synagoge wurden gesichert und ausgewertet.

Am Sonntagabend hatte die Polizei Fotos eines möglichen männlichen Zeugen veröffentlicht. Nach ihm wird gesucht.

Auch im Fall der beiden entdeckten Löcher im Dach der neuen Synagoge gingen die Untersuchungen weiter. Die Polizei hatte mitgeteilt, dass es sich bei den älteren Beschädigungen um Einschusslöcher handeln könnte. Nach dpa-Informationen wurden rund um die Löcher Rostspuren entdeckt.

Daher geht man davon aus, dass sie schon mindestens vier Wochen alt sind. Die neue Synagoge aus dem Jahr 1959 wird von der jüdischen Gemeinde für Gottesdienste genutzt. Sie liegt rund einen Kilometer Luftlinie entfernt von der Alten Synagoge von 1913.

Arlington (Virginia)

Pentagon warnt: Räumung von Minen in Straße von Hormus könnte ein halbes Jahr dauern

Der Streitkräfteausschusses im Repräsentantenhaus wird darüber informiert, dass Teheran mindestens 20 Minen in und um der wichtigen Meerenge platziert haben soll

 23.04.2026

China

Viraler Judenhass in China

Im Zuge des Iran-Kriegs nimmt der Antisemitismus im Diskurs der asiatischen Großmacht dramatisch zu. Eine Analyse

von Sven Benentreu  23.04.2026

Magdeburg

Landtag setzt mit Staatsvertrag Zeichen gegen Antisemitismus

Am 12. Dezember 2025 hatten das Land und die jüdischen Gemeinden Sachsen-Anhalt den geänderten Staatsvertrag unterzeichnet. Am Mittwochabend hat der Landtag den Vertrag beschlossen

 23.04.2026

Houston

Jüdisches Gemeindezentrum nach Drohungen geschlossen

Betroffen ist auch die Shlenker School, eine zur Gemeinde gehörende Gesamtschule. Das FBI und die Polizei ermitteln

 23.04.2026

Washington D.C.

Trump stellt neue Gespräche mit Iran noch in dieser Woche in Aussicht

Trump will die bestehende Feuerpause verlängern, bis die iranische Führung einen gemeinsamen Vorschlag vorlege. Wegen Machtkämpfen in Teheran ist dies offenbar komplizierter, als es klingt

 23.04.2026

Berlin

Geplanter Terroranschlag auf Juden: Generalstaatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen 23-jährigen Syrer

Die Hintergründe

 23.04.2026

Nahost

Libanon drängt auf Verlängerung der Waffenruhe mit Israel – erneuter Drohnenangriff der Hisbollah

Trotz der Feuerpause kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. Zuletzt feuerte die Hisbollah eine Drohne auf IDF-Soldaten im Südlibanon ab

 23.04.2026

Krieg gegen Iran

Medienbericht: Trump will Mullahs nur wenige Tage Zeit geben

Als der US-Präsident am Dienstag einseitig eine Verlängerung der Waffenruhe mit dem Iran verkündete, nannte er keine neue Frist. Unbegrenzt verlängern, will er sie US-Medien zufolge aber nicht

 22.04.2026

Nahost

Voller Vorurteile

Es ist geradezu atemraubend, mit welcher Inbrunst das Opfer-Täter-Verhältnis hierzulande verkehrt wird, wenn es um Israels Reaktion auf islamistische Terrororganisationen geht

von Jacques Schuster  22.04.2026