Einspruch

Mumpitz in Osnabrück

Leo Fischer Foto: dpa

Wenn in einem Land, dessen Wohlstand nicht zuletzt auf Waffenexporten an mörderische Faschingsprinzen beruht, herzinnigst über Frieden gesprochen wird, hat das stets etwas Nebulöses, ja Märchenseliges. Beim Osnabrücker Friedenspreis wurde aus dem Märchen allerdings eine Geistergeschichte – so phantomhaft-durchsichtig die Veranstaltung, so schauerlich der dahinter aufblitzende Mumpitz.

Mit Avi Primor und Abdallah Frangi wurden in diesem Jahr zwei Persönlichkeiten ausgezeichnet, die, jeder für sich, wohl einiges zu sagen gehabt hätten. Ihre willkürliche Nebeneinanderherreihung schien jedoch eher vom Verfahren der Familienaufstellung inspiriert: Jetzt habt euch halt schon lieb. Ansonsten beschwor man in Osnabrück die Pflicht zum Dialog. Doch wo wäre diese Forderung je bezweifelt worden? Genauso gut könnte man sagen, dass die Teilnehmer am Friedensprozess frische Unterhosen tragen müssen, soll er gelingen. Das ist nicht falsch, aber sinnlos.

quatsch Laudatorin für Primor und Frangi war Franziska Augstein, jene »Süddeutsche«-Redakteurin, die Artikel über Israel gerne mit Bildern gefräßiger Monster illustriert. Sie lieferte zum Quatsch die Soße – und belobigte vor allem die Volkstreue der Preisträger: »Die Loyalität, die Frangi gegenüber seinem Volk empfindet, empfindet Primor gegenüber den Israelis«, und wohl spürte Augstein auch jene eminent süddeutsche Loyalität glühen, nicht zuletzt, weil ihr Chef, Heribert Prantl, ja auch in der Jury saß.

Sie beglückwünschte die Preisträger dazu, »dass sie die Leute, mit denen sie zu tun bekommen, nicht nach politischen Konzepten beurteilen, sondern nach ihrer je eigenen Haltung und nach ihrem Charakter«. Ja, was bedeuten letztlich austauschbare politische Konzepte vor dem Hintergrund, ob jemand anständig geblieben ist oder ein schäbiger Lump? Es wird Augstein freuen, dass als Dritter das Exit-Aussteigertelefon für politische Wirrköpfe ausgezeichnet wurde: So konnte sie sich die Nummer gleich notieren.

Der Autor war Chefredakteur des Satiremagazins Titanic und ist freier Publizist.

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