Meinung

Mörder mit Rentenanspruch

Max Mannheimer Foto: Christian Rudnik

Wie selbstverständlich erhalten Angehörige der Waffen-SS und anderer SS-Einheiten in Deutschland volle Rentenbezüge. Das ist für sich genommen schon ein Skandal. Schließlich hatten die Alliierten nach 1945 völlig zu Recht alle SS-Angehörigen von sämtlichen Versorgungsansprüchen ausgeschlossen, denn die Einheiten, in denen sie dienten, waren verbrecherische Organisationen.

Dass die Bundesrepublik seit den 50er-Jahren davon abgerückt war und Menschen, die für die SS ihr mörderisches Handwerk ausübten, als Rentner, denen es an nichts fehlen sollte, gutstellte, ist für die Überlebenden der Schoa nicht auszuhalten. Das wird noch schlimmer, liest man sich die Verwaltungsvorschriften durch: Rente gibt es nämlich nicht, »wenn das Ausscheiden in Unehren erfolgte«, wenn also jemand den mörderischen Zielen der SS nicht weiter dienen wollte.

ghetto-renten Vollends zynisch wird das, was sich bei der Rentenversicherung wie ein normaler Verwaltungsakt liest, wenn man sich den Kampf der früheren Ghetto-Arbeiter für ihr bisschen Rente anschaut. Seit Jahren wird diesen Menschen die ihnen zustehende Altersversorgung in voller Höhe verweigert. Dabei gingen die meist jüdischen Menschen in den Ghettos einer halbwegs geregelten Arbeit nach, und meist wurden dafür auch Sozialabgaben gezahlt.

Derzeit bemüht sich das Arbeitsministerium um eine Lösung des Problems der Ghetto-Renten. Das ist gut, aber die Ghettos wurden vor 69 Jahren befreit! So zynisch es klingt: Die Rentenkasse hat durch die jahrzehntelange verzögerte Auszahlung sehr viel Geld gespart, das dann SS-Leuten zugute kommen konnte. Bekanntlich wurde sogar die Witwenrente von Frau Freisler erhöht, weil ihr Mann Roland Freisler, der berüchtigte Präsident des Volksgerichtshofs, nach 1945 bestimmt noch Karriere gemacht hätte.

In Einzelfällen, so ist zu hören, würde ja keine Rente an SS-Leute ausgezahlt, etwa wenn konkret Kriegsverbrechen nachgewiesen werden könnten. Diese Beschwichtigung aber heißt doch nichts anderes als dies: Im Normalfall wird die Rente gezahlt, im Normalfall war die SS wohl nicht für Kriegsverbrechen verantwortlich, und im Normalfall ist der SS-Mann von früher heute ein normaler Rentner.

Wir aber dürfen nicht müde werden, immer daran zu erinnern, dass die SS eine Mörderbande war. Solche Leute verdienen keine Rente.

Der Autor ist Überlebender der Schoa und Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau.

Exklusiv

Causa Georg Restle: Jetzt meldet sich WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni zu Wort

Felix Schotland, Mitglied im WDR-Rundfunkrat und im Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, beschwerte sich über einen X-Post des Journalisten Georg Restle. Nun bekam er eine Antwort

von Michael Thaidigsmann  13.08.2026

Florida

»Es geht um uns gegen den Juden«: Antisemitische Hetze im Wahlkampf

»Unsere Regierung ist nichts anderes als ein Werkzeug für jüdische Vorherrschaft«, schreibt der republikanische Vorwahl-Kandidat und Influencer Dan Bilzerian

 13.08.2026

Nahost

Ex-Botschafter Seibert fordert »klare europäische Position« zu Israel

Bis vor kurzem war er das Gesicht deutscher Diplomatie in Israel: Steffen Seibert. In einem Interview äußert er sich zu Grenzen der Staatsräson, Siedlungen, dem Terror der Hamas und gegen Boykotte

 13.08.2026

Geburtstag

Romani Rose wird 80: »Nie vergessen, zu welcher Unmenschlichkeit Menschen fähig sind«

Romani Rose kämpft gegen Vorurteile und Ausgrenzung. Der Minderheitenschutz ist für ihn eine tragende Säule der Demokratie. Nun wird der Heidelberger Bürgerrechtler 80 Jahre alt - und will weiter mitmischen

von Volker Hasenauer  13.08.2026

Meinungsfreiheit

Wenn Juden plötzlich Nazis sein sollen

Ein Gericht erklärt die Gleichsetzung von Hakenkreuz und Davidstern für zulässig. Kritiker sind irritiert

von Michael Thaidigsmann  13.08.2026

Sachsen-Anhalt

Polizeirabbiner vor der Wahl: Erstarken der AfD bereitet Sorgen         

Mehr Begegnung zwischen Juden und Nicht-Juden - das wünschen sich Deutschlands Polizeirabbiner. Sie bilden Polizeianwärter hierzulande fort und vermitteln jüdische Kultur. Seit fünf Jahren gibt es sie

von Nina Schmedding  13.08.2026

Hamburg

Haftbefehl gegen AfD-Politiker wegen offener Böhmermann-Kosten

Maximilian Krah bezeichnete den Satiriker als »einen Widerling« und erklärte, er zahle deshalb »nur widerwillig«

 13.08.2026

Hamburg

Gericht erklärt Kritik an Claim für zulässig: Journalist darf NGO »unsaubere« Zahlen vorwerfen

Der Investigativjournalist Sascha Adamek darf der Organisation vorwerfen, bei der Erfassung antimuslimischer Vorfälle mit »unsauber« erhobenen Zahlen gearbeitet zu haben. Die Hintergründe

 13.08.2026

Meinung

AfD als Sicherheitsrisiko

Es ist die Pflicht jedes Einzelnen, unsere Verfassung zu verteidigen und ein Überprüfungsverfahren anzustrengen. Verbieten kann nur unser freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat

von Roderich Kiesewetter  13.08.2026