Meinung

Mehr als nur eine Hochzeitsbörse

Am Wochenende findet der Jugendkongress statt. Ein schönes Signal für die Zukunft

von Gabriel Goldberg  21.11.2011 16:35 Uhr

Gabriel Goldberg Foto: privat

Am Wochenende findet der Jugendkongress statt. Ein schönes Signal für die Zukunft

von Gabriel Goldberg  21.11.2011 16:35 Uhr

Gemeinsam für unsere Zukunft» – so lautet der Untertitel des Jugendkongresses «Jews – we can», der am heutigen Donnerstag in Weimar beginnt. Durch die zeit- und ortsgleiche Ratsversammlung des Zentralrats hat er eine Aufwertung erfahren: Die jungen Erwachsenen haben die Gelegenheit, mit den Präsidiumsmitgliedern in Kontakt zu treten und sich mit ihnen auszutauschen. Der Jugendkongress ist legendär, und das schon für mehrere Generationen von Juden in Deutschland. Mag sein, dass das oftmals sarkastisch verwandte Wort von der «Heiratsbörse» einen Funken Wahrheit in sich trägt. Unzählige Paare lernten sich dort kennen und lieben.

Aber der Jugendkongress bietet doch sehr viel mehr. Er ist die Möglichkeit derer, die man im Judentum gerne die «verlorene Generation» nennt, sich bundesweit zu finden. Hier können die Über-18-Jährigen zusammenkommen, miteinander diskutieren und sich vernetzen. Oft wird von jungen Juden in Deutschland bemängelt, sie hätten zu wenig Kontakt zu «denen da oben», sie würden zu wenig gefragt, ihre Anregungen nicht aufgenommen. Entsprechend groß sind die Erwartungen der Teilnehmer: Sie wollen ihre Stimme nutzen.

Generation Denn diese Stimme, dieses Engagement haben sie: Immer mehr junge jüdische Menschen stellen sich zur Wahl in den Gemeindegremien. Wenn man bedenkt, dass in den jüdischen Gemeinden ein Großteil der Arbeit ehrenamtlich vonstatten geht, sollte dieses Vorpreschen der jungen Generation mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen werden. In Berlin stellt sich ein 22-Jähriger zur Repräsentantenwahl, in Hamburg ist ein Vorstandsmitglied 25 Jahre alt. Dass diese jungen, engagierten Menschen Unterstützung älterer Gemeindemitglieder mit Erfahrung brauchen, ist offensichtlich – und dass sie diese erhalten, wünschenswert.

Was den jungen, engagierten Juden jedoch am meisten fehlt, ist Wertschätzung. Diese muss sich nicht zwangsläufig monetär ausdrücken: Es sind die kleinen, symbolischen Gesten, die den Unterschied machen. Warum keine Ehrung vor der gesamten Gemeinde für den 16-jährigen Madrich, der jeden Sonntag morgens aufsteht, um die Kinder zu betreuen? Warum nicht für den 26-jährigen Jugendzentrumsleiter, der für 400 Euro ein Team von jungen Madrichim koordiniert und nebenbei sein Medizinstudium nebst Privatleben vereinbaren muss?

Solche Maßnahmen schaffen Motivation und weiteres Engagement. Dann arbeiten wir «gemeinsam für unsere Zukunft».

Der Autor ist Jugendreferent im Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein.

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