Meinung

Kükenschreddern ist ein Frevel

Jüdische Ethik schützt das Recht der Tiere, die Halacha fordert ein anderes Verhältnis zum Fleischkonsum

von Hanna Rheinz  23.05.2016 18:48 Uhr

Hanna Rheinz Foto: privat

Jüdische Ethik schützt das Recht der Tiere, die Halacha fordert ein anderes Verhältnis zum Fleischkonsum

von Hanna Rheinz  23.05.2016 18:48 Uhr

Kaum geschlüpft, werden sie geschreddert »wie Altpapier«: männliche Küken. 40 Millionen in einem Jahr. Ein Skandal? Nein. Wie das Oberverwaltungsgericht Münster bestätigte, kein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Ihre Aufzucht wäre unrentabel.

Seit je ist das Tierschutzgesetz ein Cocktail aus Verdrängung, Wahrnehmungsabwehr, Verleugnung, Verdrehung und einer eigentümlichen (Un)Logik: Wer sein Meerschweinchen quält, wird bestraft. Wer dies in großem Maßstab tut und aus wirtschaftlich »vernünftigen« Gründen, wird nicht belangt. Das Tierschutzgesetz bildet ein Zweiklassensystem ab: Tiere, die als lebensunwert gekeult werden, und solche, die leben, um geschlachtet zu werden.

Die Halacha fordert ein Umdenken. Tieren darf kein unnötiger Schmerz zugefügt werden.

gebote Als Juden sind wir fein raus. Die jüdische Ethik schützt das Recht der Tiere als nefesch chaya, als beseelte und empfindsame Lebewesen. Das Schreddern von Küken ist ein Frevel und verletzt mehrere Gebote von Tza’ar Ba’alei chayim (das Verbot, Tieren Schmerz zuzufügen). Tiere dürfen nicht grundlos getötet werden (Ohr Hachaim Hakadosch, Wajikra 17, 11).

Ihnen darf kein unnötiger Schmerz zugefügt werden (Minchat Chinuch 90). Und Bal Taschchit, das Gebot, nicht zu zerstören und zu vergeuden, verbietet auch Kükenschreddern. Die weltweite Gier nach Fleisch steht im Widerspruch zu Bereschit 1, 29–30: Der Mensch wird aufgefordert, sich von Pflanzen, Früchten und Nüssen zu ernähren.

Dass Fleisch überhaupt erlaubt wird, geschieht aus Rücksicht auf die Schwächen des Menschen (Bereschit 9, 2–3). Die Kaschrut-Vorschriften erschweren den Konsum von Fleisch und verbieten Tierarten und Tötungsweisen wie die Jagd oder das Töten im Akkord in Anwesenheit anderer Tiere. Doch es zeigt sich: Auch die Koscherfleisch-Produktion gehorcht den Marktgesetzen; Ethik wird zum Kostenfaktor.

Auch die jüdischen Verbraucher haben nur eine saubere Option: Verzicht, mindestens Verringerung des Konsums von Fleisch.

tikkun olam Die Halacha fordert ein Umdenken. Schreddern ist das Symptom einer weltweit um sich greifenden destruktiven Lebensweise, die Körper und Seele ebenso wie die Schönheit und Heiligkeit des Lebens zerstört. Das ruft Tikkun Olam und Schomer ha Adama auf den Plan, den Schutz des Planeten, der Natur und aller Lebewesen.

Daher haben auch die jüdischen Verbraucher nur eine saubere Option: Verzicht, mindestens Verringerung des Konsums von Fleisch und Tierprodukten. Israel liegt mit 13 Prozent Veganern voll im Trend. Die jüdischen Gemeinschaften hierzulande könnten sich eine Scheibe davon abschneiden ... koscher natürlich und aus leckerer Pflanzenpastrami.

Die Autorin ist Publizistin, Psychologin, Tierrechtsethikerin sowie Malerin und betreibt die Website tierimjudentum.de.

Justiz

Historiker im KZ-Prozess: SS-Wachen waren an Erschießungen beteiligt

Mehr als 200.000 Menschen waren zwischen 1936 und 1945 im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Bewacht wurden sie von Menschen wie Josef S. Der 101-Jährige steht dafür jetzt vor Gericht

von Lukas Philippi  03.12.2021

Einwanderungsgesellschaft

Bundespräsident verleiht Verdienstorden

Zu den Ausgezeichneten gehören unter anderem KIgA und das Jugendbildungswerk »Open Mind«

 03.12.2021 Aktualisiert

Medien

Antisemitismusvorwürfe: DW stellt Mitarbeiter während Prüfung frei

Geprüft werden die Anschuldigungen von Ahmad Mansour und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

 03.12.2021

Brüssel

EU-Verfahren gegen Deutschland

Europäische Kommission: Ähnlich wie in Ungarn oder Luxemburg wurde nicht genug gegen Hassrede getan

 02.12.2021

Auffrischungsimpfung

Israelischer Experte übt massive Kritik an Ständiger Impfkommission

Ronni Gamzu bemängelt die Langsamkeit der Deutschen

 02.12.2021

KZ Sachsenhausen

Angeklagter streitet Vorwürfe weiter ab

Wahrscheinlich einer der letzten noch lebenden potenziellen Täter steht seit Oktober vor Gericht

 02.12.2021

Bayern

Generalstaatsanwalt prüft AfD-Chatgruppe

Am Mittwoch war durch einen Bericht des Bayerischen Rundfunks bekannt geworden, dass Teilnehmer der »Alternativen Nachrichtengruppe Bayern« unter anderem über gewalttätige Proteste und einen Bürgerkrieg in Deutschland diskutiert hatten

 02.12.2021

Antisemitismus

Weltverband will weitere Konsequenzen aus Israel-Boykott Malaysias ziehen

Israels Team durfte nicht zur WM anreisen. Jetzt kündigt der Weltsquashverband eine Überprüfung des Vorgangs an

von Michael Thaidigsmann  02.12.2021

Antisemitismus

Bund: Vorwürfe schnell aufklären

Beauftragte für Kultur und Medien nimmt aktuelle Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Deutschen Welle »sehr ernst«

 02.12.2021