Nürnberg

Kritik an Polizei nach Neonazi-Fackelmarsch

Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg Foto: dpa

Der Fackelmarsch von Neonazis auf dem ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände in Nürnberg ist von Zivilbeamten beobachtet worden. Das sagte ein Sprecher der Polizei am Donnerstag, zuvor hatte nordbayern.de darüber berichtet. Die beiden Beamten hätten die weitere Beobachtung der Rechtsextremisten übernommen, nachdem diese am Samstagabend von einer Flüchtlingsunterkunft in Nürnberg-Langwasser abgewandert und mit brennenden Fackeln zu dem einstigen Aufmarschgelände der NSDAP gezogen waren.

propagandazwecke Dort posierten sie auch auf der Zeppelintribüne, von der in den 30er-Jahren Adolf Hitler gesprochen hatte. Ein unmittelbares Eingreifen sei aus Gründen des Eigenschutzes der Beamten »taktisch nicht zielführend« gewesen, so der Sprecher. Bereits zuvor hatte die Polizei eingeräumt, den Fortgang des Geschehens nicht ausreichend erkannt zu haben und bedauert, »dass eine rechtsgerichtete Gruppierung den historisch belasteten Ort für ihre Propagandazwecke missbrauchte«.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, nannte den Aufmarsch eine »unerträgliche Provokation«. Die Neonazis hätten an dem Abend weiter im Blick behalten werden müssen. Da die Beteiligten der Polizei bekannt sein müssten, sollten sie zur Verantwortung gezogen werden. »Es geht nicht darum, einzelne Polizisten an den Pranger zu stellen, sondern solche Aufmärsche künftig zu verhindern. Dies war schließlich nicht der erste Vorfall dieser Art in Nürnberg«, mahnte Schuster.  dpa

 

Antisemitismus

»Jüdisches Leben muss sicher sein«

Zentralratspräsident Josef Schuster begrüßt Erklärung des Rates der EU

 03.12.2020

Europaparlament

Rauswurf wegen Nazi-Vergleichs gefordert

EVP-Politiker sind empört über Äußerung des jüdischen Abgeordneten Tamás Deutsch – und fordern seinen Ausschluss aus der Fraktion

von Michael Thaidigsmann  03.12.2020

Stuttgart/Berlin

Blume: »Querdenken« greift Demokratie an

Der Antisemitismusbeauftragte von Baden-Württemberg warnt vor Vernetzung mit »Reichsbürgern«

 03.12.2020

»Querdenken«

Mehr als grenzwertig

Die Corona-Protestbewegung macht gemeinsame Sache mit Rechtsextremisten

von Olaf Sundermeyer  03.12.2020

Einspruch!

Kaum beachtetes Narrativ

Aaron Serota erinnert an die Geschichte von jüdischen Flüchtlingen aus arabischen und islamischen Ländern

von Aaron Serota  03.12.2020

Pro & Contra

Lockerungen zu Chanukka?

Sollen Corona-Ausnahmeregeln auch am jüdischen Lichterfest gelten? Zwei Meinungen zur Debatte

von Chajm Guski, Micha Brumlik  03.12.2020

Corona

Wer zuerst?

Verschiedene Covid-19-Vakzine sollen zugelassen werden. Doch sind noch viele Fragen zu Impfstoff und Verteilung ungeklärt

von Stephan Probst  03.12.2020

Europäische Union

EU will stärker gegen Antisemitismus vorgehen

Die 27 Länder haben sich am Mittwoch in einer Erklärung verpflichtet, mehr gegen den grassierenden Judenhass zu tun

von Michael Thaidigsmann  02.12.2020

Halle-Prozess

Plädoyers von Nebenklagevertretern

Lebenslange Freiheitsstrafe und anschließende Sicherheitsverwahrung gefordert

 02.12.2020