Aufruf

Knobloch: Das Schweigen gegen Rechts muss ein Ende haben

Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern Foto: Tom J.M. Hauzenberger

Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, hat ein Ende des Schweigens zum Rechtsextremismus gefordert. »Wenn Rechtsextreme in Deutschland in Wahlumfragen vorn liegen, dann ist die Zeit der Bequemlichkeit vorbei«, sagte sie anlässlich eines Gedenkaktes am Jahrestag des 9. November 1938 am Sonntag in München. »Wenn einst die Geschichte dieser Ära geschrieben werden wird, dann soll es die Geschichte einer selbstbewussten Behauptung der Demokraten sein - und nicht die des Einbruchs einer dunklen Vergangenheit in eine lethargische Gegenwart.«

Sie wisse, dass dieses Ziel erreichbar sei, führte Knobloch aus. Mut mache ihr etwa das Engagement der jungen Generation. Dennoch sei dies kein einfacher Auftrag. »Wir brauchen das Gros der Menschen in unserem Land, die bereit sein müssen, aktiv zu verteidigen, was sie bisher für selbstverständlich gehalten haben.« Dies sei der einzige Weg, den Deutschland in Zukunft beschreiten könne. »Wer die Werte verachtet, auf denen unser Gemeinwesen ruht, der führt es nicht in bessere Zeiten. Er führt Deutschland in die Irre: auf einen Pfad des Abstiegs und der Finsternis.«

Sprachlosigkeit und Zweifel

Dass »ein politisches Projekt mit genau dieser Zielsetzung« von so vielen Menschen unterstützt werde, mache sie sprachlos und lasse sie zweifeln, so Knobloch. Den Hass in der Gesellschaft bekomme die jüdische Gemeinschaft besonders zu spüren, vermehrt in den vergangenen beiden Jahren. »Ein Land, in dem jüdische Menschen sich die Frage stellen müssen, ob ihre Zukunft noch hier liegt, ist kein Land, in dem die nichtjüdische Mehrheit sich sorgenfrei zurücklehnen darf.«

Frank Bajohr, Professor am Historischen Seminar der Universität München, mahnte laut Mitteilung, Anstand und Anständigkeit müssten ständig weiter eingefordert werden. Die Erfahrungen aus der NS-Zeit zeigten, dass man damit nie früh genug beginnen könne, weil jede einmal etablierte Diktatur die Spielräume für ein aktives Handeln verenge. Für ein solches sei es aber nie zu spät, selbst in einer Diktatur nicht.

Kommentar

Berlin liebt dich nicht.

Niemand will Berlins alljährlichen Böllerkrieg. Außer die, die durchknallen, und die, die daran verdienen

von Sophie Albers Ben Chamo  01.01.2026

Be'eri

Nach dem 7. Oktober

Daniel Neumann hat den Kibbuz Be’eri besucht und fragt sich, wie es nach all dem Hass und Horror weitergehen kann. Er weiß, wenn überhaupt, dann nur in Israel

von Daniel Neumann  01.01.2026

Terror

Warum?

Die nichtjüdische Deutsche Carolin Bohl wurde am 7. Oktober 2023 von der Hamas brutal ermordet. Hier nimmt ihre Mutter Abschied von der geliebten Tochter

von Sonja Bohl-Dencker  31.12.2025

Deutschland

Bildungszentrum von Yad Vashem soll Leerstelle füllen

Das in Deutschland geplante Bildungszentrum der Gedenkstätte Yad Vashem soll ein größeres Bild in den Dialog der Erinnerungskultur bringen

 31.12.2025

Rohstoffe

Wandel durch Handel

Der Erdgasdeal zwischen Israel und Ägypten hat auch eine sicherheitspolitische Dimension

von Sabine Brandes  31.12.2025

Arlington (Virginia)

USA genehmigen Milliardenauftrag: Neue F-15-Kampfjets für Israel

Der Vertrag umfasst die Entwicklung, Integration, Erprobung, Produktion und Lieferung von zunächst 25 neuen Maschinen

 30.12.2025

Meinung

Solidarität mit Somaliland

Sabine Brandes findet Israels Anerkennung der Demokratie am Horn von Afrika nicht nur verblüffend, sondern erfrischend

von Sabine Brandes  30.12.2025

Meinung

Für mich heißt Neujahr Nowy God

Das Neujahrsfest hat mit dem Judentum eigentlich nichts zu tun. Trotzdem habe ich warme Erinnerungen an diesen Feiertag

von Jan Feldmann  30.12.2025

London

Vorwurf gegen Facebook: Beiträge feiern Mord an Juden und bleiben online

»Die Beiträge, die den Anschlag von Bondi feiern, sind schlicht widerwärtig«, sagt Dave Rich von der jüdischen Organisation CST in England

 30.12.2025