Antisemitismus-Skandal

Jürgen Hardt: »documenta belastet Verhältnis zu Israel«

»Die politische Instrumentalisierung dieser weltweit beachteten Kunstausstellung gegen Israel war absehbar«: Jürgen Hardt Foto: IMAGO/Political-Moments

Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Jürgen Hardt, attestiert der in Kassel stattfindenden 15. documenta ein »Antisemitismus-Problem«. Dieses drohe »das Verhältnis zu unserem engen Freund und Partner Israel zu belasten«.

Im Fokus seiner Kritik steht das mittlerweile abgehängte Wandgemälde »People’s Justice« der indonesischen Gruppe Taring Padi, auf dem mehrere judenfeindliche Motive zu sehen sind. »Das Bedienen antisemitischer Klischees in einzelnen Darstellungen auf der documenta15 erinnert an die dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte«, kommentierte Hardt das Werk in einer Pressemitteilung.

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Für Hardt kommt der Antisemitismus-Skandal rund um die documenta nicht überraschend: »Die politische Instrumentalisierung dieser weltweit beachteten Kunstausstellung gegen Israel war absehbar.« Es habe sich gerächt, »offenen Unterstützern der BDS-Bewegung (Boycott, Divestment, Santions) gegen Israel maßgebliche Entscheidungsgewalt über die Auswahl der Künstler zu geben«.

Im Namen der CDU/CSU-Fraktion erwarte Hardt, der auch im Vorstand der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) sitzt, eine »umfassende Aufklärung von der Bundesregierung, wie es zu einer solchen Entgleisung kommen konnte«. Es müsse auch beleuchtet werden, »wie hierfür Steuergelder zum Einsatz kamen«. Das Verhältnis zwischen Deutschland und Israel dürfe »nicht durch antisemitische Werke auf der Kasseler Kunstausstellung Schaden nehmen«.

Generalsekretär Ähnlich äußerte sich Bijan Djir-Sarai, der Generalsekretär der FDP, zu den Vorgängen rund um die documenta. »Antisemitismus ist keine Meinung. Antisemitismus ist Hass und kann daher nie und in keiner Weise die Freiheit der Kunst in Anspruch nehmen«, sagte Djir-Sarai am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Zutiefst bedauerlich sei, dass über Monate Warnungen ignoriert worden seien, die auf einen Einfluss der Anti-Israel-Organisation BDS auf die documenta hingewiesen hätten.

»Das darf nicht sein! Der Deutsche Bundestag hat hier im Übrigen mit großer Mehrheit auch in seiner Resolution gegen BDS von 2019 deutlich gemacht, dass dieser Kurs auf keinerlei staatliche Unterstützung hoffen kann«, so Djir-Sarai. »Jetzt gilt es, schonungslos aufzuklären, wie es zu diesem beschämenden Vorfall kommen konnte und wer wann für welche Entscheidungen konkret Verantwortung getragen hat.«

Das Wichtigste sei, dass daraus auch Konsequenzen gezogen würden. »Wer diese menschenverachtenden Ausfälle gutheißt, darf in Deutschland nicht die Verantwortung für ein international bekanntes Kulturevent tragen«, forderte der FDP-Politiker.

HINTERGRUND Seit der Eröffnung der documenta am vergangenen Wochenende stehen mehrere ausgestellte Stücke wegen der Verwendung antisemitischer Motive massiv in der Kritik. Das gilt insbesondere für das Wandgemälde »People’s Justice« des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi, das zunächst verhüllt und am Dienstagabend schließlich abgebaut wurde.

Auf dem zehn Mal zehn Meter großen Wandbild ist eine Figur zu sehen, die mit ihren Schläfenlocken klar als orthodoxer Jude zu erkennen ist. Auf ihrem Hut trägt sie eine »SS«-Rune, hat blutrote Augen und Vampirzähne. An einer anderen Stelle marschiert ein Soldat mit Schweinsnase, auf dem Helm steht »Mossad«, und auf seinem Halsband prangt ein Davidstern.

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Schon im Vorfeld wurde den Kuratoren der documenta, der indonesischen Gruppe ruangrupa, sowie mehreren ausstellenden Künstlern von Kritikern eine Nähe zur antisemitischen BDS-Bewegung attestiert. Dass es trotz Vorwarnungen nicht gelungen war, antisemitische Kunstwerke von der documenta auszuschließen, wurde sowohl der Geschäftsführerin der documenta, Sabine Schormann, als auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth als Versagen angelastet. ja

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