Einspruch

Judenhass im Multikultikiez

Klaus Bittermann

Ein 31-jähriger Mann wurde letzten Freitag um 17 Uhr beim Verlassen seiner Wohnung von sechs jungen Männern angegriffen und ins Gesicht geschlagen, sodass er im Krankenhaus ambulant behandelt werden musste. In Berlin ist das nichts Besonderes.

Dieselben Männer hatten jedoch den 31-Jährigen einen Tag zuvor gefragt, woher er komme, und nachdem sie erfuhren, dass er Israeli ist, hatten sie sich als Palästinenser zu erkennen gegeben und sich beleidigend und abfällig über ihn geäußert. Hier bekommt der Vorfall eine andere Dimension.

toleranz
Dass die Sache im multikulturellen Graefekiez passierte, ist besonders pikant, denn hier wird Toleranz großgeschrieben und Gesinnung mittels Aufklebern kundgetan, auf denen steht, dass »rassistische Übergriffe« nicht geduldet werden.

Und gerade die Graefestraße wird von vielen jungen Menschen und EU-Auslandstouristen bevölkert, von Hipstern, die in Scharen auftreten, und von ein paar alteingesessenen Ureinwohnern, die sich immer noch wegen der Gentrifizierung die Augen reiben. Auch sich abschottende Türken, Araber und Palästinenser, die aus ihrem Hass auf die Juden keinen Hehl machen, wohnen hier.

Viele Linke und Linksliberale haben großes Verständnis für Letztere, weil man sie für ein vertriebenes und unterdrücktes Volk hält. Statt sich mit dem muslimischen Antisemitismus auseinanderzusetzen, engagiert man sich hier lieber gegen Nazis. Man verdrängt, dass es keinen Grund gibt, judenhassenden Arabern mit Toleranz zu begegnen.

»Tod den Juden« skandierten vor einiger Zeit etwa 20 arabische Jungmänner in der Umkleidekabine des Spreewaldbades, und mir wurde klar, wie sehr dieser Hass in ihren Elternhäusern zur Normalität gehört. Dass dann Israelis niedergeschlagen werden, ist die logische Folge. Verständnis dafür aufzubringen, ist keine gute Idee. Aufklärung ist in solchen Kreisen vollkommen gescheitert, und solange das so ist, darf dieser Hass nicht einfach hingenommen werden, wie so vieles sonst im Graefekiez.

Der Autor ist Verleger und Schriftsteller und lebt in Berlin-Kreuzberg.

Prozess

Seit Halle traumatisiert

Der Kollege des getöteten Kevin S., der mit im Döner-Imbiss war, ist so traumatisiert, dass er nicht persönlich vor Gericht aussagen kann. Ein Somalier schildert, wie er vom Attentäter angefahren wurde

 22.09.2020

Helsinki

Finnland Oberstes Gericht verbietet führende Neonazi-Gruppe

Der finnische Ableger der Nordischen Widerstandsbewegung (NMR) wird aufgelöst

 22.09.2020

Wuppertal

Gruppe ruft Nazi-Parolen und attackiert Passanten

Ein 41-Jähriger ist niedergeschlagen und ein 62-Jähriger mit Migrationshintergrund getreten worden

 22.09.2020

Mediendienst Integration

Nach Halle: Länder schützen jüdische Einrichtungen stärker

Seit dem Anschlag werden jüdische Einrichtungen laut einer Umfrage besser geschützt

von Markus Geiler  22.09.2020

RIAS-Statistik

410 antisemitische Vorfälle in Berlin im ersten Halbjahr

Einen deutlichen Anstieg gibt es bei Vorfällen mit Bezug zu Verschwörungsmythen

 22.09.2020

RIAS-Statistik

Zahl antisemitischer Vorfälle in Berlin leicht rückläufig

Jeder sechste Vorfall hatte einen Bezug zur Covid-19-Pandemie

 22.09.2020

Berlin

Debatte um Pacelliallee und Papst Pius XII. geht weiter

Eine »antikatholische Kampagne«? Historiker verteidigen sich gegen Kritik

 22.09.2020

Corona

Ethikrat rät derzeit von Immunitätsbescheinigung ab

Grund seien »erhebliche Unsicherheiten«, erklärt das Gremium

 22.09.2020

Nahost

Pompeo attackiert »enttäuschende« Iran-Politik Deutschlands

Außenminister kritisiert die Bundesregierung für Haltung gegenüber dem »antisemitischsten Land der Welt«

 22.09.2020