Meinung

Jagdszenen in Kreuzberg

Hemmungslose Nazis, die gezielt auf den Köpfen einiger Gegendemonstranten herumtrampeln. Hilflose Polizisten, die von Rechtsextremisten schlicht über den Haufen gerannt werden. Unbeteiligte Fahrgäste, die in panischer Angst aus dem U-Bahnhof Mehringdamm flüchten: Der Neonazi-Aufmarsch am vergangenen Samstag in Berlin war von schockierender Brutalität und Aggressivität geprägt. In Berlins ach so beschaulichem Multikulti-Bezirk Kreuzberg haben sich regelrechte Jagdszenen abgespielt. Hätte es noch eines Beweises für die im wörtlichen Sinne »Schlagkraft« der Szene bedurft, an diesem Tag wäre er vom rechten Mob erbracht worden.

Internetforen Aber konnte der Exzess die sich nun selbstkritisch zeigenden Behörden wirklich überraschen? Unvorstellbar! Nur wer mit einer rosaroten Brille durch die Gegend läuft, dem wird die Gewaltbereitschaft gerade der »Autonomen Nationalisten« und anderer »freier Kameradschaften« entgehen. Die Polizei hätte sich im Klaren darüber sein müssen, wozu die Nazis bereit und mittlerweile auch in der Lage sind. Das war sie aber offenkundig nicht. Da kann es kaum überraschen, dass in einschlägigen Internetforen die Schläger gefeiert werden.

Der Staat hat einen herben Autoritätsverlust erlitten. Sein Gewaltmonopol ist aus Sicht der Rechten obsolet. Eine schlimme Niederlage für die sich gerne wehrhaft gebende Demokratie. Und nun? Am besten den weisen Ratschlag von Bert Brecht »Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren« beherzigen. Prügelnde Rassisten und Menschen-Verachter haben auf unseren Straßen nichts zu suchen. Dem Nazi-Mob muss Einhalt geboten werden. Mit allen rechtsstaatlichen Mitteln.

27. Januar

»Der Konsens bröckelt«

Zentralratspräsident Josef Schuster: Das Gedenken an die Schoa muss Teil der deutschen Staatsräson bleiben

 26.01.2020

27. Januar

Zum Gedenken

Die Erinnerung ist für die Nachfahren der Opfer anders als für die Nachfahren der Täter

von Natan Sznaider  26.01.2020

Berlin

Jüdisches Leben stärken

Felix Klein: Trotz Antisemitismus gibt es unter Juden eine »große Bereitschaft zu bleiben«

 25.01.2020

Umfrage

Mehr als jeder Dritte für Schlussstrich unter NS-Zeit

Im Jahr 2018 lag der Anteil noch bei 26 Prozent, mittlerweile liegt er bei 37 Prozent

 24.01.2020

Passau

Kein Schlussstrich

Josef Schuster erinnert bei Gedenken von Bayern, Österreich und Tschechien an Opfer der NS-Zeit

 24.01.2020

Meinung

Göttingen: Applaus für Populisten

Hinter vermeintlicher Israelkritik steckt oftmals Schuldabwehr – das ist 75 Jahre nach Auschwitz besonders befremdlich

von Meron Mendel  24.01.2020

Nachrichten

Zweifel, Preis, Klage

Meldungen aus Politik

 23.01.2020

Überlebende

Alt, krank, einsam

Weltweit benötigen 400.000 Menschen Unterstützung, vor allem in Israel, Südosteuropa und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion

von Michael Thaidigsmann  23.01.2020

Rechtsextremismus

Neonazi-Gruppe »Combat 18« verboten

Bei Hausdurchsuchungen in sechs Bundesländern beschlagnahmte die Polizei NS-Devotionalien und Laptops

 23.01.2020