Meinung

Israels Wonder Women

Adi Farjon Foto: Boaz Arad Photography

Meinung

Israels Wonder Women

Warum Gal Gadot auch eine feministische Botschaft aussendet

von Adi Farjon  13.06.2017 12:11 Uhr

Selten hat mir das hebräische Wort »lefargen« so aus der Seele gesprochen. Es bedeutet, einer anderen Person ihren Erfolg zu gönnen. Es ist ein sehr israelisches Wort, und auch das zeigt, dass meine Begeisterung für die Wonder Woman-Darstellerin Gal Gadot eine tiefere Bedeutung hat. Ein Plakat an der Autobahn in Tel Aviv zeigt es: »Wir lieben dich!«, daneben ein Bild von Gadot.

Als Diplomatin weiß ich, dass Gadot Israels neue Botschafterin für die Welt ist. Ihre Geschichte ist mehr als nur die einer Frau, die in Hollywood Erfolg hat. Es geht um Patriotismus, aber auch – das dürfte einige beim Anblick einer Superheldin im kurzen Dress erstaunen – um Feminismus. Als ich in den 80ern aufwuchs, lief nachmittags die Wonder Woman-Serie der 70er-Jahre. Zu Purim waren wir alle Wonder Woman. Ich sehe hier eine Reihe: Die Judoka Yael Arad gewann die erste Olympiamedaille für Israel, die Chemikerin Ada Yonath erhielt den Nobelpreis. Wonder Woman zeigte uns, wie eine Frau die Welt rettet.

zahal Gal Gadot hat ihre Rolle auch für ihr geerdetes und weiblich-unerschütterliches Auftreten erhalten. Den roten Teppich betrat sie kürzlich in flachen Schuhen – weil sie bequemer sind als High Heels. In Talkshows versteckt sie ihren israelischen Akzent nicht und lächelt Witze darüber weg. Und obwohl sie wusste, dass es nicht überall gut ankommt, schrieb sie 2014 während der Gaza-Offensive an die israelischen Soldaten, »die ihr Leben riskieren, um mein Land vor den schrecklichen Taten der Hamas zu beschützen«. Über ihren Wehrdienst bei Zahal sagte sie augenzwinkernd, die Dreharbeiten für Wonder Woman seien härter gewesen. Dabei war sie während dieser Zeit sogar schwanger. Ein Wunder in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Im Libanon, in Tunesien und in anderen Ländern wurde Wonder Woman verboten. Schade für die Frauen dort, denen ein Vorbild entgeht. Nein, ich rede nicht über Dekolleté oder Modelmaße. Es geht darum: Wenn sich eine Frau treu bleibt, kann sie die Welt retten.

Die Autorin ist Diplomatin und Sprecherin der israelischen Botschaft in Berlin.

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