Extremismus

Islamisten sollen Anschläge auf Juden und Beter einer liberalen Moschee geplant haben

Vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe Foto: picture alliance/dpa

Mutmaßliche Terroristen sollen einen Anschlag auf eine liberale Moschee in Berlin diskutiert haben. Die Moschee sei auf dschihadistischen Webseiten als »Ort der Teufelsanbetung« genannt worden, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Beschluss des Bundesgerichtshofs, mit dem die Untersuchungshaft für sieben mutmaßliche Terroristen verlängert wurde.

Auch Juden seien im Visier der Gruppe gewesen. Die tadschikischen Verdächtigen hätten im Internet nach jüdischen Gebets- und Bekleidungsvorschriften recherchiert. Konkrete Tatpläne oder unmittelbare Anschlagsvorbereitungen habe es bis zur Festnahme im Juli vergangenen Jahres aber nicht gegeben. 

Den Verdächtigen habe es zur Umsetzung ihrer Terrorabsichten vor allem an Geld gefehlt. Ein potenzieller Geldgeber, ein tschetschenischer IS-Kämpfer, sei in Afghanistan getötet worden. Erst kurz vor ihrer Verhaftung sei ein neuer Finanzier aufgetaucht, ein in Österreich lebender Tschetschene. Dennoch habe die Gruppe Geld für inhaftierte IS-Kämpfer gesammelt. Zum Teil hätten sie dafür Ladendiebstähle begangen. 

Sie seien mit gefälschten Papieren über die Ukraine nach Deutschland gekommen. Auf Fotos seien Beschuldigte mit der »Tauhid-Geste« zu sehen, dem erhobenen Zeigefinger, der als Erkennungszeichen der radikalen Salafisten gilt. 

Die Beschuldigten hätten potenzielle Tatorte in den Blick genommen und in mindestens 58 persönlichen Treffen über die Umsetzung ihrer Terrorpläne beraten. Einer von ihnen habe in einem Koffer 20 Plastikflaschen mit einer klaren Flüssigkeit platziert, um dessen Eignung als Kofferbombe zu ermitteln und dies fotografiert. 

Im Internet hätten sie nach Maschinenpistolen vom Typ Kalaschnikow AK 47 recherchiert. Einem Beschuldigten sei eine Stinger-Rakete zu einem Preis von 5000 Euro angeboten worden, er habe sie aber nicht gekauft. 

Die Gruppe habe in Kontakt mit Terroristen des Islamischen Staats Provinz Khorasan (ISPK) gestanden, dem IS-Ableger in Afghanistan und Pakistan. Dennoch seien sie wohl keine Terrorzelle des IS, sondern hätten eine eigenständige Terrorgruppe gegründet, um in Deutschland Terroranschläge zu begehen und Geld für den Islamischen Staat zu sammeln, heißt es weiter. 

Die Verdächtigen waren im vergangenen Juli in Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden verhaftet worden.  Der mutmaßliche Kopf der Gruppe habe auf seinem Mobiltelefon Dokumente für die Planung von Terrorakten wie etwa Anleitungen für eine Gasexplosion gespeichert. Dem niederländischen Geheimdienst zufolge habe er erklärt, »etwas Großes für Allah« tun zu wollen. Er habe Interesse an kleinen automatischen Schusswaffen geäußert. 

Ein anderer Beschuldigter habe in einem WhatsApp-Chat geäußert, er habe das Leben unter »Ungläubigen« in Europa satt und lebe in der Erwartung, zu Gott ziehen zu dürfen. Gegenüber einer V-Person der Polizei habe er geäußert, »die islamische Religion müsse mit einem großen Knall in das Licht gehoben« werden. Einen anderen Beschuldigten habe er aufgefordert, Sport zu treiben und sich bereitzuhalten. 

Dass die Gruppe einen Anschlag auf eine Kirmes in Köln geplant habe und ein Besuch der Abklärung diente, könne angesichts des übrigen Beweismaterials offen bleiben. Möglicherweise hätten sie die Kirmes auch nur zu ihrem eigenen Vergnügen besucht. Davon zeugten Videos, die die mutmaßlichen Terroristen »in vergnüglicher Stimmung« zeigten.

Im vergangenen Juli waren begleitend zu den Festnahmen Razzien in NRW, Niedersachsen und in den Niederlanden erfolgt. Allein in NRW seien 15 Objekte durchsucht worden: in Bielefeld, Bornheim, Düsseldorf, Ennepetal, Gelsenkirchen, Gladbeck, Kamen, Lippstadt, Warendorf und Witten. Das Beweismaterial auf Datenträgern umfasse 2,2 Terabytes. dpa

Handelte es sich beim Nationalsozialismus um eine linke Ideologie?

Ein Faktencheck

 23.10.2026

Justiz

Ermittler: Ahmetovic kooperierte nicht bei Durchsuchungen

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt im Zusammenhang mit der Ausschreibung eines früheren Klinikgeländes in Lehrte bei Hannover gegen den SPD-Politiker

 23.10.2026

Berlin

Umfrage: Mehrheit lehnt rot-grün-rote Koalition ab

Linke, SPD und Grüne verhandeln derzeit über eine gemeinsame Landesregierung. Eine solche Koalition stößt auf Skepsis - auch unter Anhängern von SPD und Grünen

 23.10.2026

Warschau

Polen rügt Ehrung für ukrainische Nationalisten in Lwiw

Erst ein Ehrentitel für eine ukrainische Einheit, nun ein Gedenkjahr für nationalistische Untergrundkämpfer: Der Geschichtsstreit zwischen Polen und der Ukraine flammt erneut auf

 23.10.2026

Umfrage

Umfrage: So würde Deutschland abstimmen, wenn am Sonntag Wahlen wären

 23.10.2026

München

Aigners Befund zu Judenhass: »Das ›Nie wieder!‹ ist tot«

Die bayerische Landtagspräsidentin gibt eine schonungslose Analyse zum Antisemitismus in Deutschland. Doch sie sieht auch hoffnungsvolle Ansätze, um gegenzusteuern

 23.10.2026

Deutschland

Wie hält es die CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD?

AfD-Politiker Siegmund braucht drei Stimmen aus anderen Reihen, um Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt zu werden. Ein CDU-Abgeordneter stellt sich nun gegen die CDU-Fraktionslinie

von Christopher Kissmann  22.10.2026

Debatte

Wahl in Israel: Star-Dirigent Lahav Shani meldet sich ausführlich zu Wort

In der Vergangenheit war der Musiker mehrmals im Visier radikaler Israelfeinde

 22.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden warnt vor rot-grün-roter Koalition

Schuster: »Im Kampf gegen Judenhass ist dieses Schauspiel ein echter Offenbarungseid«

 22.10.2026 Aktualisiert