Meinung

Irak und die Lehren aus der Schoa

Max Mannheimer Foto: Toni Heigl

Wir sehen Bilder von Männern, Frauen und Kindern, die von Verzweiflung gezeichnet sind. Man schätzt, dass mehr als 200.000 Menschen im Norden des Irak auf der Flucht sind, mindestens 25.000 Kinder sollen darunter sein. Sie fliehen vor dem Terror, den die Bewegung »Islamischer Staat« (IS) verübt.

Viele Menschen konnten schon in Sicherheit gebracht werden, doch immer noch wartet eine nicht bezifferbare Gruppe von Jesiden in der Region Sindschaar – vor allem alte Menschen, Kranke und Kinder – auf ihre Rettung.

Leid Die Berichte, die wir aus den Flüchtlingslagern und aus der Region erhalten, künden von schlimmstem menschlichen Leid, verursacht von Terroristen, die die Religion der Jesiden als eine des Teufels verurteilen und verfolgen. Die Flüchtlinge sind in einer schrecklichen Lage: Bei über 40 Grad Hitze, ohne Essen, ja sogar ohne Wasser müssen sie mit ihren verbliebenen Habseligkeiten um ihr Überleben kämpfen. Mindestens 50 Kinder sollen auf diesem traurigen Marsch schon verdurstet sein.

Deutschland hat aus der Vergangenheit gelernt. Wir wissen, dass der Holocaust ein unvergleichliches Verbrechen war, ein millionenfacher Mord an unschuldigen Menschen. Doch die Einzigartigkeit der Schoa darf auf keinen Fall dazu führen, dass das Leid anderer Menschen schulterzuckend als eine Art Verfolgung minderer Güte abgetan wird. Schon viel zu lange aber hat die internationale Gemeinschaft die mörderische Verfolgung von Jesiden, Christen und anderer Gruppen im Irak ignoriert – obwohl es heute, anders als damals, Proteste gibt. Gleichwohl sind dem »Nie wieder!« von 1945 schon viel zu viele Genozide gefolgt. Und zur Lehre der Schoa gehört auch, dass sich Völkermord nicht mit Petitionen und Resolutionen verhindern lässt.

gedenken Wenn die Gedenkveranstaltungen, die regelmäßig zum 27. Januar, zum 8. Mai und zum 9. November in Deutschland stattfinden, nicht verlogen sein sollen, dann muss von ihnen die Botschaft ausgehen: Helft den Flüchtlingen von heute! Die irakische Regierung ist offensichtlich nicht in der Lage, das Morden der IS-Terroristen zu beenden. Die Vereinigten Staaten stehen in ihrem Kampf gegen das ebenso barbarische wie gut organisierte Vorgehen der Terrorgruppe bislang ziemlich allein.

Das Morden muss aufhören, und wir müssen den Opfern der Verfolgung helfen. Wenn wir es nicht tun, wer dann?

Der Autor ist Überlebender der Schoa und Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau.

Babyn Jar

Sie alle hatten einen Namen

In der Schlucht bei Kyjiw ermordeten deutsche Täter am 29. und 30. September 1941 innerhalb von zwei Tagen rund 34.000 Jüdinnen und Juden

von Andreas Albrecht  29.09.2026

Deutschland

Elif Eralp war Mitglied der linksextremistischen Roten Hilfe

Der Landesverfassungsschutz erwähnt die Rote Hilfe in seinem jüngsten Jahresbericht als mit Abstand größte linksextremistische Organisation in Berlin

 29.09.2026

Sachsen-Anhalt

AfD-Wahlsieger Siegmund: Stelle mich im Dezember zur Wahl

Ob es dann tatsächlich für eine Mehrheit reicht, ist offen. Die Debatte über ein AfD-Verbotsverfahren nimmt derweil wieder Fahrt auf

 29.09.2026 Aktualisiert

Österreich

Israelische Familie wegen Herkunft nicht bedient?

An einem Imbissstand im Salzburger Land wurden Touristen mutmaßliche Opfer antisemitischer Diskriminierung

 29.09.2026

Jahrestag

Terrorunterstützer planen für den 7. Oktober israelfeindliche Demos

In Duisburg, Frankfurt, Hannover und Köln sind Kundgebungen vorgesehen. Aufrufe zur Teilnahme enthalten unverblümte Terroraufrufe

von Imanuel Marcus  29.09.2026 Aktualisiert

UNO

Francesca Albanese korrigiert umstrittene Holocaust-Aussage

In einem Interview hatte die Sonderberichterstatterin für die palästinensischen Gebiete behauptet, Juden seien in Konzentrationslagern auf dem Weg in die Gaskammern als »Muslime« bezeichnet worden

 29.09.2026

Washington D.C.

Sanktionserleichterungen für Iran? Trump dementiert Bericht

Wie geht es weiter im US-Krieg gegen den Iran? Im Gespräch sollen Sanktionserleichterungen für Teheran sein. Der US-Präsident bestreitet das

 29.09.2026

Berlin

Berliner Linke gerät wegen weiterer Clan-Kontakte unter Druck

Welche Großfamilie war noch auf der Wahlparty der linken Wahlgewinner vertreten?

 29.09.2026

Berlin

Linke, Grüne und SPD sprechen ab Donnerstag

Nach dem Willen von Grünen und SPD soll es sich um ein »gemeinsames Vorgespräch« zur Verständigung bei dem zuletzt heftig diskutierten Thema Antisemitismus handeln

 29.09.2026