Holocaust

In Auschwitz gestohlenes Armband zurück bei Nachfahren

Ein von den Nationalsozialisten gestohlenes Armband eines Sinto ist nach mehr als 80 Jahren zurück bei den Nachfahren des Holocaust-Überlebenden. Die Organisation Arolsen Archives übergab das NS-Raubgut im niedersächsischen Brake nördlich von Bremen an den Urenkel Thomas Franz und dessen Familie, wie sie mitteilte.

Die Nazis hatten das Armband dem Urgroßvater Johann Franz 1941 nach seiner Verschleppung ins Konzentrationslager Auschwitz  abgenommen. An diesem Dienstag (2.8.) ist der Europäische Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma.

»Es ist schön und berührend, jetzt etwas in der Hand zu halten, das meinem Uropa etwas bedeutet hat und das er schon vor der Zeit im KZ besaß«, sagte Thomas Franz. Er war überrascht, dass ein persönlicher Gegenstand von seiner Familie aus der Zeit vor der Verfolgung noch erhalten ist. »Wir haben sonst nichts aus dieser Zeit. Die Nazis haben meiner Familie alles genommen.« Die Arolsen Archives hatten Thomas Franz nach langjähriger Suche ausfindig gemacht. 

Die Übergabe des Armbandes sei besonders, denn es gebe kaum Gegenstände von verfolgten Sinti und Roma im Archiv der Organisation, erklärte die Direktorin der Arolsen Archives, Floriane Azoulay. Die meisten geraubten Besitztümer hätten die Nationalsozialisten verwertet. »Wir wussten zwar, dass alle Familienmitglieder im KZ waren«, sagte Thomas Franz. Sein Großvater Oskar Franz habe aber nur sehr wenig über die Zeit im Lager gesprochen. »Wahrscheinlich war der Schmerz zu groß.«

Dokumenten zufolge wurde der 1908 im damals westpreußischen Bromberg (heute: Bydgoszcz, Polen) geborene Johann Franz 1941 in das KZ Auschwitz deportiert. Er erhielt die Häftlingsnummer 20.338. Im März 1943 wurde er zur Zwangsarbeit in das KZ Neuengamme transportiert. Die Nazis schickten bei dem Transport die persönlichen Gegenstände als sogenannte Effekten mit. Nach der Befreiung von Neuengamme durch die britische Armee wurden die Besitztümer sichergestellt und gelangten Jahrzehnte später in die Arolsen Archives.

Johann Franz‹ Frau Ida und sieben Kinder des Schaustellers und Artisten wurden in Konzentrationslagern ermordet. Nur Johann Franz und seine Kinder Oskar und Frieda Franz überlebten. Sie ließen sich nach ihrer Befreiung in Norddeutschland nieder und kämpften nach dem Krieg lange vergebens um Entschädigung. Die Nationalsozialisten ermordeten über 500.000 Sinti und Roma aus ganz Europa. Wann Johann Franz starb, wissen die Nachfahren nicht genau, wie eine Sprecherin der Arolsen Archives sagte.

Die Organisation mit Sitz im nordhessischen Bad Arolsen bewahrt persönliche Gegenstände von in Konzentrationslager verschleppten Menschen auf. Darunter sind unter anderem Uhren, Eheringe oder Familienfotos. Mit Freiwilligen sucht das Zentrum nach den Familien der Opfer, um die gestohlenen Erinnerungsstücke zurückzugeben. Seit 2016 wurden laut der Organisation weltweit 640 Familien gefunden. Die Arolsen Archives haben zudem das weltweit umfassendste Archiv mit Hinweisen zu 17,5 Millionen Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus.

Der Vorsitzende des Zentralrates der Roma und Sinti, Romani Rose, kritisierte vor einigen Monaten, dass die Volksgruppe auch heutzutage noch in Deutschland diskriminiert werde. Angehörige würden beispielsweise bei der Berufs- oder Wohnungssuche schneller aussortiert. Verglichen mit anderen europäischen Ländern sei Deutschland aber beispielhaft für den Umgang mit Roma und Sinti. Seit 1998 sind sie als nationale Minderheit anerkannt. dpa

TV-Duell in Thüringen

CDU weist Kritik an Termin zurück

Fraktionsvorsitzende von CDU und AfD wollen am 11. April, dem Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald, bei »Welt-TV« aufeinandertreffen

 04.03.2024

Evonik-Chef

Europa braucht keinen »braunen Mob«

Christian Kullmann betonte der Konzern stehe für eine demokratische, liberale, tolerante Politik für ein tolerantes Europa

 04.03.2024

Großschirma

AfD-Politiker gewinnt Bürgermeisterwahl

Rolf Weigand war als Einzelbewerber gegen zwei weitere Kandidaten angetreten

 04.03.2024

Saarland

Erklärung muslimischer Verbände gegen Antisemitismus

Rund fünf Monate nach dem Überfall der Hamas auf Israel wollen sich saarländische Muslime heute für ein friedliches Miteinander in einer Gesellschaft ohne Antisemitismus aussprechen

 04.03.2024

Thüringen

Wirbel um Fernsehduell zwischen Voigt und Höcke

Das Gespräch soll am Tag der Befreiung der KZ Buchenwald und Mittelbau Dora stattfinden

 04.03.2024

Zürich

Nach Attacke auf orthodoxen Juden: Opfer »stabilisiert« - Mahnwache am Sonntag

Dass es sich um ein Verbrechen mit antisemitischer Motivation handelt, erscheint sehr wahrscheinlich

 03.03.2024

Zürich

Rabbiner in allergrößter Sorge

Der brutale Angriff auf einen jüdischen Mann sorgt für Entsetzen. Europäische Rabbiner sind alarmiert

von Christoph Schmidt  03.03.2024

Antisemitismus

Zürich: Messerangriff auf orthodoxen Juden, Opfer schwer verletzt

Der 15-jährige Täter rief »Tod allen Juden« und »Allahu Akbar«

 03.03.2024 Aktualisiert

Großbritannien

Ex-Labourpolitiker holt Wahlkreis seiner ehemaligen Partei – mit antisemitischen Aussagen

In einem Wahlkreis in Nordengland ist Judenhass ein Dauerthema

 01.03.2024