Gedenkstunde

In Auschwitz geboren: Holocaust-Überlebende spricht im Bundestag

Die Auschwitz-Überlebende Angela Orosz Foto: picture alliance / dpa

Die ungarische Schoa-Überlebende Angela Orosz-Richt wird im kommenden Jahr in der Gedenkstunde des Bundestags für die Opfer des Nationalsozialismus sprechen. Wie der Bundestag am Donnerstag mitteilte, hat Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) die im kanadischen Montreal lebende 81-Jährige eingeladen, auch weil es ihr wichtig sei, beim Gedenken auf Frauenschicksale zu achten. Die Gedenkstunde findet am 27. Januar 2027 statt.

Angela Orosz-Richt wurde kurz vor Weihnachten 1944 in Auschwitz-Birkenau geboren. Ihre Eltern wurden im Mai 1944 in das Vernichtungslager deportiert. Mutter und Kind seien für medizinische Experimente missbraucht worden. Angela Orosz wog bei der Geburt nur knapp ein Kilogramm. Ihr leiblicher Vater, Tibor Bein, überlebte die Schoa nicht; er kam kurz vor Kriegsende im KZ Mauthausen um, wie Orosz erst vor wenigen Jahren erfuhr. 1973 emigrierte Orosz-Richt nach Kanada. Zuvor hatte sie in Ungarn als Lehrerin gearbeitet.

Zeugin in Prozessen gegen SS-Männer

Orosz-Richt hatte in den beiden rund zehn Jahre zurückliegenden Prozessen gegen die SS-Wachleuten Oskar Gröning und Reinhold Hanning ausgesagt. Beide Männer wurden wegen ihrer Beteiligung an den Verbrechen der Nazis noch im hohen Alter verurteilt.

Klöckner erklärte: »Gerade in diesen Tagen muss man in Erinnerung rufen: Berlin ist die Stadt, aus der heraus der Holocaust organisiert wurde. Unser Umgang mit Antisemitismus ist eine Gretchenfrage, ob wir es ernst meinen mit dem Versprechen unseres Grundgesetzes.« Dazu mahne auch die Lebensgeschichte von Angela Orosz-Richt. »Sie verbindet in ihrer Person verschiedene Perspektiven: das unmittelbar erlebte Verbrechen, das Weiterleben mit diesem Erbe und die späte Suche nach Gerechtigkeit. Es ist uns eine Ehre und ich freue mich sehr, dass sie im Januar aus Kanada anreisen und im Deutschen Bundestag zu uns sprechen wird.«

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Der Bundestag teilte zudem mit, dass an der Gedenkstunde im kommenden Jahr mehr Gäste als üblich teilnehmen können. Weil der Plenarsaal zu dem Zeitpunkt bereits für die für den 30. Januar geplante Bundesversammlung erweitert sein werde, könnten 1500 Menschen darin Platz finden - deutlich mehr als im Regelbetrieb mit 630 Abgeordneten.

Die zusätzlichen Plätze plant Klöckner den Angaben zufolge vor allem an Schüler sowie Jugendgruppen zu vergeben. Bei der Bundesversammlung wird im kommenden Jahr ein neues Staatsoberhaupt gewählt, weil Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aus dem Amt scheidet. epd/ja

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