Einspruch

Illusionäre Erwartungen

Einmal mehr ist die westliche Öffentlichkeit dabei, sich in die Tasche zu lügen. Mit Hassan Rohani, heißt es allerorten, habe ein »Gemäßigter« das Rennen um die Präsidentschaft der Islamischen Republik Iran gewonnen. Doch wäre Rohani nicht hundertprozentig ein Repräsentant des iranischen Herrschaftssystems, wäre er vom religiösen Wächterrat gar nicht erst zur Wahl zugelassen worden – so wie es vielen »Reformern« erging, die ihre Kandidatur angemeldet hatten. Seine Linientreue hat Rohani nicht zuletzt dadurch bewiesen, dass er Israel als den »großen zionistischen Satan« bezeichnete.

Illusionäre Erwartungen in ihn zu setzen, ist nicht nur für die iranische Gesellschaft gefährlich, die nun auf eine Liberalisierung des öffentlichen Lebens hofft. Auch der Westen könnte sich bald über den Tisch gezogen sehen, ließe er sich von vermeintlich versöhnlichen Tönen Rohanis blenden. Denkbar ist zwar, dass der neue Präsident die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm intensivieren und sich gar zu einigen Zugeständnissen bereit erklären wird. Doch vom Streben nach der Atombombe gänzlich lassen wird Teheran auch unter ihm nicht – umso weniger, als der wahre Machthaber im Land der »Revolutionsführer« Ali Khamenei bleibt.

sanktionsdruck Moderate Töne in Richtung Westen dienen dem iranischen Regime vielmehr dazu, diesen zur Aufhebung der Wirtschaftssanktionen zu bewegen, die der iranischen Ökonomie schwer zu schaffen machen. Weil das Regime den Sanktionsdruck mildern will, hat es den Wahlsieg des »gemäßigten« Rohani überhaupt zugelassen.

Immerhin – dass sich Irans Führung zu einem Wechsel im Tonfall genötigt zu fühlen scheint, zeigt ihre Verunsicherung angesichts dramatischer wirtschaftlicher und sozialer Probleme im eigenen Land. Umso wichtiger ist es jedoch, die Sanktionsschraube gegen Teheran nicht zu lockern, sondern sogar weiter anzuziehen – bis das Regime den Bau der Bombe nachprüfbar aufgibt.

Der Autor ist Politischer Korrespondent der »Welt« und der »Welt am Sonntag«.

Brüssel

Überwachungsbehörde nimmt Europapartei der AfD ins Visier

Verstößt die Europapartei, zu der auch die »Alternative« gehört, gegen Grundwerte der EU? Die zuständige Behörde sieht Hinweise auf problematisches Vorgehen in Mitgliedsparteien. Kommt ein Verfahren?

von Valeria Nickel  29.05.2026

Beirut

Entwaffnung der Hisbollah - ein unmögliches Unterfangen?

Seit mehr als zwei Jahren attackiert die Hisbollah Israel. Die Regierung in Jerusalem will eine Entwaffnung der Terrororganisation. Doch geht das?

 29.05.2026

Hintergrund

Israel über Guterres: »Sind mit diesem Generalsekretär fertig«

Die Beziehungen zwischen Israel und dem bald aus dem Amt scheidenden UN-Generalsekretär António Guterres sind auf einem neuerlichen Tiefpunkt. Dabei hatte alles ganz anders begonnen

von Michael Thaidigsmann  29.05.2026

Kiel

Mehr als 400 antisemitische Vorfälle im Norden gemeldet

»Die massiven Konsequenzen (...) sind Ausdruck eines wachsend gesamtgesellschaftlich antisemitischen Grundrauschens, das wir seit 2023 beobachten müssen«, so die Dokumentationsstelle Antisemitismus

 29.05.2026

New York

Streit um Bericht zu sexueller Gewalt: WJC kritisiert UN scharf

Narrative, die Israel pauschal delegitimierten, seien problematisch, so der Jüdische Weltkongress. Die ursprünglichen Gründungsideale der Vereinten Nationen müssten wieder in den Mittelpunkt rücken

 29.05.2026

Interview

»Ohne den Mossad wäre ich vermutlich schon unter der Erde«

Das iranische Regime wollte Volker Beck ermorden lassen. Im Gespräch erzählt der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, wie der Anschlagsplan sein Leben verändert hat und was sich seiner Meinung nach nun ändern muss

von Leon Stork  29.05.2026

Berlin

Gutachten zweifelt an Vorstoß gegen Leugnung des Existenzrechts Israels

Hessen will über den Bundesrat erreichen, dass die Leugnung des Existenzrechts Israels unter Strafe gestellt wird. Ein Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes im Bundestag erhebt Bedenken

 29.05.2026

Colorado Springs

JD Vance: USA und Iran kurz vor Einigung

Es sei noch zu früh, um zu sagen, »wann oder ob« die USA und der Iran die Verhandlungen erfolgreich abschließen könnten, sagt der Vizepräsident

 29.05.2026

Toronto

Vermisste 14-Jährige Esther wohlbehalten aufgefunden

Das jüdische Mädchen ist wieder bei seiner Familie. Die Jugendliche wurde in einem Wohnhaus entdeckt

 29.05.2026