Einspruch

Illusionäre Erwartungen

Einmal mehr ist die westliche Öffentlichkeit dabei, sich in die Tasche zu lügen. Mit Hassan Rohani, heißt es allerorten, habe ein »Gemäßigter« das Rennen um die Präsidentschaft der Islamischen Republik Iran gewonnen. Doch wäre Rohani nicht hundertprozentig ein Repräsentant des iranischen Herrschaftssystems, wäre er vom religiösen Wächterrat gar nicht erst zur Wahl zugelassen worden – so wie es vielen »Reformern« erging, die ihre Kandidatur angemeldet hatten. Seine Linientreue hat Rohani nicht zuletzt dadurch bewiesen, dass er Israel als den »großen zionistischen Satan« bezeichnete.

Illusionäre Erwartungen in ihn zu setzen, ist nicht nur für die iranische Gesellschaft gefährlich, die nun auf eine Liberalisierung des öffentlichen Lebens hofft. Auch der Westen könnte sich bald über den Tisch gezogen sehen, ließe er sich von vermeintlich versöhnlichen Tönen Rohanis blenden. Denkbar ist zwar, dass der neue Präsident die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm intensivieren und sich gar zu einigen Zugeständnissen bereit erklären wird. Doch vom Streben nach der Atombombe gänzlich lassen wird Teheran auch unter ihm nicht – umso weniger, als der wahre Machthaber im Land der »Revolutionsführer« Ali Khamenei bleibt.

sanktionsdruck Moderate Töne in Richtung Westen dienen dem iranischen Regime vielmehr dazu, diesen zur Aufhebung der Wirtschaftssanktionen zu bewegen, die der iranischen Ökonomie schwer zu schaffen machen. Weil das Regime den Sanktionsdruck mildern will, hat es den Wahlsieg des »gemäßigten« Rohani überhaupt zugelassen.

Immerhin – dass sich Irans Führung zu einem Wechsel im Tonfall genötigt zu fühlen scheint, zeigt ihre Verunsicherung angesichts dramatischer wirtschaftlicher und sozialer Probleme im eigenen Land. Umso wichtiger ist es jedoch, die Sanktionsschraube gegen Teheran nicht zu lockern, sondern sogar weiter anzuziehen – bis das Regime den Bau der Bombe nachprüfbar aufgibt.

Der Autor ist Politischer Korrespondent der »Welt« und der »Welt am Sonntag«.

Kairo

Jared Kushner führt Gespräche über Gaza in Ägypten

Der Schwiegersohn von US-Präsident Trump will in Ägypten Fortschritte im seit langem festgefahrenen Friedensplan für den Gazastreifen erzielen

 16.08.2026

Sanaa

Regierungstruppen im Jemen melden 181 Angriffe in 24 Stunden

Mit Drohnen und Raketen attackieren Regierungskräfte Militärstützpunkte und Waffendepots der Huthi-Terrormiliz. Wie weit eskaliert die Lage noch?

 16.08.2026

Teheran

Iran richtet Mann wegen angeblicher Israel-Spionage hin

Die iranische Justiz hat ein weiteres Todesurteil vollstreckt. Menschenrechtler werfen den Behörden vor, die Todesstrafe zur Unterdrückung von Kritik einzusetzen

 16.08.2026

Berlin

Prien: Differenzierte Haltung zu Israel kann ein Wagnis sein

Der Terroranschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat Gräben in der Gesellschaft verdeutlicht - und teils auch vertieft. Wer dagegen differenziert argumentiere, habe es oft nicht leicht, sagt Ministerin Prien

 16.08.2026

Magdeburg

Will AfD-Spitzenkandidat Siegmund den Verfassungsschutz abschaffen?

AfD-Spitzenkandidat Siegmund will nach der Landtagswahl die Zukunft des Verfassungsschutzes in Sachsen-Anhalt prüfen lassen. Diese Optionen fasst er ins Auge

 16.08.2026

Washington/Teheran

Frist verstreicht: Iran-Krieg vor ungewisser Zukunft

Während US-Präsident Trump mit einer Übernahme der Straße von Hormus kokettiert, gehen die Angriffe auf zivile Schiffe weiter. Dabei sollte in diesen Tagen ein finales Abkommen stehen

 16.08.2026

Essay

Politische und moralische Bankrotterklärung

Die Literaturkritikerin Maha El Hissy hat kein Problem damit, die populärste antisemitische Ritualmordlegende unserer Gegenwart zu verbreiten. Trotzdem wurde sie in die Jury des renommierten Deutschen Buchpreises berufen

von Daniel Neumann  15.08.2026

Dresden/Königstein

Mutmaßliche Kämpfer des Islamischen Staates festgenommen

Zwei Männer sollen als Kämpfer für den IS aktiv gewesen sein und dafür Geld erhalten haben. Nun sitzen die beiden Iraker in Sachsen in Untersuchungshaft

 14.08.2026

Deutschland

Anti-Israel-Aktivisten krachen in Hafenmauer

Ein Kleinschiff mit »pro-palästinensischen« Seefahrern will im Herbst die Gaza-Küste erreichen. Zwischen ihnen und dem Ziel liegen 3000 Kilometer Luftlinie – und eine wachsende Anzahl an Problemen

von Imanuel Marcus  14.08.2026