Meinung

Hunger nach Gerechtigkeit

Ihm scheint jedes Mittel recht. Der mutmaßliche NS-Verbrecher John Demjanjuk droht damit, in einen Hungerstreik zu treten, falls die Richter weitere Akten und Beweismittel nicht berücksichtigen, die ihn angeblich entlasten könnten. Dem mittlerweile 90-Jährigen wird seit November 2009 vor dem Münchner Landgericht der Prozess gemacht. Inzwischen ist das Ende abzusehen. Am Dienstag wollte man die Beweisaufnahme abschließen, um am 23. März das Urteil zu verkünden. Doch Demjanjuk spielt auf Zeit. Da er den Prozess schon nicht verhindern konnte, will er ihn wenigstens in die Länge ziehen, so weit, bis es für ein Urteil zu spät ist. Dann nämlich hätte er den Prozess gewonnen. Um dies zu erreichen, scheint es, ist er bereit, vorzeitig aus dem Leben zu scheiden. Die Münchner Justiz wäre gut beraten, sich von John Demjanjuk kein Schnippchen schlagen zu lassen und ihn – Hungerstreik hin oder her – so lange am Leben zu halten, bis das Urteil gesprochen ist. Denn voraussichtlich wird dieser Prozess das letzte große Gerichtsverfahren um Nazi-Verbrechen sein. Er muss das Signal senden, dass erwiesene Morde bestraft werden und Täter sich nicht zu Märtyrern machen dürfen.

Katholische Kirche

Felix Klein kritisiert NS-Vergleich von Kardinal Koch 

Antisemitismusbeauftragter: »Dass der Vergleich mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte herhalten muss, um zu einem innerkirchlichen Konflikt Stellung zu beziehen, ist irritierend«

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Sachsen

Lok Leipzig trennt sich von Stadionsprecher - »Inakzeptable Grafik« 

Die Grafik hat Mirko Linke inzwischen gelöscht. Über Details oder den Inhalt der Grafik machte der Verein keine Angaben

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Ilana Katz

»Die documenta hätte so großartig werden können«

Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Kassel über Unverständnis, Unterstützung und viele Debatten

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Debatte

Zicke zacke oder Nazi-Gruß

Die Sängerin Melanie Müller wehrt sich gegen Vorwürfe. Zu Recht?

von André Jahnke  30.09.2022

Russland

Im Zweifel gegen die Juden

Der Ton in Politik und Medien wird zunehmend antisemitischer. Bei Russlands Juden weckt das Erinnerungen an längst überwunden geglaubte Zeiten

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Babyn Jar

Kulturelles Erbe der Ukraine in Gefahr

Während in Kiew dem vor 81 Jahren begangenen Massaker an den Juden der Stadt gedacht wird, bedroht der Krieg im Land auch Orte der Erinnerung

 29.09.2022

NS-Zeit

Kritik an Umgang des Bundesarchivs mit NS-Opferangehörigen

Angehörige, die über das Schicksal ihrer ermordeten Familienmitglieder recherchieren, müssen Gebühren zahlen

 29.09.2022

Erinnerung

»Das ist eine Geschichte, die am Leben gehalten werden muss«

Der Schauspieler besuchte bei seiner Arbeit für die Auschwitz Jewish Center Foundation die KZ-Gedenkstätte

 29.09.2022

Leipzig

Polizei ermittelt gegen Ballermann-Sängerin Melanie Müller

Es geht um den Verdacht des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen

 29.09.2022