Berlin

Hillel zieht seine Chanukkia aus dem Rathaus Neukölln ab

Rathaus Neukölln
Rathaus Neukölln, Karl-Marx-Strasse Foto: picture alliance / Bildagentur-online/Schoening

Am Mittwochnachmittag kam das Dementi: Der jüdische Bildungsverein Hillel wies Berichte über die Verlegung einer Chanukka-Feier aufgrund der Wahlergebnisse in Berlin zurück. Dass das Lichterfest nicht im Neuköllner Rathaus gefeiert werden solle, liege an der Entwicklung eines neuen Formats, teilte der Verein in Berlin auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) mit. Zuerst hatte die »Bild«-Zeitung berichtet.

In diesem Jahr werde die Veranstaltung in einem neuen Format und an einem anderen Ort stattfinden, erklärte der Verein. Ob in Neukölln trotzdem zum Chanukka-Fest Kerzen entzündet werden, hänge von verschiedenen Faktoren ab und sei noch nicht entschieden. Zwar beobachte der Verein die Lage in Berlin mit Sorge, deutliche Zeichen gegen Antisemitismus seien aber weiterhin wichtig.

Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) erklärte auf Anfrage des epd, dass er weiterhin im Gespräch mit Hillel stehe, um jüdisches Leben auch zukünftig sichtbar zu machen. Trotz der Verlegung des Festes hoffe er auf eine öffentlich sichtbare Chanukkia, einen achtarmigen Leuchter, in seinem Bezirk.

Zunächst hatte es laut »Bild«-Zeitung geheißen, Hillel habe alle Termine für seine auf dem Balkon des Rathauses Neukölln geplante Chanukka-Zeremonie abgesagt, weil die Linkspartei in Neukölln die Wahl gewonnen hatte.

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Jeder Dritte wählte am 20. September in Neukölln die Linkspartei, während es berlinweit nur jeder Vierte war. Die Linke hat damit Anspruch auf den Bürgermeisterposten.

Ihr Kandidat Ahmed Abed (45) war im vergangenen Oktober überregional bekannt geworden, als er Tzvika Brot, den Bürgermeister der Neuköllner Partnerstadt Bat Yam in Israel bei dessen Besuch in Berlin als »Völkermörder« beschimpfte. Der 46-Jährige Brot ist Enkel eines Schoa-Überlebenden.

Hikel trat nicht noch einmal an

Das Chanukka-Fest war in den vergangenen Jahren dem Bericht zufolge die größte Veranstaltung im Neuköllner Rathaus mit rund 250 Besuchern auch anderer Religionen. Hikel sagte der »Bild«: »Der Schock, dass unsere Chanukkia das Rathaus verlässt, sitzt tief. Mit ihr verlässt das Symbol dafür, dass jüdisches Leben in Neukölln wieder stattfindet, den Bezirk.«

Der SPD-Politiker war bei der Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung nicht noch einmal angetreten, da er nach eigenen Angaben nicht genug Rückhalt in seiner eigenen Partei gespürt hatte.

Hikel hatte in der Vergangenheit immer wieder bedauert, dass Jüdinnen und Juden in Neukölln Probleme hätten, ihren Glauben offen zu zeigen. Mit Kippa müsse eine Person im schlimmsten Fall damit rechnen, angegriffen zu werden – sie könne dabei nicht unbedingt Hilfe von Umstehenden erwarten. Nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 wurden auf der Neuköllner Sonnenallee arabische Süßigkeiten verteilt.

Der jüdische Bildungsverein Hillel, nach eigenen Angaben die weltweit größte jüdisch-universitäre Studentenorganisation, wurde 2012 auch in Deutschland gegründet. Das jüdische Lichterfest Chanukka beginnt in diesem Jahr am 5. Dezember. ja/epd

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