»Code Pink«

Heftige Kritik an Bayreuther Entscheidung

»Code Pink«-Veranstaltung in Washington Foto: dpa

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat mit Unverständnis auf die gestrige Entscheidung der Stadt Bayreuth, die Organisation »Code Pink« mit dem »Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis« auszuzeichnen, reagiert. Die sei »sehr bedauerlich und nicht nachvollziehbar«, so Schuster. »Die US-amerikanische NGO ist Teil der internationalen BDS-Bewegung, die eine Delegitimierung Israels betreibt.

Vorurteile wie die Behauptung, Israel sei ein Apartheidstaat, werden auch von ›Code Pink‹ verbreitet.« Es hätte sicherlich andere Organisationen gegeben, die sich tatsächlich für unsere Werte und für Toleranz einsetzen, betonte der Zentralratspräsident. »Gerade in Zeiten, in denen wir vielen Neu-Einwanderern unsere Werte vermitteln möchten, wäre es wichtig, den Träger eines solchen Preises mit mehr Sensibilität auszusuchen.«

Definition
Israels Botschafter Yakov Hadas-Handelsman erklärte, er sei entsetzt, dass ausgerechnet in Deutschland im Namen von Toleranz und Humanität diese Auszeichnung erfolgen soll. »Die Definition von Toleranz und Humanität in Bayreuth ist scheinbar: mit Holocaustleugnern in Iran zusammenzuarbeiten, Juden zu boykottieren und Israel das Existenzrecht abzusprechen«, heißt es in einer am Donnerstag verbreiteten Stellungnahme des Botschafters.

»Code Pink« war im Sommer vergangenen Jahres für den mit 10.000 Euro dotierten »Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis für Toleranz und Humanität in kultureller Vielfalt« ausgewählt worden. Die vor allem von Frauen getragene Gruppe engagiere sich als basisdemokratische Bewegung unter anderem für die Beendigung von militärischen Konflikten und für die Verhinderung neuer Kriege, hieß es zur Begründung.

Die israelische Zeitung »Jerusalem Post« hatte berichtet, dass die für den 15. April geplante Preisvergabe bei jüdischen Menschenrechtsorganisationen auf Empörung stieß. Darin äußert Rabbi Abraham Cooper, der stellvertretende Direktor des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Los Angeles, scharfe Kritik an »Code Pink«. So seien Aktivisten der Gruppe in einem Video zu sehen, in dem der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit Adolf Hitler gleichsetzt werde. Auch hätten sich Mitglieder der Gruppe an einer Konferenz von Holocaust-Leugnern in Teheran beteiligt. Mit der Entscheidung für »Code Pink« als Preisträger entehre sich Bayreuth selbst und die Werte, für die dieser Preis stehe, erklärte Cooper.

Respekt Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe (Bayreuther Gemeinschaft) hatte betont, die Stadt Bayreuth sei sich ihrer historischen Verantwortung durchaus bewusst: »Aus dieser Verantwortung heraus und aus Respekt vor den Opfern des Nationalsozialismus und im Wissen um die Geschichte halte ich es für richtig, die Preisverleihung nicht vorzunehmen.« Merk-Erbe wollte die Preisverleihung stoppen. »Bereits begründete Zweifel an der Eignung eines möglichen Preisträgers reichen meiner Meinung nach aus, um den Preis nicht zu verleihen.«

In seiner Sitzung am Mittwochabend hat sich der Stadtrat nun mehrheitlich für »Code Pink« entschieden. Zu den bisherigen Preisträgern gehören der nigerianische Literatur-Nobelpreisträger Wole Soyinka (2008), Prinz Hassan von Jordanien (2010) und zuletzt der evangelische Pfarrer und Begründer der Leipziger Friedensgebete Christian Führer (2014). ja/epd

New York/Jerusalem

Scharfe Kritik an Mamdani nach Ankündigung, Netanjahu festnehmen zu lassen

Aus dem Büro des israelischen Ministerpräsidenten heißt es, Mamdani solle ich lieber »auf die Behebung des Schadens konzentrieren, den seine Politik New York zugefügt hat«

 20.07.2026

Washington D.C.

Demokraten kritisieren Trump nach Tod von US-Soldaten scharf

Erstmals seit Monaten verzeichnen die USA nach eigenen Angaben wieder Tote nach iranischem Beschuss. Die US-Demokraten reagieren darauf mit Kritik an Trump, doch der verteidigt seinen Krieg

 20.07.2026

Berlin

Humboldt-Universität will weiter mit Israel kooperieren

Die Berliner Humboldt-Universität ist gegen einen Boykott israelischer Hochschulen. Das Studierendenparlament hatte zuletzt einen Abbruch der Beziehungen gefordert

 20.07.2026

Terror

Ermittlungen enthüllen Hamas-Netzwerk in Europa

Das Geflecht erstreckt sich von Griechenland und Zypern über Österreich und Skandinavien bis nach Deutschland

 20.07.2026

Budapest

Premier Peter Magyar will Schachlegende Judit Polgár als Präsidentin

»Für mich persönlich wäre es ein großes Privileg und eine enorme Ehre, wenn sie diese Bitte annehmen würde«, sagt der Regierungschef

 20.07.2026

Augsburg

15-Jähriger wegen mutmaßlicher Anschlagspläne auf Synagoge angeklagt

Größere Mengen an pyrotechnischem Material soll der jugendliche Verdächtige gesammelt und zuvor einen selbst gebauten Sprengsatz zur Explosion gebracht haben

 20.07.2026

Nahost

Amerikanischer Soldat stirbt durch iranische Munition

Es ist bereits das 17. Todesopfer, das die USA seit Kriegsbeginn beklagen müssen

 20.07.2026

Debatte

Danger Dan und Igor Levit: So reagiert »Die Anstalt« in ihrer Sendung auf die Absage des ZDF

In seiner Jubiläumssendung geht das »DieAnstalt«-Team ausführlich auf den Streit ein

 19.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Herkunft und Sympathien der Spielerikone kursieren, erzählen die Söhne eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine andere, besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  19.07.2026 Aktualisiert