Meinung

Haredim verhöhnen uns

Max Mannheimer Foto: Toni Heigl

Was sich im Holocaust ereignet hat, findet keine Parallele in der Geschichte, auch nicht in der jüdischen. Daher ist das Verhalten von einigen Haredim in Israel, die ihre Kinder in die Kleidung von KZ-Häftlingen stecken, um gegen kritische Berichterstattung zu demonstrieren, wahrheits- und menschenverachtend und eine gefährliche Dummheit. Es verletzt und schmerzt mich, wenn Glaubensbrüder meinen Leidensweg in verschiedenen Lagern mit ihrer Situation gleichsetzen. Und damit auch den demokratischen Staat Israel mit der Diktatur des Nationalsozialismus in eins setzen.

Relativierung In einer Zeit, wo eine wachsende Anzahl von Menschen die pure Existenz der Gaskammern leugnet, sind die Aktionen dieser Haredim ungeheuerlich und nicht hinnehmbar. Sie relativieren damit nicht nur den Holocaust, sie leugnen ihn auch gleichermaßen. Das ist beleidigend für die Opfer, und ich bin über die Ereignisse entsetzt und tief erschüttert.

Ich frage mich, wie kann ein Jude seine Kinder in Häftlingskleider, versehen mit einem »Judenstern«, stecken? Weiß er denn nicht, dass Jude zu sein während der Nazizeit gleichbedeutend war mit einem Todesurteil? Hat er nie Auschwitz besucht? Welche Kenntnisse hat er überhaupt von Auschwitz? Als Überlebender von Auschwitz und Dachau, dessen sechs engste Familienangehörige von den Nazis ermordet wurden, habe ich das Recht, solche Fragen zu stellen. Sind die sechs Millionen ermordeter jüdischer Männer, Frauen und Kinder nicht das Einzigartige am Holocaust? Und ist ihr unschuldiges Sterben nicht genug Mahnung an die Menschheit?

Der Autor ist Überlebender der Schoa.

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