Meinung

Hand aufs Herz und Respekt vor Religion

Die Forderung, Muslime und Juden müssten Begrüßung durch Händedruck akzeptieren, ist rückschrittlich

von Ramona Ambs  27.06.2016 20:14 Uhr

Ramona Ambs Foto: privat

Die Forderung, Muslime und Juden müssten Begrüßung durch Händedruck akzeptieren, ist rückschrittlich

von Ramona Ambs  27.06.2016 20:14 Uhr

Es ist eine seltsame Sehnsucht, der neu erwachte Wunsch nach partiell-intensivem Körperkontakt mit Muslimen, bei gleichzeitig steigender Islamfeindlichkeit allerorten. Das dokumentieren die vielen Fälle der vergangenen Monate. In Schweden musste ein muslimischer Politiker zurücktreten, nachdem er einer Journalistin die Hand nicht gegeben hatte, die CDU-Politikerin Julia Klöckner ließ einen Termin platzen, weil ein Imam ihr nicht die Hand reichen wollte, und in Gladbach weigerte sich ein Arzt, eine Muslimin weiter zu behandeln, nachdem diese ihm den Handschlag verweigert hatte.

Im Kanton Basel-Land in der Schweiz wurde mittlerweile sogar amtlich verordnet, dass künftig alle Schüler ihre Lehrerinnen mit Handschlag zu begrüßen haben. Eine derartige Doktrin gab es bis dato nur in der DDR! Das sollte eigentlich zu denken geben.

imam Im aktuellen Fall an einer Berliner Privatschule eskalierte ein Elterntermin nach einem verweigerten Handschlag. Ein Imam und seine Frau waren zu einem Gespräch erschienen, bei dem jedoch der Imam der Lehrerin zur Begrüßung die Hand verweigerte. Seine Begrüßungsgeste, Hand aufs Herz und Kopfnicken, wurde von der deutschen Pädagogin nicht akzeptiert; sie bestand auf die Hand, und als der Imam dies freundlich erklärend weiterhin verweigerte, brach sie das Gespräch ab. Eine pädagogische Meisterleistung! Die Neuköllner Bezirksbürgermeisterin stellte sich hinter die Lehrerin, und durch die Zeitungen geistern die Worte Islam und Frauenfeindlichkeit.

Es ist zum Davonlaufen. Müssen sich nun eigentlich künftig alle anfassen, um gegenseitig Respekt zu zeigen? Hätte die Lehrerin bei einer jüdisch-orthodoxen Familie eigentlich auch so reagiert? Und was hätte die Bezirksbürgermeisterin da gemacht? Wie wäre ihre Reaktion gewesen bei zurückhaltend nickenden Asiaten? Oder bei jemandem, der einfach Angst vor ansteckenden Krankheiten hat?

Und warum wird, wenn bestimmte Menschen sich aus welchen Gründen auch immer (man darf die Gründe gerne falsch oder absurd finden) dazu entschließen, nur Menschen gleichen Geschlechts zu berühren, das ausschließlich als frauenfeindlich kategorisiert? Gerade die Frauenbewegung hat doch lange dafür gekämpft, dass man selbst bestimmt, wann man wo von wem wie angefasst wird. Soll das für Muslime oder orthodoxe Juden nicht gelten? Merke: Mein Bauch gehört mir. Meine Hand auch.

Die Autorin ist Schriftstellerin in Heidelberg.

Berlin

Judenhass auf dem Kudamm

Ein Bündnis aus Politik und Gesellschaft ruft zu Protesten gegen den antisemitischen Al-Quds-Marsch am 8. Mai auf

 13.04.2021

Ankündigung

Iran will Urananreicherung bis 60 Prozent erhöhen

Teheran macht Israel für den Angriff auf die Atomanlage von Natans vom Wochenende verantwortlich

 13.04.2021

Hamburg

Judenhass präventiv begegnen

Senat beruft Stefan Hensel zum ersten Antisemitismusbeauftragten der Hansestadt

von Heike Linde-Lembke  13.04.2021

Menschenrechtsverletzungen

EU verschärft Iran-Sanktionen

Von den Strafmaßnahmen sollen acht Einzelpersonen und drei Haftanstalten betroffen sein

 13.04.2021

Berlin

Bundesnotbremse soll gelten

Die Religions- und Versammlungsfreiheit ist von den Maßnahmen nicht betroffen

 13.04.2021

Mutmaßlicher Angriff

Iran macht Israel verantwortlich

Außenminister Sarif: Vorfall in Natans erschwere die Verhandlungen

 13.04.2021

Hamburg

Zeugin: Jude in S-Bahn bespuckt und beleidigt

Die Polizei in der Hansestadt fahndet nach bisher unbekannten Tätern

 13.04.2021

Bundestag

Zentralrat fordert schnelle Einführung von Härtefallfonds

Jüdischer Zuwanderer sollten möglichst schnell bei der Rente besser gestellt werden, unterstreicht Josef Schuster

 12.04.2021

Geschichte

»Verschwindende Wand« erinnert an die Schrecken von Buchenwald

Auf 6000 Holzklötzchen sind 163 Zitate von 99 Überlebenden der KZ Buchenwald und Mittelbau-Dora eingraviert

 12.04.2021