Berufung

Hamburg hat wieder eine Beauftragte gegen Antisemitismus

Anna von Villiez wird Hamburgs neue Beauftragte gegen Antisemitismus Foto: Gesche Jäger

Berufung

Hamburg hat wieder eine Beauftragte gegen Antisemitismus

Nach Monaten der Vakanz ist das Amt wieder besetzt: Anna von Villiez wird Hamburgs neue Beauftragte gegen Antisemitismus. Ein Rechtsstreit hatte die Auswahl verzögert

von Michael Althaus  30.06.2026 15:50 Uhr

Nach mehrmonatiger Vakanz ist die Stelle des Hamburger Antisemitismusbeauftragten wieder besetzt. Der Senat bestellte am Dienstag die Historikerin Anna von Villiez für das Amt, wie die Senatskanzlei mitteilte.

Von Villiez folgt auf Stefan Hensel, der Ende 2025 ausgeschieden war. Er hatte das Amt seit Juli 2021 inne und seine Entscheidung zuvor unter anderem mit dem hohen zeitlichen Aufwand sowie Hass und persönlichen Angriffen begründet.

Rechtsstreit verzögerte Auswahl

Die Bestellung hatte sich wegen eines Rechtsstreits eines Mitbewerbers mit der Wissenschaftsbehörde mehrere Monate verzögert. Das Hamburgische Oberverwaltungsgericht wies dessen Beschwerde gegen das Auswahlverfahren am 11. Juni rechtskräftig zurück.

Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) erklärte, Antisemitismus sei ein Angriff auf Jüdinnen und Juden und zugleich auf die Werte der Demokratie. Von Villiez bringe wissenschaftliche Expertise, Erfahrung im Dialog und eine starke Verankerung in der jüdischen Stadtgesellschaft mit.

Kampf gegen Judenhass

Von Villiez sagte, jüdisches Leben in Hamburg sei nach Verfolgung und Vertreibung in der NS-Zeit heute wieder lebendig. Zugleich dürfe es nicht sein, dass jüdische Menschen ihre Identität aus Angst vor Anfeindungen verbergen müssten. Sie wolle dem »grassierenden Antisemitismus« gemeinsam mit Politik und Zivilgesellschaft schnelle und effektive Maßnahmen entgegensetzen.

Von Villiez leitet seit 2018 die Hamburger Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule. Zuvor arbeitete sie unter anderem am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf sowie in der Provenienzforschung an der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg.

Beauftragte arbeitet unabhängig

Als Beauftragte für jüdisches Leben sowie die Bekämpfung und Prävention von Antisemitismus arbeitet sie den Angaben zufolge unabhängig und soll Ansprechpartnerin für Anliegen im Bereich Antisemitismus sein. Ihre Amtszeit läuft bis Sommer 2029.

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