Meinung

Gysi, wir haben ein Problem

Zum ersten Mal geben führende Linkspartei-Politiker zu: Ja, wir haben bei uns ein Problem mit Antisemitismus, und dem müssen wir uns stellen. Als vor wenigen Wochen die Diskussion darum gerade wieder entbrannt war, versuchte der Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi, diese durch einen Beschluss auch gleich wieder zu beenden, indem er einem Boykott israelischer Produkte ebenso wie der Forderung nach einer Ein-Staaten-Lösung eine klare Absage erteilte. Auch die erneute Beteiligung an der geplanten Gaza-Flottille wurde von der Partei ausgeschlossen.

Parteibeschluss Gleichwohl wird die innerparteiliche Kritik an Gysi immer lauter. Auf der einen Seite. Auf der anderen unterstützen Professoren wie Mario Keßler und Theodor Bergmann, die der Linkspartei politisch nahestehen, das umstrittene Fraktionsvotum. Dies freilich heißt: Der Streit ist in vollem Gange. Gysi hat sich verkalkuliert. Der Riss innerhalb der Linkspartei hinsichtlich der Frage nach dem Zusammenhang von Antizionismus und Antisemitismus geht viel tiefer und könnte letztlich dazu führen, dass die grundlegenden Differenzen nicht mehr zu kitten sind. Mittlerweile hat sich auch Dieter Graumann geäußert, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er bemängelte die halbherzigen Versuche der Linken, sich von antisemitischen Positionen klar abzugrenzen. Zu Recht. Gut an all dem ist zumindest, dass die Debatte über linken Antisemitismus nicht einfach per Parteibeschluss beendet werden kann. Sie geht weiter. Mit ungewissem Ausgang.

Der Autor ist Gründungsmitglied des BAK Shalom in der Linkspartei und Co-Autor der Studie »Antisemiten als Koalitionspartner?«

Großbritannien

Applaus für britischen Außenminister von der Hamas

Ein hochrangiger Funktionär der Terrorgruppe begrüßt die Sanktionen, mit denen das Vereinigte Königreich Israel belegt hat. Das sei ein »wichtiger Schritt in die richtige Richtung«

 10.09.2026

Sachsen-Anhalt-Wahl

Nach AfD-Sieg: Cem Özdemir rief jüdische Gemeinden an

Der Ministerpräsident versicherte, dass sie in Baden-Württemberg nicht auf gepackten Koffern sitzen müssten

 10.09.2026

Bayern

Jugendlicher bestreitet Anschlagspläne auf Synagoge

Ein 16-Jähriger steht in Augsburg wegen Planung eines Anschlags vor Gericht. Ihm werden schwere Straftaten vorgeworfen. Das Verfahren läuft unter Ausschluss der Öffentlichkeit

 10.09.2026

Rosch Haschana

Neujahrswünsche von Friedrich Merz und Johann Wadephul

Zum jüdischen Neujahrsfest schicken der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister Grußbotschaften an die jüdischen Gemeinden

 10.09.2026

Krieg

Iran bereit für »Blitzoffensive«

Die iranische Militärführung betont ihre Bereitschaft zu schnellen Einsätzen im ganzen Land. Was Kommandeur Hassansadeh über Motivation und Strategie sagt

 10.09.2026

Erinnerung

Gedenkstätten-Leiterin wünscht sich stärkere Wirkung in Gesellschaft

Die Angebote von Gedenkstätten müssen nach Ansicht der niedersächsischen Stiftungsgeschäftsführerin Elke Gryglewski verständlicher werden. Sie fordert neue Zugänge zum Blick auf die NS-Zeit für breite Bevölkerungsschichten

von Charlotte Morgenthal  10.09.2026

Mecklenburg-Vorpommern

SPD nähert sich in Umfragen der AfD

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig präsentiert sich im Landtagswahlkampf als »die Frau gegen Blau«. In den Umfragen legt sie zu

 10.09.2026

Aufruf

Jüdische und christliche Jugendorganisationen warnen vor der AfD

Nach den Wahlen ist vor den Wahlen: Auf den AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt könnte bald ein zweiter in Mecklenburg-Vorpommern folgen. Die Sorge darüber vereint junge Menschen christlicher und jüdischer Herkunft

 10.09.2026

Sachsen-Anhalt

Charlotte Knobloch: »Die AfD ist rechtsextrem«

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern äußert sich »bis ins Tiefste entsetzt« über den AfD-Wahlerfolg und plädiert erneut für ein Verbotsverfahren gegen die Partei

 10.09.2026