Konflikt

Gut oder schlecht für Israel?

Kontrahenten: Lieberman (l.) und Barak Foto: Flash 90

Beide sitzen in derselben Regierung, und beide versichern, nur das Beste für ihr Land zu wollen. Doch Verteidigungsminister Ehud Barak und Außenminister Avigdor Lieberman streiten sich über eine Waffenruhe mit der Hamas.

Nachdem es in den vergangenen Tagen zwischen Israel und den Palästinensern in Gaza zu den schwersten Gefechten seit dem Krieg im Januar 2009 gekommen ist, hat Barak den Islamisten eine Waffenruhe angeboten. Wenn die Raketen- und Mörserangriffe aus dem Küstenstreifen ein Ende hätten, werde Israel sich zurückhalten, sagt Barak. Zuvor hatte die Hamas angeboten, auf Gewalt zu verzichten.

Armee Außenminister Lieberman glaubt an ein Ablenkungsmanöver. Die Islamisten wollten die Ruhe nur dafür nutzen, um sich neu zu formieren und noch mehr Waffen nach Gaza zu schmuggeln. Deshalb hält Lieberman viel mehr davon, wenn die israelische Armee die Hamas aus dem Gazastreifen vertriebe und eine neue Regierung einsetzte.

Dies könnte eine zumindest vorübergehende Besetzung des Küstenstreifens zur Folge haben, um sicherzustellen, dass ein Regimewechsel tatsächlich vollzogen wird. Das passt zu Lieberman, der dafür bekannt ist, einer militärischen Lösung von Konflikten das Wort zu reden. So hat er früher einmal vorgeschlagen, den Assuandamm in Ägypten zu bombardieren, sollte sich Kairo nicht mehr an den Friedensvertrag halten. Und als der Krieg in Gaza auf dem Höhepunkt war, meinte der gebürtige Moldawier, der Landstrich müsse »wie Tschetschenien« behandelt werden.

Geldwäsche Die außenpolitischen Interessen des Chef-Diplomaten könnten aber auch durch innenpolitische Motive mit beeinflusst sein. Denn zu Beginn der Woche wurde bekannt, dass gegen Lieberman eine Anzeige wegen Geldwäsche und Betrug vorbereitet wird.

Derweil versucht Barak, sich und seine neue Partei im linken Spektrum zu profilieren. Allzu weit abdriften kann er dabei allerdings nicht, da von ihm als Verteidigungsminister ein kompromissloser Anti-Terror-Einsatz erwartet wird. Um den Wählern Konzessionen schmackhaft zu ma- chen und die Angst vor Angriffen aus dem Gazastreifen zu nehmen, setzt der ehemalige Generalstabschef deshalb auf sein Image als »Mr. Security«.

Den Konflikt zwischen Barak und Lieberman entscheidet womöglich die Hamas. Hält sie sich an eine Waffenruhe, ist der Verteidigungsminister gestärkt. Wird sie gleich wieder gebrochen, könnte sich der Außenminister als Hardliner durchsetzen.

Nahost

Wie der Konflikt im Libanon den US-Deal mit Iran gefährdet

Der Gesprächsbeginn zwischen Washington und Teheran in der Schweiz lässt auf sich warten. Derweil spitzt sich die Lage zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon zu. Es gibt Tote auf beiden Seiten

von Hans Dahne, Christoph Meyer, Mathis Richtmann  19.06.2026

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

Berlin

Nouripour zu Iran-Rahmenabkommen: »Weg in Normalität für Regime«

Ist das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran ein Weg in den Frieden? Bundestagsvizepräsident Nouripour bezweifelt das. Die Übereinkunft gebe dem Iran vielmehr »eine andere Legitimität«

 19.06.2026

Bayreuth

Bayreuther Gedenkveranstaltung mit Michel Friedman soll nun doch stattfinden

Eine Gedenkveranstaltung zum Bayreuther Festspieljubiläum wird geplant, dann abgesagt. Michel Friedman und Charlotte Knobloch zeigen sich entsetzt – jetzt rudert das weltbekannte Opernfestival zurück

 19.06.2026

Washington D.C.

Republikaner kritisieren Trumps Iran-Abkommen ungewöhnlich scharf

»Die Geschichte zeigt, dass es eine außergewöhnlich schlechte Idee ist, Milliarden Dollar an theokratische Verrückte zu geben, die uns ermorden wollen«, sagt Senator Ted Cruz

 19.06.2026

Wahlkampf in Israel

Trump signalisiert Unterstützung für Netanjahu

»Ich werde mir ansehen müssen, wer kandidiert, aber ich mag Bibi sehr«, sagt der amerikanische Präsident

 19.06.2026

Genf

Absage aus Bern: Heute keine USA-Iran-Gespräche

Abkommen unterzeichnet, Treffen abgesagt: Die geplante Gesprächsrunde in der Schweiz findet heute doch nicht statt

 19.06.2026

Bayreuth

Scharfe Kritik nach abgesagter Gedenkveranstaltung

Eine Gedenkveranstaltung zum Festspieljubiläum wird geplant, dann abgesagt. Charlotte Knobloch ist entsetzt über die Bayreuther Festspiele

 19.06.2026

Essay

Zwischen Progressivität und Zerfaserung

Quo vadis, liberales Judentum? Ein Debattenbeitrag von Avitall Gerstetter

von Avitall Gerstetter  19.06.2026