Sachsen

Goldenbogen für Antisemitismusbeauftragten

»Alltagsrassismus kann man nicht unbedingt in Projekten abfangen«: Nora Goldenbogen Foto: Steffen Giersch

Die Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Sachsen, Nora Goldenbogen, hat sich für einen Antisemitismusbeauftragten im Freistaat ausgesprochen.

Ein solches Amt dürfe aber »keine Alibifunktion« haben, sondern müsse mit konkreten Aufgaben und Strukturen gefüllt werden, sagte Goldenbogen am Donnerstag bei einer Anhörung im Innenausschuss des sächsischen Landtages in Dresden. Die Linksfraktion hatte vor einigen Monaten einen Antrag zur Einrichtung eines Antisemitismusbeauftragten vorgelegt (Drucksache 6/12174).

Seit den 1990-er Jahren seien Juden regelmäßig mit Antisemitismus konfrontiert, sagte Goldenbogen. Die Hemmschwelle zu Hetze und Judenfeindlichkeit sei in den vergangenen Jahren zudem deutlich gesunken. Mitglieder der jüdischen Gemeinden hätten Angst, seien verunsichert.

Alltagsrassismus Um gegen einen anhaltenden Alltagsrassismus vorzugehen, reichten bisherige Maßnahmen und Strukturen nicht aus. »Alltagsrassismus kann man nicht unbedingt in Projekten abfangen«, sagte Goldenbogen. Auch mehrere Sachverständige befürworteten bei der Anhörung wegen des gewachsenen Antisemitismus das neue Amt in Sachsen. Die jüdischen Gemeinden zählen auf dem Gebiet des Freistaates nach eigenen Angaben rund 2600 Mitglieder.

Als erster Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung hatte Felix Klein am 1. Mai sein Amt angetreten. Seither gibt es auch in einigen Bundesländern eigene Antisemitismusbeauftragte im Kampf gegen Judenhass und zur Unterstützung der jüdischen Gemeinden. Vor Kurzem nahm in Hessen Felix Semmelroth seine Arbeit auf. Beauftragte gibt es auch in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Strukturen Die schwarz-rote sächsische Landesregierung hatte bereits im Vorfeld zu dem Antrag der Linken erklärt: »Im Freistaat Sachsen bestehen aus Sicht der Staatsregierung belastbare Strukturen, welche diese kontinuierliche Arbeit sicherstellen.«

Die Zahl antisemitischer Straftaten in Sachsen hat nach Angaben der Linksfraktion deutlich zugenommen. Allein im vergangenen Jahr seien 118 derartige Fälle bekannt geworden, 2016 waren es 90 Vorfälle.

Bei der Umfrage Sachsen-Monitor hatten 2017 rund 16 Prozent der Befragten der Aussage zugestimmt: »Juden versuchen heute Vorteile daraus zu ziehen, dass sie während der Nazi-Zeit die Opfer gewesen sind.« Zehn Prozent fanden sogar: »Die Juden haben einfach etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passen nicht so recht zu uns.« epd

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 02.11.2026

Berlin

SPD nominiert Michel Friedman für Bundesversammlung

Der Publizist darf damit über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier abstimmen

 02.11.2026

Frankfurt am Main

»Zeit ist’s!«

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach zur Eröffnung der Jüdischen Akademie in der Mainmetropole. Wir dokumentieren seine Rede

von Frank-Walter Steinmeier  02.11.2026

Berlin

Koalitionsverhandlungen für Rot-Grün-Rot beginnen

Sechs Wochen nach der Wahl starten Linke, Grüne und SPD in Berlin ihre Koalitionsverhandlungen. Viele Fragen sind noch offen – und Scheitern ist jederzeit möglich.

 02.11.2026

Jugendproteste

Prien: Bei Krawallen nach »Gen Z«-Protesten die Realität betrachten

Die Jugendministerin Prien spricht von »weitestgehend friedlichen Demonstrationen« am Samstag. Was danach geschah, nennt sie »Gewaltexzesse von linksradikalen Gruppen«. Es seien wohl auch Menschen »aus migrantischen Milieus« beteiligt gewesen

 02.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Endlich nimmt ein Verwaltungsgericht die Einschüchterung jüdischer Studierender ernst

Ein Kommentar

von Annabelle Ganapol  02.11.2026

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 02.11.2026

Robert F. Kennedy Jr. spricht an einem Rednerpult vor einer Wand mit dem Schriftzug MAHA

USA

Kennedy verteidigt Rede über Araber und lobt Juden

Der US-Gesundheitsminister weist Rassismusvorwürfe zurück und fragt, warum die Welt Juden hasse und Islamisten umarme

 01.11.2026