Einspruch

Gewähr bei Fuß

Plötzlich wollen es alle schon immer gewusst haben: Dass der Westen jahrzehntelang einen Diktator wie Hosni Mubarak stützte, konnte nur im Desaster enden. Doch so fatal das Festhalten an dem Autokraten im Namen einer zum Fetisch erhobenen »Stabilität« war – es ist wohlfeil, jetzt so zu tun, als habe es dafür gar keine rationalen Gründe gegeben.

Gaza Das ägyptische Regime gewährleistete, dass die stärkste Militärmacht Arabiens einen »kalten Frieden« mit Israel einhielt und ein großer, womöglich gar atomar eskalierender, Nahostkrieg vermieden wurde. Weit und breit finden sich bis heute in der arabischen Welt keine anderen maßgeblichen Kräfte – auch keine »säkularen« –, die zur Anerkennung des jüdischen Staates bereit wären. Wer immer im Ägypten nach Mubarak Einfluss gewinnen wird, eine baldige Öffnung der Grenze zu Gaza und eine stärkere Unterstützung von Hamas und Hisbollah scheint sicher. Und ob ein Ägypten in ungewissem Umbruch weiterhin die gefährlichste Despotie des Nahen Ostens, die Islamische Republik Iran, eindämmen kann, ist zweifelhaft.

Der Preis dafür, Mubarak bei Laune zu halten, war für den Westen freilich hoch. Das Regime des Autokraten schürte im Inneren Antiamerikanismus und paranoiden Hass gegen Israel, um von seinen Schandtaten gegen die eigene Bevölkerung abzulenken. Dieses Gift wird Mubaraks Herrschaft noch lange überdauern. Selbst wenn sich die Sorge als unbegründet erweisen sollte, Islamisten könnten die ägyptische Freiheitsbewegung hijacken – dass sich ein demokratisches Ägypten gegenüber Israel aufgeschlossener zeigen würde als die alten Mächte des arabischen Nationalismus, gehört wohl ins Reich der Illusionen.

Und doch bieten nur freiheitliche Verhältnisse den arabischen Gesellschaften auf lange Sicht die Chance, jene irrationalen Hassideologien zu überwinden, mit denen sie unter der Dunstglocke der Despotie kontaminiert wurden.

Der Autor ist Politischer Korrespondent der »Welt« und der »Welt am Sonntag«.

Berlin

CSD-Veranstalter: Anschlag nicht instrumentalisieren

Der Berliner CSD-Verein fordert Solidarität statt Spaltung nach dem Anschlag im Tiergarten. Was die Veranstalter noch betonen

 26.07.2026

Berlin

Wegner lobt nach Anschlag Einsatzkräfte und CSD-Veranstalter

Berlins Regierungschef Wegner hebt das rasche Handeln und das Zusammenspiel nach dem Terroranschlag am Rande des CSD hervor. Worüber er nun in den nächsten Tage sprechen möchte

 26.07.2026

Berlin

Bundeskanzler nennt CSD-Anschlag terroristisch und islamistisch

Nicht nur ein Angriff auf Teilnehmer des Berliner CSD, sondern auch einer gegen Freiheit und Offenheit – Bundeskanzler Merz kündigt an, genau das über Parteigrenzen verteidigen zu wollen

 26.07.2026

Karlsruhe

Generalbundesanwalt soll CSD-Ermittlungen übernehmen

Ein mutmaßlich islamistischer Hintergrund steht bei den Ermittlungen zum Anschlag am Rande des Berliner CSD im Fokus. Die Zuständigkeit wechselt daher bald zur obersten Anklagebehörde in Deutschland

 26.07.2026

Berlin

Dobrindt spricht von Terroranschlag – Verdächtiger flüchtig

Dramatisches Ende eines bunten Festes: Am Rande des CSD in Berlin fährt ein Fahrzeug in die Menge. Eine Person stirbt, 29 Menschen werden verletzt. Nach dem mutmaßlichen Täter wird gefahndet

 26.07.2026 Aktualisiert

Meinung

Die Gefahr des Islamismus endlich ernst nehmen

Nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD reichen Bekundungen der Trauer und Betroffenheit nicht. Es braucht konkretes gesetzgeberisches Handeln, um dem Terror zu begegnen

von Volker Beck  26.07.2026

Berlin

Blumen, Trauer und Tränen nach CSD-Angriff

Eine Frau stirbt, viele Menschen werden schwer verletzt. Der Angriff mit einem Auto im Berliner Tiergarten galt offensichtlich den Besuchern des Christopher Street Day

von Andreas Rabenstein, Monika Wendel  26.07.2026

Teheran

Iran droht USA mit Ausweitung des Konflikts

Das iranische Militär droht den USA mit einer Ausweitung der Kämpfe. Sollten die Luftangriffe andauern, werde Teheran neue militärische Strategien in der Region anwenden

 26.07.2026

Berlin

CSD-Angriff: Keine Lebensgefahr bei acht Charité-Patienten

Ein Mann steuert am Samstagabend einen Van in eine Menschenmenge. Eine Frau stirbt. Mehrere Menschen erleiden teilweise schwere Verletzungen. Acht von ihnen werden in die Charité gebracht

 26.07.2026