Einspruch

Gewähr bei Fuß

Plötzlich wollen es alle schon immer gewusst haben: Dass der Westen jahrzehntelang einen Diktator wie Hosni Mubarak stützte, konnte nur im Desaster enden. Doch so fatal das Festhalten an dem Autokraten im Namen einer zum Fetisch erhobenen »Stabilität« war – es ist wohlfeil, jetzt so zu tun, als habe es dafür gar keine rationalen Gründe gegeben.

Gaza Das ägyptische Regime gewährleistete, dass die stärkste Militärmacht Arabiens einen »kalten Frieden« mit Israel einhielt und ein großer, womöglich gar atomar eskalierender, Nahostkrieg vermieden wurde. Weit und breit finden sich bis heute in der arabischen Welt keine anderen maßgeblichen Kräfte – auch keine »säkularen« –, die zur Anerkennung des jüdischen Staates bereit wären. Wer immer im Ägypten nach Mubarak Einfluss gewinnen wird, eine baldige Öffnung der Grenze zu Gaza und eine stärkere Unterstützung von Hamas und Hisbollah scheint sicher. Und ob ein Ägypten in ungewissem Umbruch weiterhin die gefährlichste Despotie des Nahen Ostens, die Islamische Republik Iran, eindämmen kann, ist zweifelhaft.

Der Preis dafür, Mubarak bei Laune zu halten, war für den Westen freilich hoch. Das Regime des Autokraten schürte im Inneren Antiamerikanismus und paranoiden Hass gegen Israel, um von seinen Schandtaten gegen die eigene Bevölkerung abzulenken. Dieses Gift wird Mubaraks Herrschaft noch lange überdauern. Selbst wenn sich die Sorge als unbegründet erweisen sollte, Islamisten könnten die ägyptische Freiheitsbewegung hijacken – dass sich ein demokratisches Ägypten gegenüber Israel aufgeschlossener zeigen würde als die alten Mächte des arabischen Nationalismus, gehört wohl ins Reich der Illusionen.

Und doch bieten nur freiheitliche Verhältnisse den arabischen Gesellschaften auf lange Sicht die Chance, jene irrationalen Hassideologien zu überwinden, mit denen sie unter der Dunstglocke der Despotie kontaminiert wurden.

Der Autor ist Politischer Korrespondent der »Welt« und der »Welt am Sonntag«.

27. Januar

Gedenken in Auschwitz

Frank-Walter Steinmeier: »Ich verneige mich in Trauer vor den Opfern und den Überlebenden«

 27.01.2020

Berlin

Auschwitz-Überlebende treffen Steinmeier

Peter Gardosch: »Ich besuche heute das Grab meiner Familie«

von Katharina Schmidt-Hirschfelder  27.01.2020

Berlin

»Über die großen Hoffnungen der Menschheit nachdenken«

Die Schoa-Überlebende Esther Bejarano spricht sich in einem offenen Brief für 8. Mai als Feiertag aus

 26.01.2020

27. Januar

»Der Konsens bröckelt«

Zentralratspräsident Josef Schuster: Das Gedenken an die Schoa muss Teil der deutschen Staatsräson bleiben

 26.01.2020

27. Januar

Zum Gedenken

Die Erinnerung ist für die Nachfahren der Opfer anders als für die Nachfahren der Täter

von Natan Sznaider  26.01.2020

Berlin

Jüdisches Leben stärken

Felix Klein: Trotz Antisemitismus gibt es unter Juden eine »große Bereitschaft zu bleiben«

 25.01.2020

Umfrage

Mehr als jeder Dritte für Schlussstrich unter NS-Zeit

Im Jahr 2018 lag der Anteil noch bei 26 Prozent, mittlerweile liegt er bei 37 Prozent

 24.01.2020

Passau

Kein Schlussstrich

Josef Schuster erinnert bei Gedenken von Bayern, Österreich und Tschechien an Opfer der NS-Zeit

 24.01.2020

Meinung

Göttingen: Applaus für Populisten

Hinter vermeintlicher Israelkritik steckt oftmals Schuldabwehr – das ist 75 Jahre nach Auschwitz besonders befremdlich

von Meron Mendel  24.01.2020