Islamismus

Gegen den Hass auf Juden

Ahmad Mansour, israelisch-deutscher Psychologe und Publizist Foto: imago

Brandenburg will die Integration muslimischer Zuwanderer stärken – und startet dafür ein Präventionsprogramm gegen Islamismus. Während die Integration auf dem Arbeitsmarkt mit inzwischen rund 4500 Flüchtlingen in Beschäftigungsverhältnissen eine »Erfolgsgeschichte« im Bundesland sei, gebe es bei der kulturellen Integration von Flüchtlingen noch offene Fragen, sagte Staatskanzleichef Martin Gorholt (SPD) am Freitag in Potsdam.

Zusammen mit dem Islamismusexperten Ahmad Mansour stellte er das Projekt »Reflect« vor. Das Projekt läuft nach Aussage von Mansour bereits in Bayern.

PATRIARCHAL Das »Reflect«-Projekt, das zunächst an sechs märkischen Schulen angeboten werden und am Oberstufenzentrum Cottbus starten soll, richte sich vor allem an junge Menschen aus patriarchal und muslimisch geprägten Herkunftsländern, sagte Gorholt.

Zielgruppe seien junge Flüchtlinge und andere Migranten. Am Oberstufenzentrum Cottbus werden nach Angaben des Schulleiters Michael Seifert derzeit rund 1530 Jugendliche unterrichtet, darunter auch 105 Migranten in acht Willkommensklassen für Flüchtlinge.

Jugendliche müssen sich mit antisemitischen Traditionen auseinandersetzen.

»Wir wollen schneller sein als jegliche Extremisten«, sagte Mansour. Die beste Prävention gegen islamistischen Extremismus sei eine gelungene Integration. Dazu müssten Jugendliche jedoch auch emotionale Zugänge finden und sich offen mit patriarchalen, antisemitischen und anderen kulturellen Traditionen der Herkunftsgesellschaften auseinandersetzen können.

RISIKOFAKTOREN Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern als Bedrohung anzusehen und anderen Kulturen und Religionen mit Verachtung zu begegnen, seien Risikofaktoren für eine Radikalisierung, betonte der deutsch‐israelische Psychologe: »Diese Menschen wollen wir erreichen«, betonte Mansour.

Ziel sei, ihnen Denkanstöße zu geben und Alternativen aufzuzeigen, sagte der Psychologe, der selbst aus einer muslimischen palästinensischen Familie stammt: »Wir wollen mit allen reden.« Damit könne ein muslimisches Selbstverständnis gefördert werden, das für Freiheit und Menschenrechte steht.

Ziel ist es, Denkanstöße zu geben und Alternativen aufzuzeigen, sagte der Psychologe.

Erfolge seien dabei nicht unmittelbar messbar, betonte der Psychologe. Integrationsarbeit sei ein sehr langer Prozess, der nicht immer sichtbar sei. Ein Erfolg sei jedoch bereits, wenn ein erklärter Antisemit bereit sei, in einem Spiel die Rolle eines Juden zu übernehmen.

WERTE Bei dem Projekt, das vom »Bündnis für Brandenburg« im laufenden Jahr mit knapp 140.000 Euro gefördert wird, sollen in Workshops Werte, Einstellungen und Meinungen unter anderem zu Fragen von Gleichberechtigung, Männlichkeitskonzepten, Islamverständnis und Antisemitismus behandelt werden, hieß es. Es sei wichtig zu vermitteln, dass sich alle Menschen an die in Brandenburg und Deutschland geltenden Regeln halten und das Grundgesetz respektieren müssen, sagte Gorholt.

Das »Bündnis für Brandenburg« wurde als Antwort auf die große Zahl von Flüchtlingen vor einigen Jahren gegründet. Es fördert nach Angaben der Staatskanzlei Modellprojekte, die integrationsfördernde

Begegnungs‐ und Freizeitangebote ermöglichen, die gesellschaftliche Teilhabe von Flüchtlingen unterstützen, den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken und Toleranz der brandenburgischen Bevölkerung fördern.  epd

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