Interview

»Gaddafi ist völlig verrückt«

Herr Luzon, wie bewerten Sie den Aufstand gegen Muammar al-Gaddafi in Libyen?
Das Volk geht aus den gleichen Gründen gegen die Herrscherfamilie auf die Straße wie vor wenigen Wochen die Menschen in Tunesien und Ägypten. Sehnsucht nach Demokratie und Zorn auf den Diktator treiben die Bevölkerung an.

Gaddafi geht sehr brutal gegen die Demonstranten vor.
Ja, es herrscht Bürgerkrieg. Offenbar ist das, was wir im Fernsehen sehen und im Radio hören, harmlos im Vergleich zu dem, was sich tatsächlich abspielt. Ich habe unfassbare Geschichten gehört.

Woher beziehen Sie Ihre Informationen?
Ich habe enge Kontakte nach Libyen. Meine Freunde im Land halten mich über die Situation auf dem Laufenden. Was sie mir erzählen, klingt entsetzlich. Außerdem habe ich Beziehungen zu einigen führenden libyschen Oppositionellen, die in Europa leben. Auch sie versorgen mich mit Information. Wir hoffen sehr, dass das Regime in den nächsten Tagen am Ende ist.

Was sollte die westliche Welt jetzt tun?
Alles in Bewegung setzen, um diesen Völkermord zu beenden. Man muss Gaddafi und seiner Familie klarmachen, dass sie, wenn sie nicht aufhören, einen sehr hohen Preis bezahlen werden. Ich denke, die Nato sollte prüfen, ob sie eingreift. Gaddafi ist vollkommen verrückt. Ihm ist zuzutrauen, dass er chemische Waffen gegen sein Volk einsetzt.

Sie waren vergangenen Sommer zum ersten Mal seit Ihrer Auswanderung 1967 wieder in Libyen. Was war der Zweck Ihrer Reise?
Ich hatte jahrelang versucht, die Orte meiner Kindheit wiederzusehen. Doch immer wurde mein Wunsch abgelehnt. Plötzlich erhielt ich eine persönliche Einladung von Gaddafi. Und so machte ich mich gemeinsam mit meiner Mutter auf die Reise.

Sie sind mit Gaddafi selbst zusammengetroffen. Welchen Eindruck hatten Sie von ihm?
Er wirkte merkwürdig und wenig präsent. Möglicherweise stand er unter Drogen.

Worüber haben Sie gesprochen?
Über meine Verwandten, die bei einem Pogrom 1967 getötet wurden und in einem Massengrab liegen. Ich bat darum, die Leichname nach jüdischem Ritus zu bestatten. Außerdem ging es um Entschädigung für Vermögen, das mein Vater in Libyen zurückließ, sowie um Besitz der früheren jüdischen Gemeinde, darunter zahlreiche Synagogen.

Träumen Sie davon, dass es in einem neuen Libyen eines Tages wieder eine jüdische Gemeinde gibt?
Meine rationale Antwort ist: Nein. Aber wer weiß, in welche Richtung sich Libyen eines Tages entwickelt. Vielleicht kehren einige Juden – zumindest vorübergehend – in ihre alte Heimat zurück.

Mit dem Europa-Direktor der World Organization of Jews of Libya sprach Tobias Kühn.

Berlin

Bundesrat will Hakenkreuz-Schmierereien an Schulen bestrafen

Die Nutzung von verfassungsfeindlichen Kennzeichen durch Schüler soll strafbar werden. Der israelische Botschafter begrüßt den Schritt

 06.03.2026

Washington D.C.

Bodentruppen im Iran? Trump spricht von »Zeitverschwendung«

Grundsätzlich ausschließen wollte die US-Regierung den Einsatz von Bodentruppen im Iran bislang nicht. Jetzt reagiert Präsident Trump auf Äußerungen des iranischen Außenministers zu dem Thema

 06.03.2026

Gedenkstätte

Buchenwald-Verbände lehnen »Kufiyas«-Kampagne ab

Die Initiatoren der Kampagne würden zudem die historische Dimension der NS-Verbrechen verkennen

 06.03.2026

Washington D.C.

Schätzung: US-Angriff auf Iran kostet jetzt schon Milliarden

Seit Samstag greifen die USA - zusammen mit Israel - den Iran aus der Luft an. Neben vielen anderen Fragezeichen hinter der Militäraktion ist auch unklar, wie viel das eigentlich kostet

 06.03.2026

Forschungsprojekt

Hochschule für Jüdische Studien will Schüler handlungsfähig machen

Antisemitischer Hass ist im Netz allgegenwärtig. Ein neues Projekt erforscht jetzt linken Judenhass - und befähigt Schüler, der Hetze entgegenzutreten. Entscheidend dabei: Medienkompetenz und historisches Wissen

von Volker Hasenauer  06.03.2026

Düsseldorf

AfD-Jugend NRW ist rechtsextremistischer Verdachtsfall

Neuer Name, aber nach Einschätzung der Behörden alte Strukturen: Der NRW-Verfassungsschutz hat die AfD-Jugend erneut im Visier

 06.03.2026

Teheran

Internet im Iran weiterhin gesperrt

Irans Sicherheitsapparat hat die Bevölkerung wegen des Kriegs vom Internet abgeschnitten. Nur wenige ausgewählte Menschen haben Netz

 06.03.2026

Bremen

Politikerin tritt nach Foto aus Holocaust-Ausstellung zurück

Ein Post mit Koffern aus einer Holocaust-Ausstellung brachte die Vizepräsidentin der Bremischen Bürgerschaft in Bedrängnis

 06.03.2026 Aktualisiert

Berlin

Trauer um Chamenei in Berliner Moschee

Auf dem Gelände der Moschee hingen mehrere Traueranzeigen, in denen der getötete Geistliche als Märtyrer bezeichnet wurde

 06.03.2026