Meinung

Friedenau: Wir müssen handeln

Der antisemitische Vorfall an einer Friedenauer Schule spiegelt eine traurige Realität des Berliner Schullebens wider. Leider ist dies kein Einzelfall, doch in diesem Ausmaß gehört es nicht zur Normalität. Ein Jugendlicher wurde von seinen Mitschülern so stark schikaniert, weil er Jude ist, dass er keinen anderen Ausweg gesehen hat, als seine Schule zu verlassen. In den Fokus der Debatten ist der ethnisch-religiöse Hintergrund der Täter gerückt.

Es gibt Antisemitismus unter Muslimen; ihn zu verschweigen, wäre falsch. Es ist aber auch nicht richtig, den Antisemitismusvorwurf pauschal gegen Muslime als homogene Gruppe zu erheben. Wenn man den Antisemitismus unter Muslimen angehen möchte, dann hilft es wenig, sie als Judenhasser zu disqualifizieren.

Ja, es gibt antisemitische Muslime, doch es gab zugleich noch nie mehr muslimisches Engagement gegen Antisemitismus und für einen jüdisch-muslimischen Dialog als heute. Das Bemühen junger Muslime, den Antisemitismus in ihren Communitys zu bekämpfen, ist ein neues Phänomen, das sich in vielen Projekten ausdrückt und möglicherweise einen Trend markiert: social consciousness. Das ist eine Form der gesellschaftlichen Partizipation, die auf selbst erkannte soziale Verantwortung baut.

prävention Ein auf Toleranz und Dialog ausgerichtetes Selbstverständnis ist eine religiös begründete Motivation hierfür; politische Beweggründe sind etwa Ausgrenzungserfahrungen, die in der eigenen Wahrnehmung deutlich zunehmen. Beide Motivationen kann man in der pädagogischen Arbeit zum Thema als »door opener« benutzen. Über sie wird Empathie für den jeweils anderen ermöglicht, ohne dass es zu einer Art Wettbewerb von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus kommt.

Der Fall Friedenau hat verdeutlicht, dass, so gut die Präventionsarbeit auch sein mag, es immer wieder zu Situationen wie der jetzt zu beklagenden kommen kann. Da von Schuldigen zu sprechen, ist aus meiner Sicht nicht hilfreich. Als Lehrer und Leiter eines Bildungsträgers habe ich die Pflicht, vor Ort nach Lösungen zu suchen, unabhängig von der medialen Aufmerksamkeit, die das Thema berechtigterweise erhält. Das gemeinsame Ziel muss sein, solche Vorkommnisse künftig zu verhindern. Partner in diesem Kampf sind Muslime, Lehrer, Juden, Jugendliche, Politiker – alle, gemeinsam, in gleicher Verantwortung.

Der Autor ist im Vorstand der »Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus« in Berlin.

Debatte um Erklärung

Hickhack bei Rot-Grün-Rot: Das steht in den Antisemitismus-Papieren

Die Berliner Regierungsbildung stockt, nachdem die Linke im Abgeordnetenhaus ein eigenes Papier zum Kampf gegen Antisemitismus gebilligt hat. Wo sich die zwei Erklärungen unterscheiden

 14.10.2026

Umfrage

66 Prozent der Unionswähler für Prüfung von AfD-Verbot

Eine Campact-Umfrage zeigt, dass die Wähler der Unionsparteien mehrheitlich für die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens sind. Auch eine Koalition mit der AfD wird von Anhängern der Mitte-Parteien deutlich abgelehnt

 14.10.2026

Sachsen-Anhalt

Eine Woche voller Eklats

Nach der Wahl des Landtagspräsidiums bröckelt die »Brandmauer« in der CDU weiter. Das Gedenken in Halle bot einen Vorgeschmack auf ein Land unter AfD-Regierung

von André Anchuelo  14.10.2026

Ministerpräsident Sven Schulze (CDU)

Landtag von Sachsen-Anhalt

Ministerpräsidenten-Wahl: CDU will im dritten Wahlgang im Plenarsaal sein

Bei der Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt will die CDU den Plenarsaal zunächst verlassen. Für einen möglichen dritten Wahlgang kündigt Fraktionschef Sven Schulze ein anderes Vorgehen an. AfD und BSW beschließen derweil einen Antrag zur Ukraine

 14.10.2026

Berlin

»Eine gute Wahl«: Bundesregierung ernennt von Schnurbein zur Beauftragten für jüdisches Leben

Die 52-jährige EU-Beamtin ist am Mittwoch offiziell zur Nachfolgerin von Felix Klein bestellt worden. Aus den jüdischen Verbänden und Gemeinden kamen unisono positive Reaktionen

von Michael Thaidigsmann  14.10.2026

Regierungsbildung in Berlin

Banaszak: Emdes Fraktions-Aus war Grundlage für Sondierungen

Die Grünen-Landesvorsitzende Stahr betont hingegen, dass ihre Partei weiter »am Tisch sitzt« und auf eine Erklärung der Linken wartet

 14.10.2026

Regierungsbildung in Berlin

Schwerdtner bedauert Gesprächspause in Berlin

Die Gespräche über eine rot-grün-rote Regierung in Berlin liegen auf Eis. Linken-Bundeschefin Ines Schwerdtner hält die Erklärung ihrer Fraktion zu Antisemitismus dennoch für ausreichend

 14.10.2026

Berlin

Julia Klöckner: AfD-Verbotsverfahren nicht »aus dem Bauch heraus starten«

Die CDU-Bundestagspräsidentin warnt davor, die Rechtsaußen-Partei zum »Märtyrer« zu machen

 14.10.2026

Unterbrochene Sondierungen

Berliner CDU an Grüne und SPD: »Hand ist ausgestreckt«

Die Regierungsbildung zwischen Linken, Grünen und SPD in Berlin stockt. Nach der überraschenden Unterbrechung der Sondierungen meldet sich ein Wahlverlierer zu Wort

 14.10.2026