Berlin

»Fragwürdige Partner«

Rabbiner Elias Dray und Imam Ender Cetin (r.) Foto: www.meet2respect.de

Das American Jewish Committee (AJC) und der Arbeitskreis Jüdischer Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten Berlin/Brandenburg äußern sich skeptisch über den Fahrradkorso, bei dem am Sonntag Juden und Muslime gemeinsam durch die Hauptstadt gefahren sind. Vorbehalte gegen die vom Verein Leadership Berlin ins Leben gerufene Aktion »meet2respect‐Tandemtour« formulieren auch der Islam‐Experte Ahmad Mansour und der Grünen‐Politiker Volker Beck.

Der Arbeitskreis Jüdischer Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten hält Fahrradtandems aus Rabbinern und Imamen zwar prinzipiell für eine gute Idee. »Aber eines muss klar sein: Mit Imamen und Moscheen, die sich nicht eindeutig von Islamismus, von Israelhass und Extremismus distanzieren, darf es keine gemeinsamen Aktionen geben«, sagte der Vorsitzende des Arbeitskreises, Mirko Freitag.

Sicherheitsbehörden Auch das AJC Berlin erklärte, dass es muslimisch‐jüdische Dialoginitiativen zwar begrüße. Denn in Zeiten eines erstarkenden Rechtspopulismus seien neue demokratische Bündnisse wichtig. Doch brauche es hierfür vertrauenswürdige Partner. »Vertreter von Moscheevereinen, die laut Sicherheitsbehörden in Verbindung zu islamistischen Kreisen stehen, sind dabei fragwürdige Partner im Kampf gegen Extremismus«, erklärte AJC‐Direktorin Deidre Berger.

Kritisch betrachtet wird die Teilnahme des Berliner Imams Mohamed Taha Sabri an der Aktion. Sabri ist Vorsitzender und Imam der »Neuköllner Begegnungsstätte e.V.« (NBS) in Berlin. Der Moscheeverein wird in den Berliner Verfassungsschutzberichten des Jahres 2014, 2015 und 2016 genannt.

Der Verein Leadership Berlin sagte der Jüdischen Allgemeinen auf Anfrage, dass die Zusammenarbeit mit Imamen wie Sabri besonders wichtig sei, weil auf diesem Wege möglichst viele Gemeindemitglieder für den Kampf gegen Antisemitismus sensibilisiert würden.

Bilder Ganz anders sieht das der Islamismus‐Experte Ahmad Mansour, der selbst Projekte gegen Antisemitismus durchführt. »Ich halte nicht viel von Aktionen, die für schöne Bilder, aber leere Worte stehen. Und die gemeinsame Tandemfahrt ist genau solch eine Initiative.« Manche Imame stehen nicht für ein glaubhaftes und glaubwürdiges Engagement gegen Judenhass, so Mansour.

Akteure, die vom Verfassungsschutz erwähnt werden, müssten von Dialog‐Aktionen tunlichst ausgeschlossen werden. Mit Blick auf die teilnehmenden Rabbiner der interreligiösen Tandems sagte Mansour: »Die jüdische Gemeinschaft darf nicht so naiv sein und sich von solchen Initiativen instrumentalisieren lassen. Ein Koscherzertifikat wäre fatal.«

Der Grünen‐Politiker Volker Beck hob hervor, dass es »eigentlich eine schöne Idee sei, dass Juden und Muslime gemeinsam mit der Kraft der Beine auf dem Tandem vorankommen«. Denn interreligiöser Dialog und friedliches Miteinander brauchen auch Symbole und Bilder. »Aber Bilder können gefährlich sein und falsche Geschichten erzählen, wenn problematische Figuren wie Mohamed Taha Sabri von der Neuköllner Begegnungsstätte in solch eine Versöhnungs‐ und Freundschaftsaktion einbezogen werden«, so Beck. Er wünsche sich vom Veranstalter mehr Transparenz und mehr Mut zur offenen Auseinandersetzung.

Initiatoren Unter dem Motto »Gemeinsam Antisemitismus und Islamfeindlichkeit entgegen lenken« beteiligten sich rund 25 gemischt besetzte Tandems unter anderem aus Rabbinern und Imamen am Fahrradkorso. Zu den Initiatoren und Teilnehmern gehörten unter anderem der muslimische Theologe und frühere Vorsitzende der Berliner Sehitlik‐Moschee, Ender Cetin, sowie Rabbiner Elias Dray von der Israelitischen Kultusgemeinde im bayerischen Amberg.

Beide besuchen als »Tandem« regelmäßig Berliner Schulklassen mit mehrheitlich muslimischen Schülern und leisten dort Aufklärungsarbeit. Ein weiteres Fahrrad‐Tandem bildeten die Berliner Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement, Sawsan Chebli (SPD), und der Antisemitismusbeauftragte der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Sigmount Königsberg.

Kooperationspartner der Tandemtour waren nach Angaben zufolge auch die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA), das Zentrum für Antisemitismusforschung, das Jüdische Museum Berlin, Violence Prevention Network und die Lange Nacht der Religionen.

Die bislang letzte Tandemtour durch Berlin mit Rabbinern und Imamen fand 2015 statt. Während des Evangelischen Kirchentages vor einem Jahr gab es zudem einen Fahrradkorso mit religiös und weltanschaulich gemischten Teams. ja (mit epd)

Vereinte Nationen

»Völlig absurde Situation«

Hillel Neuer über Initiativen gegen israelfeindliche Abstimmungen in der UN

von Michael Thaidigsmann  21.03.2019

Begräbnisse

Über den Tod hinaus

Der Landtag Mecklenburg-Vorpommern diskutiert ein neues Bestattungsgesetz. Religionsvertreter dürfen mitplanen

von Hans-Ulrich Dillmann  21.03.2019

Nachrichten

Rechte Verlage, polnisches Parlament, palästinensische Terroristin

Meldungen aus Politik

 21.03.2019