Sportpolitik

Foul mit Ansage

Nahostpolitik auf dem grünen Rasen: Die »Palestinian Football Association« will dem israelischen Verband die Rote Karte zeigen. Foto: dpa

Die Fußballwelt schaut auf Zürich. Dort trifft sich dieser Tage der Weltfußballverband, die FIFA, zur jährlichen Tagung. Im Mittelpunkt steht die voraussichtliche Wiederwahl des umstrittenen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter. Aber auch eine politisch brisante Abstimmung könnte es auf die Tagesordnung schaffen: Es geht um den Ausschluss eines Nationalverbandes.

209 Verbände gehören der FIFA an, von A wie Afghanistan bis Z wie Zypern. Mehr als ein Dutzend Verbände haben einen Halbmond in ihrer Staatsflagge, mehr als zwei Dutzend ein Kreuz. Nur einer hat einen Davidstern – der Fußballverband Israels, des jüdischen Staates. Und der soll bald nicht mehr auflaufen dürfen – das zumindest ist das Ansinnen der Palestinian Football Association.

sanktionen
Präsident dieses Verbandes und zugleich des Palästinensischen Olympischen Komitees ist Dschibril Radschub. Der ehemalige Chef des palästinensischen Sicherheitsdienstes gilt als starker Mann im Westjordanland und ist dort so etwas wie ein Volksheld. Er saß 15 Jahre wegen terroristischer Handlungen in israelischen Gefängnissen. Nun unternimmt er jeden erdenklichen Versuch, Sanktionen gegen den israelischen Sport zu erwirken.

Meinetwegen kann Herr Radschub sagen und denken, was er will. Aber sein Amt als Sportfunktionär zu missbrauchen, um politisch gegen den jüdischen Staat vorzugehen, ist eine Regelverletzung, ein grobes Foul.

Bei der FIFA geht es um Sport und um Fußball, so sollte es zumindest sein. Sport und Fußball sollten Brücken schlagen und Völker vereinen. Ich bin nicht weltfremd und weiß, dass Sport und Politik immer miteinander verbunden sind. Aber klar ist: Sport kann keine politischen Konflikte lösen. Weder wird der Welttennisverband einen Weg aus der Ukrainekrise weisen, der Weltbasketballverband den Syrienkrieg stoppen, der Weltschwimmverband die Besatzung der Westsahara beenden, noch der Weltturnverband die Unterdrückung der nationalen Minderheiten in China unterbinden können. Und so wird auch der Weltfußballverband den Nahostkonflikt keiner Lösung näherbringen. Das Thema gehört hier auch nicht hin, weder in den Züricher Tagungsraum noch auf den grünen Rasen.

präzedenzfal
l Allein die Zulassung des Antrags schafft schon einen Präzedenzfall. Würde der israelische Nationalverband ausgeschlossen oder sanktioniert, flöge dann morgen der ukrainische, übermorgen der iranische Verband vom Platz? Wie ginge es weiter? Die Büchse der Pandora wäre geöffnet.

Blatter weiß das, daher hatte er zuvor noch eine Friedensmission unternommen, versuchte zwischen beiden Verbänden zu vermitteln, führte Gespräche in Jerusalem und Ramallah – und scheiterte. Er musste bei seiner Nahostreise zur Kenntnis nehmen, dass es in der Natur eines Konflikts liegt, dass beide Seiten unterschiedlichste Auffassungen haben. Vielleicht unüberbrückbare.

Palästinenser klagen über Schikanen gegen ihre Aktiven. Israel verweist auf sicherheitsrelevante Entscheidungen gegen Fußballer, die in terroristische Aktivitäten verwickelt waren. Palästinenser beklagen, dass der israelische Verband nicht angemessen auf rassistische Äußerungen gegen arabische Kicker reagiert. Israel betont, dass es sehr wohl Rassismus in den Stadien ahndet und es muslimische und christliche Kicker in israelischen Ligen gibt, umgekehrt aber nicht eine einzige jüdische Mannschaft in arabischen Nachbarländern spielen kann.

»friedensspiel« Aber der FIFA-Boss gibt sich unbeirrt: »Der Fußball ist stärker als alle Probleme, die es geben könnte.« So glaubt er, zumindest noch seine Idee eines »Friedensspiels« zu retten. Dem Vernehmen nach sollen sich palästinensische und israelische Spieler auf dem grünen Rasen begegnen. Vielleicht in Zürich. Eine nette Geste. Blatter plädiert für »Friedensspiel statt Kampfabstimmung«, bis zur Mitte der Woche ohne Erfolg.

Die Petition der Palästinenser ist die Fortführung des politischen Kampfes mit anderen Mitteln. Wieder einmal versuchen sie, den jüdischen Staat vor den Augen der Welt zu stigmatisieren, zu diffamieren und zu marginalisieren. Als erstes und bislang einziges Land in der Geschichte der FIFA wurde der Apartheidstaat Südafrika aus dem Weltfußballverband ausgeschlossen. Und nun womöglich Israel? Ein starkes Stück!

Israel gerät als einziger Staat der Welt immer mehr in internationale Isolation. Ob im Sport, in der Politik, Kultur oder Wirtschaft: Der jüdische Staat wird zunehmend dämonisiert und delegitimiert.

boykottforderungen
Mich persönlich erinnern diese Boykottforderungen an jene Zeit, in der mein jüdischer Vater – der der Deportation nur knapp entging – entgeistert und verstört miterleben musste, wie alles Jüdische plötzlich ausgegrenzt wurde. Auch im Sport. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich ziehe keinen Vergleich. Aber wer angesichts der Boykottforderungen gegen Israel im Bereich des Handels, der Wissenschaft, der Kunst und nun auch im Sport nicht an die Schilder mit der Aufschrift »Kauft nicht bei Juden!« denkt, der möchte die Parallele vielleicht auch gar nicht erkennen. Damit aber kann und will ich mich nicht abfinden.

Deshalb nochmals: Das Foul mit Ansage eines palästinensischen Funktionärs gegen den israelischen Fußballverband kann nur mit einer Maßnahme geahndet werden: Zeigt dem Mann die Rote Karte!

Der Autor ist Fußballkommentator und Fernsehjournalist.

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