TikTok

Fachleute warnen vor neuer Terror-Generation

Foto: picture alliance / CFOTO

Nach dem Anschlag von Solingen warnen Fachleute vor klischeehaften Vorstellungen von Radikalisierung. So seien geflüchtete Menschen in Beratungsstellen »eher weniger Thema«, sagte Extremismus-Experte Thomas Mücke den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er ist Geschäftsführer des gemeinnützigen »Violence Prevention Network«, das mehrere regionale und eine bundesweite Beratungshotline zu Extremismus unterhält.

Auch spielten direkte Kontakte eine weitaus größere Rolle als einschlägige Inhalte im Netz. »Menschen werden selten durch Videos und Chats im Internet allein radikalisiert«, betonte Mücke. Islamwissenschaftler Kaan Mustafa Orhon sagte den Zeitungen: »Der einsame Einzeltäter, der allein in der Unterkunft sitzt und nächtelang auf dem Handy islamistische Videos guckt, sich radikalisiert und dann zur Tat schreitet und einen Anschlag begeht, ist eher die Ausnahme.«

Der Forscher Hugo Micheron fordert indes konkrete Maßnahmen. »TikTok zu verbieten wäre wirkungsvoll. Vor allem wenn Sie das Missverhältnis von einer riesigen Menge schädlicher Inhalte sehen, die dort täglich von einer kleinen Gruppe Extremisten verbreitet wird«, sagte er der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«. Islamistische Ideologie werde zunehmend online verbreitet.

Effektive Verbreitung

Viele Diskurse auf TikTok richteten sich »direkt gegen die demokratischen Grundlagen Deutschlands«, sagte Micheron: »Es geht darum, die Verbindung junger Menschen mit den europäischen Grundwerten zu kappen.« Dies werde nicht erst dann zum Problem, wenn es einen Angriff gegeben habe.

Daran beteiligten sich zunehmend Frauen: Sie planten keinen Anschläge, aber verbreiteten »die Ideologie sehr effektiv«. Die Frage nach der Bekämpfung des Dschihadismus könne man nicht loslösen von der Frage, wie mit Informationen umgegangen werde.

Laut Micheron setzt die Terrormiliz »Islamischer Staat« stark auf Einzeltäter und verbreitet etwa Videos mit Anleitungen, wie man Messer möglichst schadbringend einsetzt: »Es ist eine Generation von nicht gut organisierten Tätern, das sind keine lange ausgebildeten Terrorkommandos.«

»Europäischer Dschihadismus«

So habe sich zuletzt ein »europäischer Dschihadismus« entwickelt, »der getragen wird von Menschen, die in Europa aufgewachsen sind«. Jene Extremisten, die sich aus Deutschland dem IS angeschlossen hätten, seien stets aus Orten gekommen, an denen es große salafistische Gemeinden gebe.

»Man muss also sehr spezifische Gruppen innerhalb der muslimischen Bevölkerung betrachten, die politisch aktiv sind und eine sehr spezifische, extremistische Interpretation des Islams verbreiten«, so der Experte.

Laut Orhon wird es gefährlich, »wenn ein junger Mann offen ist für die Ideen der Extremisten, psychische Probleme hat, seine persönliche Situation ausweglos erscheint, und dann von einem direkten Kontakt beim IS zu einer Gewalttat motiviert wird«.

Junge männliche Flüchtlinge mit »schwieriger bis aussichtsloser Bleibeperspektive«, bei denen zudem soziale Isolierung sowie psychische Faktoren wie eine Traumatisierung eine Rolle spielten, seien oftmals anfällig. »Die zweite Gruppe, die wir beobachten, sind radikalisierte Jugendliche, die hier aufgewachsen sind.« kna

Norwegen

Wandbild in Oslo ehrt palästinensische Terroristin

Ein überdimensionales Wandbild im Zentrum der norwegischen Hauptstadt zeigt unter anderen die frühere PFLP-Terroristin Leila Khaled, die von der verantwortlichen Gruppe als »Widerstandskämpferin« bezeichnet wird

 24.08.2026

Dresden

Unbekannter entwendet Kippa

Der Staatsschutz der Dresdner Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen

 24.08.2026

Meinung

Jüdische Schulen: Orte der Zugehörigkeit

Der Wunsch nach jüdischer Bildung wächst, während die Strukturen zunehmend fragil werden

von Eduard Steinberg  24.08.2026

Würdigung

Hamburg ehrt Esther Bejarano und Jina Mahsa Amini

In der Hansestadt gibt es künftig eine Esther-Bejarano-Straße und einen Jina-Mahsa-Amini-Park

 24.08.2026

Die schwedischen Linken-Politiker Hanna Gedin und Jonas Sjöstedt

Jerusalem

Israel verweigert zwei schwedischen EU-Abgeordneten die Einreise

Jonas Sjöstedt und Hanna Gedin von der schwedischen Linkspartei wollen in der vergangenen Nacht anreisen, um die Palästinensische Autonomiebehörde zu besuchen

 24.08.2026

Hand zeigt ein Smartphone mit dem ChatGPT Logo vor rotem Hintergrund

Künstliche Intelligenz

Sam Altmans ChatGPT zeigt ab heute Werbung

Einige User werden von nun an Werbung sehen. Wie werden gesuchte Antworten von Anzeigen getrennt?

 24.08.2026

MIttlerer Osten

Iran warnt USA vor Wirtschaftskrieg - und droht Golfstaaten

Im Iran-Krieg wird aktuell nicht gekämpft. Washington will Teheran wirtschaftlich in die Knie zwingen. Der Iran gibt sich selbstbewusst - und droht den USA und ihren Verbündeten mit Konsequenzen

 24.08.2026

Teheran

Erneut Hinrichtung nach Massenprotesten im Iran

Die iranische Führung schlug die Proteste im Januar brutal nieder. Seitdem werden immer wieder Menschen exekutiert. Die Hinrichtungen sind auf einem Rekordniveau

 23.08.2026

Sachsen-Anhalt

Magdeburger CDU-Abgeordneter offen für Gespräche mit Linken

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt drohen komplizierte Mehrheiten: Dabei wird auch immer wieder eine Zusammenarbeit von CDU und Linken gegen die AfD diskutiert

 23.08.2026