Judenhass

»Es bleibt eine Sekte«

Linken-Politikerin Petra Pau Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

»Ich kann nicht länger Mitglied dieser Partei bleiben, ohne meine eigenen Überzeugungen zu verraten«: Mit diesen Worten erklärte Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter am Sonntag seinen Austritt aus der Linkspartei.

Der Tropfen, der für Büttner das Fass zum Überlaufen brachte, war ein Beschluss des Landesparteitags der niedersächsischen Linken am Wochenende. 104 von 157 Delegierten votierten in Hannover für einen Antrag der Linksjugend, der in seiner ursprünglichen Fassung die Überschrift »Ablehnung des Zionismus« trug.

»Die Linke lehnt den heute real existierenden Zionismus ab«, heißt es in dem Beschluss. Man erkenne »Ethnonationalismus und den politischen Zionismus als einen wesentlichen Hinderungsgrund für eine friedliche Zukunft für alle Menschen in der Region an«.

Lesen Sie auch

Für Andreas Büttner stellt dieser Antrag das Existenzrecht Israels infrage. Er ist nicht der einzige Linke, der über den Beschluss der Niedersachsen entsetzt ist.

Bodo Ramelow, der einzige ehemalige linke Ministerpräsident Thüringens, ging hart mit den Genossen ins Gericht: »Wer den Kampf gegen den Zionismus zum Zentrum von Parteitagen der Linken in Deutschland macht, wer mehr Kraft aufwendet, die innerparteiliche Debatte in der deutschen Linken gegen die Existenz Israels zu richten, der missbraucht eben auch nur das Leid der Palästinenser zum innerparteilichen Landgewinn«, sagte er dem »Spiegel«. Ramelow warnte die Linke außerdem davor, nicht zu einer Sekte zu werden.

Für Petra Pau, ehemalige Bundestagsvizepräsidentin, ist sie das bereits. »Ich habe heute früh gedacht: vor einem Jahr stand die Linke am Abgrund, nun werden wir hineingestoßen und es bleibt eine Sekte. Bodo Ramelow hat es zusammengefasst«, schrieb Pau auf X.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Jan Korte, ehemaliger Parlamentarischer Geschäftsführer der Linken im Bundestag, attestierte seiner Partei im »Spiegel« ein »massives Antisemitismusproblem«. Wenn ein Landesparteitag mit großer Mehrheit solch einen Beschluss fasse, »stimmt der historische, politische und moralische Kompass komplett nicht mehr.«

Linken-Chef bedauert Büttners Austritt

Lesen Sie auch

Linken-Parteichef Jan van Aken sagte er respektiere Büttners Schritt und »bedaure das natürlich sehr«. Zugleich meinte er zu dem Vorwurf, dass die Linke ein Antisemitismus-Problem in den eigenen Reihen verkenne, »das kann ich so nicht stehen lassen«. Tatsächlich stelle sich die Linke klipp und klar gegen Antisemitismus, betonte der Parteichef.  Beschluss mit Schlagseite

Im Internet kursiere ein »wirklich schlimmes« Video zu dem ursprünglichen Zionismus-Antrag aus Niedersachsen, aber das dürfe man nicht ernst nehmen, denn so sei das Papier nicht beschlossen, sondern entscheidend verändert worden, fügte er hinzu. Tatsächlich richte sich der Beschluss nicht gegen Zionismus allgemein, sondern gegen den »heute real existierenden Zionismus« der israelischen Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. 

Die Wortwahl – auch die Worte Genozid und Apartheid – bewege sich im Korridor der Beschlüsse der Bundespartei, die sich für eine Zwei-Staaten-Lösung, für ein Existenzrecht Israels und gegen Antisemitismus ausspricht. Gleichwohl sagte van Aken auch: »Dieser Beschluss hat eine grobe Schlagseite, deshalb finde ich ihn nicht gut.«

Philosophie

Habermas, Israel und die Juden

Eine kritische Würdigung

von Frederek Musall  18.03.2026

Krieg gegen Mullahs

Israel tötet Irans Geheimdienstchef Esmail Khatib

Esmaeil Khatib wurde in der Nacht zu Mittwoch in Teheran getötet

 18.03.2026 Aktualisiert

Nahost

Iran richtet angeblichen Mossad-Spion hin

Wegen angeblicher Spionage für den israelischen Geheimdienst lässt der Iran einen Mann hinrichten. Die Justiz wirft ihm vor, sensible Informationen weitergegeben zu haben

 18.03.2026

Nahost

Iran greift Israel mit Streumunition an

Auch die Golfstaaten geraten erneut unter Beschuss. Die Lage im Überblick

 18.03.2026

Iran

Israel fliegt Angriffe auf Basidsch-Einheiten

Die iranischen Basidsch-Einheiten sind für ihr hartes Vorgehen gegen die Proteste im eigenen Land bekannt. Israels Armee nimmt die paramilitärische Organisation weiterhin ins Visier

 17.03.2026

Nahost

Hisbollah soll umfangreiche Raketenangriffe planen

Nach den Raketen aus dem Iran müssen die Menschen in Israel nach Erkenntnissen des Militärs mit Angriffen durch die Hisbollah rechnen. Derzeit laufen israelische Angriffe gegen die Terror-Miliz

 17.03.2026

Krieg gegen Iran

Netanjahu wünscht Iranern »Jahr der Freiheit«

Nach der Tötung iranischer Funktionäre richtet Netanjahu persönliche Grüße zum persischen Neujahrsfest an die Menschen im Iran. Was steckt hinter der Botschaft?

 17.03.2026

Nahost

Libanesischer Soldat stirbt nach israelischem Angriff

Die libanesische Armee ist im Krieg zwischen Israel und der Hisbollah neutral und beteiligt sich nicht an den Kämpfen. Dennoch geraten einige Soldaten unter Beschuss

 17.03.2026

Kommentar

Jetzt offenbart die Linke ihr wahres Gesicht

Wer den Zionismus ablehnt, lehnt die Existenz eines jüdischen Staates ab - und damit genau jenen Schutzraum, der für Juden weltweit nach Jahrhunderten der Verfolgung existenziell geworden ist

von Daniel Neumann  17.03.2026