Vatikan

Erforschung jüdischer Bittschreiben an Pius XII. gestartet

Papst Pius XII. Foto: picture alliance / dpa

Vatikan

Erforschung jüdischer Bittschreiben an Pius XII. gestartet

Briefe von 15.000 verfolgten Juden aus ganz Europa an den damaligen Papst werden online einsehbar sein

 24.01.2023 09:56 Uhr

Impulse für die Erinnerungskultur erhofft sich die frühere deutsche Vatikan-Botschafterin Annette Schavan von einem neuen Forschungsprojekt. Unter dem Titel »Asking the Pope for Help« wurde es von Wissenschaftlern mit Vertretern der katholischen Kirche und der jüdischen Gemeinschaft am Montag bei einer Tagung in München gestartet.

Der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf und sein Team werden in den kommenden zehn Jahren die Bittschreiben von rund 15.000 verfolgten jüdischen Menschen aus ganz Europa während der NS-Zeit an Papst Pius XII. für eine Online-Edition bearbeiten.

»Erinnerung klärt auf und fordert, uns mit den Menschen, die Opfer wurden, mit ihren Biografien und mit ihrem Leiden zu beschäftigen und Verantwortung wahrzunehmen für das, was heute zu tun ist, damit die Würde eines jeden Menschen unantastbar bleibt«, sagte Schavan. Sie ist Vorsitzende der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft«. Mit mehreren Partnern, darunter das Auswärtige Amt, zählt die Stiftung zu den Förderern des Projekts.

Vor zwei Jahren hatte der Vatikan sein Archiv zum Pontifikat von Pius XII. (1939-1958) für die Forschung geöffnet. Dabei entdeckte Wolf die Bittbriefe. Der Historiker sprach von einem Paradigmenwechsel. In dem Projekt stehe nicht der Papst im Fokus. Es gehe darum, »jüdischen Menschen, deren Andenken die Nationalsozialisten auslöschen wollten, wieder eine Stimme zu geben und ihr Schicksal öffentlich sichtbar zu machen«.

Erforscht werden solle aber auch, welche Schreiben dem Papst vorgelegt wurden, wie oft der Heilige Stuhl helfen konnte und ob es einen Unterschied zwischen getauften und nicht getauften Juden gab.
Der Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters sagte, aus den Briefen spreche Verzweiflung in einer ausweglosen Lage. Mit ihnen hätten die Verfasser die letzte Hoffnung verbunden, doch noch dem Tod zu entkommen.

Diese Perspektive wie die Erforschung von Strukturen geleisteter oder verweigerter Hilfe seien für das Verständnis für Geschichte gleich bedeutsam und auch wichtig für den Kampf gegen Antisemitismus in der Gegenwart. Peters ist in der Deutschen Bischofskonferenz mitzuständig für die religiösen Beziehungen zum Judentum.

Die Tagung fand unter dem Titel »Heiliger Vater, retten Sie uns!« in der Katholischen Akademie in Bayern statt. kna

Jom Hasikaron

So viele Verluste

Mein Vater floh vor der Schoa, wurde beinahe in seinem Kibbuz ermordet und starb als Flüchtling im eigenen Land. Der Gedenktag wird dieses Jahr für mich besonders schmerzhaft sein

von Eshkar Eldan Cohen  20.04.2026

Berlin

Abbruch nach Antisemitismus bei Makkabi-Spiel

Der Staatsschutz ermittelt wegen des Verdachts der antisemitischen Volksverhetzung und Beleidigung

 20.04.2026

Washington D.C.

Iran-Krieg: Trump ringt hinter den Kulissen mit Zweifeln und Sorgen

Angst um die Wirtschaft und die Befürchtung, ihn könnte das politische Schicksal von Jimmy Carter ereilen, beeinflussen den Präsidenten

 20.04.2026

London

Festnahmen nach neuem Brandanschlag auf Synagoge in London

Binnen weniger Wochen werden mehrere jüdische Einrichtungen in London zum Ziel von Brandanschlägen. Handeln die Täter im Auftrag Irans gegen Geld?

 20.04.2026

Teheran

Bericht: Iran lehnt zweite Verhandlungsrunde mit USA ab

Am Mittwoch läuft die Waffenruhe im Iran-Krieg aus. US-Präsident Trump nennt einen neuen Verhandlungstermin. Aber das Teheraner Regime sieht keine »Perspektive für seriöse Verhandlungen«

 20.04.2026

Berlin

Deutsche Marine bereitet Einsatz in Straße von Hormus vor

Noch ist ein dauerhafter Waffenstillstand am Golf nicht absehbar. Doch Deutschlands Marine bereitet sich bereits auf den Tag X vor. Es geht um das Räumen von Minen in der Straße von Hormus

 20.04.2026

London

Antisemitismus-Vorwürfe: Britische Grüne suspendieren jüdischen Anti-Zionisten

Tony Greenstein stellte die Verbrechen der Hamas infrage und äußerte sich zugunsten der Terrororganisation. Es ist nicht sein erster Parteiausschluss

 20.04.2026

Kultur

Klein wünscht sich mehr Wehrhaftigkeit gegen Antisemitismus im Kulturbetrieb

Der Antisemitismus-Beauftragte Klein kritisiert einen geplanten Auftritt der palästinenisch-stämmigen DJ Sama‘ Abdulhadi im Juli in Hamburg

 19.04.2026

Iran

Iran macht Öffnung der Straße von Hormus rückgängig

Keine 24 Stunden nach der Zusage des Iran, die Straße von Hormus zu öffnen, wurde sie wieder zurückgenommen.

 19.04.2026