Corona-Beschränkungen

»Einstieg in den Flickenteppich«

Der Thüringer Juso-Vorsitzende Oleg Shevchenko Foto: Christian Lemke

Corona-Beschränkungen

»Einstieg in den Flickenteppich«

Thüringer Juso-Vorsitzender Oleg Shevchenko kritisiert Lockerungs-Vorstoß von Ministerpräsident Bodo Ramelow

 25.05.2020 16:35 Uhr

Der Thüringer Juso-Vorsitzende Oleg Shevchenko lehnt den Vorstoß von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) ab, vom 6. Juni an in seinem Bundesland auf allgemeine Corona-Beschränkungen verzichten zu wollen. Aus Sicht des Infektionsschutzes sei es »fatal, auf komplette Freiwilligkeit zu setzen«, sagte Shevchenko der Jüdischen Allgemeinen.

SICHERHEIT »Ich glaube, die Leute wollen Sicherheit, und die können wir ihnen durch Verordnungen geben, genau wie im Straßenverkehr«, argumentierte der SPD-Politiker, der auch Mitglied der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen ist.

Er halte es für schwierig, wenn die Ministerpräsidenten in Zeiten der Pandemie nicht gemeinsam vorgehen. »Das ist der Einstieg in den Flickenteppich, und Thüringen liegt mittendrin«, sagte Shevchenko. Auch die Schutzmaßnahmen anderer Bundesländer seien weniger effektiv, wenn sie etwa in Thüringen nicht mehr gelten sollten.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow habe »nicht mit den Kommunen gesprochen, die das dann umsetzen müssen«, kritisierte der Chef der Arbeitsgemeinschaft Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD.

RISIKOGRUPPE Auch für die Jüdische Landesgemeinde Thüringen sei das Thema sehr relevant, »weil wir ein hohes Durchschnittsalter haben.  Viele unserer Mitglieder gehören einer Risikogruppe an. Wir brauchen Solidarität, und wir sollten sie darin ausdrücken, indem wir weiter an der Mund- und Nasenschutzpflicht und an den Abstandsregelungen festhalten«.

Er hoffe sehr, dass sich Ramelow mit seinem Kurs nicht durchsetzen könne, sagte Shevchenko. Wichtig sei auch in Zukunft ein gemeinsames Vorgehen zusammen mit der Bundesregierung.

Das Argument, in ostdeutschen Bundesländern seien die Infektionszahlen niedriger als in Bayern oder Baden-Württemberg, halte er nicht für relevant: »Das kann sich auch schnell wieder ändern, wenn wir nicht aufpassen. Wir brauchen eine einheitliche deutschlandweite Lösung.«

Der »Bild am Sonntag« hatte Ramelow zuvor gesagt:  »Wir haben im März auf der Grundlage von Schätzungen von 60.000 Infizierten entschieden – jetzt haben wir aktuell 245 Infizierte.« Der Erfolg zeige, dass die harten Maßnahmen zu Recht ergriffen wurden, zwinge nun aber auch zu realistischen Konsequenzen. »Und das heißt: Für Thüringen empfehle ich die Aufhebung der Maßnahmen«, sagte der Linken-Politiker.

Auf seiner Internetseite schrieb Ramelow, er werde dem Kabinett Vorschläge unterbreiten, »wie wir ab dem 06. Juni auf allgemeine Schutzvorschriften verzichten können«.

KANZLERIN Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will unterdessen an verbindlichen Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie festhalten. Die Kanzlerin sei dafür, dass es zu den zentralen Verhaltensregeln, mit denen viel erreicht worden sei, »verbindliche Anordnungen geben soll und nicht bloß Gebote«, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

Er verwies auf die in Länderverordnungen festgehaltenen Regeln zum Mindestabstand, zur Hygiene und zu den Kontaktbeschränkungen. Am 5. Juni enden die Anfang Mai zwischen Bund und Ländern besprochenen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie.

Seibert zufolge beriet Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) am Montag mit Vertretern der Länder, welche Maßnahmen ab dem 6. Juni gelten sollen. Diese Gespräche würden ständig fortgeführt, sagte er. Ob und wann es nach Pfingsten ein weiteres Treffen der Kanzlerin mit den Regierungschefs der Länder geben wird, blieb offen. ag/epd

Jerusalem

Machado wirbt für Neustart der Beziehungen zwischen Venezuela und Israel

Das Gespräch der venezolanischen Oppositionsführerin mit Außenminister Gideon Sa’ar steht im Zeichen eines möglichen politischen Neuanfangs in ihrem Land

 04.02.2026

Düsseldorf

Antisemitismus an Hochschulen: Forscher fordert mehr Aufklärung

Der Leiter der Zentralen Beratungsstelle zu Antisemitismus an Hochschulen in NRW fordert außerdem, Studentenvertretungen Mittel zu entziehen, wenn sie antisemitische Inhalte verbreiten

 04.02.2026

Thüringen

Höcke tritt bei Misstrauensvotum gegen Voigt an

Der Chef der rechtsextremistischen Landes-AfD fordert den Ministerpräsidenten heraus

 04.02.2026

Umfrage

Israelis uneins über Schlag gegen Teheran und Netanjahus Rolle in Trumps Gaza-Initiative

Eine knappe Mehrheit der Befragten plädiert in Zusammenhang mit dem Iran für Zurückhaltung

 04.02.2026

Arabisches Meer

US-Kampfjet schießt iranische Drohne nahe Flugzeugträger ab

Aus dem Weißen Haus heißt es, an den geplanten Gesprächen mit Teheran werde trotz des Zwischenfalls festgehalten

 04.02.2026

London

Epstein-Affäre: Britische Polizei ermittelt gegen früheren Minister

E-Mails aus Epstein-Akten bringen den Labour-Politiker Peter Mandelson in Bedrängnis. Reichte Epsteins Einfluss bis in die Downing Street?

 04.02.2026

USA

Fall Epstein: Clintons sagen vor Kongress aus

Im Zusammenhang mit dem Skandal um den jüdischen Investor taucht immer wieder auch sein Name auf: Bill Clinton. Lange hatte der ehemalige Präsident eine Aussage dazu verweigert - nun steht ein Datum dafür

 04.02.2026

Diplomatie

Jens Spahn reist nach Israel

Der Unions-Fraktionschef wird am Mittwoch unter anderem Gespräche in der Knesset führen

 03.02.2026

Vorwurf

Büttner kritisiert linken Antisemitismus

Linke glaubten häufig, sie könnten keine Antisemiten sein, sagt Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter. Dieses Selbstbild werde jedoch von der Realität widerlegt

 03.02.2026