Interview

»Eine Stimme für Dissidenten«

Herr Klein, in der vergangenen Woche tagte der Bloggerkongress re:publica in Berlin. Sind Webtagebücher Fluch oder Segen?
Für Journalisten sind Blogs womöglich ein Fluch, aber ich betrachte sie als Segen.

Ein Fluch für Journalisten?
Ja, denn jeder kann darin Reporter spielen, Nachrichten veröffentlichen und entscheiden, was wichtig ist. Viele Menschen informieren sich über aktuelle Geschehnisse mithilfe von Mikroblogs wie Twitter. Wenige tun das durch die Lektüre von Zeitungen. Allerdings geben Blogs einzelnen Menschen, Gruppen oder Organisationen die Möglichkeit, Wissen zu teilen und sich mitzuteilen.

Welchen Einfluss haben Blogs auf die jüdische Gemeinschaft?
Blogs gibt es überall. Einige beschreiben Tatsachen, andere sind reine Meinungsäußerungen. Wieder andere sind schlicht unterhaltsam. Alle jedoch verbinden Menschen und teilen Ideen – das sind doch Punkte, die in der jüdischen Welt hochgehalten werden.

Wie wichtig sind Webtagebücher für Länder wie Iran oder China?
Wenn sie nicht zensiert werden, sind sie für Menschen, die unter tyrannischen Regimen leben, enorm bedeutend. Sie geben denen eine Stimme, die in ihrem Land keine haben. Dissidenten brauchen eine Plattform. Und die Öffentlichkeit kann selbst entscheiden, was sie für richtig oder falsch hält.

Wie viel Freiheit erträgt ein Blog?
Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist ein hohes Gut – zumindest in der westlichen Welt –, das wir schützen müssen. Wenn allerdings diese Freiheit in Hassrede übergeht, dann ist das gefährlich. Unsere offene Gesellschaft toleriert diese Hassreden nicht. Aber lieber möchte ich wissen, was mein Feind in seinem Blog über mich schreibt, als Mutmaßungen darüber anzustellen, was zum Beispiel Nachbarn insgeheim über mich und meine Leute denken.

Wird denn das reale Leben vom virtuellen hintertrieben?
Online zu sein, ist im Alltag ganz normal geworden. Das Leben nach der Entdeckung des Internets kann nicht mit dem davor verglichen werden. Anstatt sich über soziale Netzwerke und Blogs Sorgen zu machen, sollte man sie verstehen lernen und die positiven Effekte nutzen. Wenn man Blogs generell für schlecht hält, dann ist das so, als sperre man sich gegen jede Innovation. Fakt ist: Soziale Netzwerke oder Blogs werden auch weiterhin bestehen. Also sage ich: Hört auf, sie als Modeerscheinung zu sehen. Über diesen Punkt sind wir längst hinweg.

Es gibt Blogs für Rezepte, Politik und über Haustiere – darunter gibt es doch auch jede Menge Schwachsinn.
Das stimmt. Einige sind Zeitverschwendung, aber ich versichere Ihnen, das ist der kleinere Teil. Es gibt viele Blogs, die lesenswert sind. Wenn Sie das anders sehen, dann fangen Sie doch an, selbst einen zu schreiben.

Mit dem Gründer des Blogs »YeahThatsKosher.com« sprach Katrin Richter.

Dokumentation

»Seit zweieinhalb Jahren bebt die Erde«

In Erfurt sprach der Zentralratspräsident über den Status quo Jüdischen Lebens in der Bundesrepublik. Dabei ging Schuster auch auf das Programm »Demokratie leben« und die Kritik an Familienministerin Karin Prien ein

 25.03.2026

Krieg

Iran lässt wenige Schiffe durch Straße von Hormus

Die iranischen Behörden lassen nur wenige Schiffe durch die für den Energiehandel wichtige Wasserstraße. Viele Reedereien meiden die Route angesichts von Angriffen und fehlender Versicherungen

 25.03.2026

London

»Ihm gefiel die Angst«: Frauen berichten von Epstein-Skandal

Über Jahre betrieb Jeffrey Epstein einen Missbrauchsring mit einer hohen Zahl an Opfern. In einem Fernsehinterview berichten fünf Frauen von ihren schlimmen Erfahrungen

 25.03.2026

Meinung

EU-Parlament: Fällt die Brandmauer?

Nach einem Medienbericht haben sich Vertreter der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament mit rechtsextremen Kräften zur Migrationspolitik abgestimmt. Diese Enthüllung wirft viele Fragen auf

 25.03.2026

Krieg gegen Iran

Hoffnung auf Verhandlungen

Raketenalarm in Tel Aviv, Angriffe auf Teheran: Trotz neuer Vermittlungsversuche und Forderungen an den Iran bleibt eine schnelle Waffenruhe wohl unwahrscheinlich

 25.03.2026

Berlin

»Ich bin für dich Ron!«

Ali Ertan Toprak, Vorsitzender der Kurdischen Gemeinden Deutschlands, ehrte Israels Botschafter Ron Prosor für dessen Engagement für die kurdischen Gemeinden. Wir dokumentieren die Laudatio im Wortlaut

von Ali Ertan Toprak  25.03.2026

Berlin

Kurdische Gemeinde zeichnet Ron Prosor aus

Der israelische Botschafter wurde beim Neujahrsfest für sein Engagement für die kurdische Gemeinschaft ausgezeichnet

 25.03.2026

Kassel

Schmerzensgeld-Klage nach Antisemitismus auf documenta

Vor Gericht kam es zu keiner Einigung – wie geht es nun weiter?

 25.03.2026

Dokumentation

»Dieser Krieg ist nach meinem Dafürhalten völkerrechtswidrig«

Bundespräsident Steinmeier verurteilte im Auswärtigen Amt den Krieg Israels und der USA. Wir dokumentieren seine Rede

von Frank-Walter Steinmeier  25.03.2026