Einspruch

Die Rechnung ist noch offen

Das griechische Parlament hat jüngst eine Resolution verabschiedet, in der die Regierung in Athen offiziell aufgefordert wird, aus dem Zweiten Weltkrieg hergeleitete Reparationsforderungen an Deutschland vorzulegen. Auch die Ansprüche der Jüdischen Gemeinde Thessaloniki gehören zu diesem Paket.

1942 hatte nämlich unsere Gemeinde an die deutschen Besatzungstruppen Lösegeld gezahlt, damit Gemeindemitglieder, die für Zwangsarbeit rekrutiert worden waren, freikamen. Die Gemeinde schaffte es tatsächlich, die geforderte Summe von 2,5 Milliarden Drachmen aufzutreiben. Kurzfristig kamen die Menschen frei, doch bald begann die Deportation. Von den fast 50.000 Juden aus Thessaloniki wurden 96 Prozent in Auschwitz-Birkenau ausgerottet.

»Umsiedlung« Die Jüdische Gemeinde Thessaloniki fordert weiterhin das damals bezahlte Lösegeld zurück. Und sie hat noch weitere offene Fragen: Die NS-Behörden erhoben sogar Gelder für die »Umsiedlung« der Juden, quasi die Bahntickets in den Tod. Auch dieses Geld, es sind heutige Summen von 50 beziehungsweise 89 Millionen Euro, muss zurückgezahlt werden.

Der Umstand, dass juristisch unsere Forderungen abgewiesen wurden und die deutschen Behörden sie nicht anerkennen, bedeutet nicht, dass wir uns nicht weiterhin um eine Lösung bemühen. Die Bundesrepublik erkennt ja die Verbrechen des NS-Systems an und entschuldigt sich dafür. Sie unterstützt das Gedenken an den Holocaust und bekämpft Antisemitismus.

überlebende Doch die bis heute spürbaren Auswirkungen des Dritten Reiches dürfen nicht ignoriert werden. Das gilt für die wenigen Überlebenden der Schoa. Das gilt auch für unsere Versuche, gerade angesichts der schweren Wirtschaftskrise, jüdisches Leben zum Blühen zu bringen.

Es geht der Jüdischen Gemeinde Thessaloniki um die Anerkennung der historischen Wahrheit. Die Forderungen, die Griechenland an Deutschland stellt, sind ein grundsätzliches moralisches Anliegen.

Der Autor ist Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Thessaloniki.

IHRA

Allianz für die Erinnerung

Im März übernimmt Deutschland von Luxemburg den Vorsitz der International Holocaust Remembrance Alliance

von Michael Thaidigsmann  27.02.2020

Hanau

Der Schock sitzt tief

Reaktionen auf den rechtsextremistischen Anschlag

von Canan Topçu, Eugen El  27.02.2020

Bundesverfassungsgericht

Verbot religiöser Symbole im Justizwesen rechtens

Vorschrift, die Rechtsreferendaren Tragen religiöser Symbole verbietet, ist mit Grundgesetz vereinbar

von Michael Thaidigsmann  27.02.2020

Gesellschaft

Gegen Hass und Hetze

Wie die zunehmende Verrohung in der digitalen wie der realen Öffentlichkeit bekämpft werden kann

von Anatol Stefanowitsch  27.02.2020

Rechtsextremismus

»Mir bereitet das große Sorgen«

Armin Laschet über die Bedrohung von Minderheiten, Feinde der Demokratie und den Israel-Jacobson-Preis

von Detlef David Kauschke  27.02.2020

Einspruch

Es braucht Führungsstärke

Maram Stern fordert, dass Deutschland im internationalen Kampf gegen Antisemitismus Akzente setzt

von Maram Stern  27.02.2020

Berlin

386 Verfahren mit judenfeindlichem Hintergrund

Am Mittwoch wurde Jahresbericht der Antisemitismusbeauftragten der Generalstaatsanwaltschaft vorgestellt

 26.02.2020

Bundesverfassungsgericht

Karlsruher Sterbehilfe-Urteil umstritten

Frankfurter Mediziner Leo Latasch begrüßt den Richterspruch – Kritik kommt vonseiten der Kirchen

von Michael Thaidigsmann  26.02.2020

Berlin

Stolpersteine vor dem Axel-Springer-Neubau

Verlag erinnert an vertriebene und ermordete Berliner im ehemaligen Zeitungsviertel

 26.02.2020