USK

»Die Entscheidung war falsch«

Zentralratsvizepräsident Abraham Lehrer wurde erneut zum Präsidenten der ZWST gewählt. Foto: Lohnes/ZR

Herr Lehrer, auf der weltweit größten Spielemesse, der »gamescom« in Köln, wird derzeit ein Videospiel vorgestellt, das zum ersten Mal Hakenkreuze und Hitlergruß zeigt. Wie finden Sie das?
Ich finde das absolut unpassend. Hakenkreuze und Hitlergruß haben hier absolut nichts zu suchen.

Anfang des Monats hatte die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), eine freiwillige Einrichtung der Computerspielewirtschaft, die Freigabe erteilt. Halten Sie die Entscheidung für falsch?
Ich bin sehr enttäuscht, dass diese Freigabe erfolgt ist. Nach vielen Jahren der guten Arbeit dieser Selbstkontrolleinrichtung wurde jetzt still und leise eine Änderung so gravierender Art vollzogen, ohne die Öffentlichkeit an einer Diskussion zu beteiligen.

Hakenkreuze und Hitlergruß gelten als verfassungswidrige Symbole, doch können sie in anderen Medien gezeigt werden. Warum im Film und nicht im Videospiel?
Bei einem pädagogisch gestalteten Film gibt es Begleitmaterial, und es stehen Lehrer bereit, die manches einordnen, erklären und auffangen können. Hier geht es aber um Spiele, bei denen Kinder und Jugendliche mit den Eindrücken, die diese Symbole auf sie haben, alleingelassen werden.

Die USK will nur Spiele, die das Zeitgeschehen kritisch aufarbeiten, mit dem Alterskennzeichen versehen. Was meinen Sie dazu?
Ich halte die Entscheidung für falsch. Hier hätte es einer breiten Diskussion bedurft, Überlegungen des Gesetzgebers hätten mit einbezogen werden müssen. So eine Entscheidung überfordert die USK, ohne dass ich den Beteiligten zu nahe treten möchte. Das hätte eine gesellschaftliche Diskussion und auch einen Konsens erfordert.

Die USK hat einen Beirat, dem zum Beispiel Vertreter von Bundesministerien und auch der Kirchen angehören. Der Vertreter der Bischofskonferenz, Wolfgang Hußmann, spricht von einer richtigen Entscheidung. Was sagen Sie dazu?
Natürlich sind wir enttäuscht, dass die Vertreter der Kirchen, die dort Sitz und Stimme haben, dem zugestimmt haben und diese Entscheidung mittragen. Für uns kann das nicht das letzte Wort sein. Wie auch andere öffentliche Äußerungen deutlich machen, tritt jetzt der Dissens zutage. Jetzt beginnt wohl erst die Diskussion. Am Ende sollte die USK noch einmal ihre Entscheidung überdenken.

Was ist Ihre konkrete Forderung?
Ich würde mich freuen, wenn die USK ihren Beschluss aussetzt und in einen Dialog mit dem Zentralrat der Juden und anderen gesellschaftlichen Gruppen eintreten würde. Dabei könnte sie ihren Standpunkt verdeutlichen und auch die Gegenargumente hören. Und dann sollte die USK am Schluss des offenen Dialoges entscheiden, ob sie bei ihrer Entscheidung bleibt.

Mit dem Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland sprach Detlef David Kauschke.

Politik

Bericht: Hamas-Flagge soll verboten werden

Der Paragraf 86 im Strafgesetzbuch soll ergänzt werden

 20.06.2021

Ahmad Mansour

Sorge über Debattenkultur

Insbesondere Themen wie Integration, Migration oder Islam sind davon betroffen

 19.06.2021

Rechtsextreme Chats

Innenministerkonferenz für Gesetzesänderung

Beschluss über »eine konsequente Verfolgung« solcher Fälle gefasst

 18.06.2021

Justiz

Härtere Gangart gegen Antisemitismus

Innenminister von Bund und Ländern: Das Strafmaß bei judenfeindlichen Vergehen werde »empfindlich anziehen«

 18.06.2021

Bundespräsident

Mehr Anerkennung für Kriegsopfer der Sowjetunion gefordert

Steinmeier: »Der deutsche Krieg gegen die Sowjetunion war eine mörderische Barbarei«

 18.06.2021

Berlin

»Klares und wichtiges Signal«

Zentralratspräsident Josef Schuster begrüßt die Einigung zum schärferen Einbürgerungsrecht

 18.06.2021

Staatsangehörigkeitsrecht

Keine Einbürgerung von antisemitischen Straftätern

Einigung von CDU/CSU und SPD: Bei judenfeindlichen und rassistischen Straftaten wird Pass verweigert

von Michael Thaidigsmann  18.06.2021

Berlin

»Zentrale Gedenkrede«

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erinnert an den 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion

von Christoph Arens  18.06.2021

Berlin

Worüber Kanzlerin Merkel heute mit Israels neuem Regierungschef Bennett am Telefon gesprochen hat

Bennett sieht eine Gelegenheit zur Stärkung der bilateralen Beziehungen

 17.06.2021