Meinung

Der Fall Gil Ofarim: Was geschah wirklich am 5. Oktober?

Anfang Oktober 2021 hatte Ofarim in einem über Soziale Medien verbreiteten Video Antisemitismus-Vorwürfe gegen einen Mitarbeiter des Hotels Mariott Leipzig erhoben. Foto: imago images/VIADATA

Vor zwei Jahren postet der Sänger Gil Ofarim ein Video mit enormer Reichweite. Er filmt sich auf dem Trottoir vor dem Westin Grand in Leipzig, seine Kette mit dem großen Davidstern um den Hals, und berichtet eine Ungeheuerlichkeit: Man habe ihn erst einchecken lassen wollen, wenn er seinen »Stern« wegpacke.

Die Empörung ist groß, das schicke Hotel der Mariott-Gruppe hat ein Imageproblem. 400 Menschen finden sich sofort vor dessen Tür zu einer Kundgebung gegen Antisemitismus ein. Das Hotel stellt den Mitarbeiter sofort frei und beauftragt eine externe Kanzlei mit der Untersuchung.

Ein Unbekannter stellt Strafanzeige wegen Volksverhetzung, Ofarim danach auch, der Beschuldigte eine gegen Ofarim wegen Verleumdung und Bedrohung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, wertet die Videos der Überwachungskameras des Hotels aus.

Die Geschichte dreht sich schnell: Anklage wird erhoben - gegen Ofarim wegen falscher Verdächtigung und Verleumdung.

Eine Anklage wird zugelassen, wenn es eine »hinreichende Wahrscheinlichkeit« auf eine Verurteilung gibt. Auf den Videos der Überwachungskameras des Hotels ist Ofarims Kette nicht zu sehen. Auch diese Bilder schaffen es in dem brisanten Fall in die Medien. Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden kommentiert diese: Habe Ofarim die Unwahrheit behauptet, hätte er dem Kampf gegen den Antisemitismus »einen Bärendienst erwiesen«.

Zehn Verhandlungstage hat das Landgericht Leipzig anberaumt, um die Geschichte öffentlich aufzuklären. Anhand der Hotelvideos, der Vernehmung der Angestellten, der Aussagen der müden Menschen in der Warteschlange vor dem Check-In, die nur in ihr Hotelbett wollten und dabei auf ihr Telefon starrten, und den Aufnahmen des einsamen Sängers, der vielleicht einfach nur behandelt wurde wie jeder Normalsterbliche.

Dass die Sache vor dem Landgericht statt dem Amtsgericht verhandelt wird, ist dem Antrag der Staatsanwaltschaft geschuldet, die eine »besondere Schutzbedürftigkeit« sieht. Der Antrag ist vom letzten Jahr.

Man nimmt die Sache ernst.

Die Sicherheitsvorkehrungen für den Prozess sind jetzt noch einmal erhöht. Zwei weitere Anklagepunkte sind für Ofarim nunmehr hinzugekommen: Prozessbetrug und falsche Versicherung an Eidesstatt.

Was auch immer sich als prozessuale Wahrheit herausstellen wird: Die Sache hat Schaden angerichtet für die jüdische Gemeinschaft, und Ofarim sich selbst wohl »einen Bärendienst« erwiesen.

Berlin

Amnesty International ruft Hamas zum Ende der Gewalt auf

Gewalt und außergerichtliche Hinrichtungen durch die Terrororganisation auch gegen Palästinenser kommen laut UN regelmäßig vor. Menschenrechtler fordern ein sofortiges Ende dieser Verbrechen

von Anna Mertens  21.08.2026

Erfurt

Deutsch-israelischer Jugendaustausch kommt nicht voran

Thüringens Antisemitismusbeauftragter Michael Panse sieht strukturelle und politische Gründe. Auch ein Austauschprogramm stockt

von Matthias Thüsing  21.08.2026

Wahlkampf der AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund

Magdeburg

Wie sich die AfD auf eine mögliche Regierung vorbereitet

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte der rechtsextremistischen AfD erstmals den Weg in eine Landesregierung öffnen. Mit Schulungen, einem Personalpool und Hilfe aus Österreich bereitet sie sich seit langem darauf vor

von Jörg Ratzsch  21.08.2026

Berlin

Bezirk prüft Entzug der Zulassung von antisemitischem Influencer als Berufsbetreuer

Auf Instagram verbreitet er Judenhass und Verschwörungsmythen, im Job soll er Berufstätige mit Herausforderungen betreuen. Passt das zusammen?

 21.08.2026

Iran-Konflikt

Nach Berichten über Missstände: US-Flugzeugträger »USS George Washington« löst Pannenschiff ab

Die »USS Abraham Lincoln« ist seit Monaten im Mittleren Osten eingesetzt und hat zuletzt wegen erheblicher Probleme an Bord Schlagzeilen gemacht. Nun ist ein neuer Flugzeugträger in der Region angekommen

 21.08.2026

Benjamin Graumann Jüdische Gemeinde Frankfurt

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  21.08.2026

Berlin/Brüssel/Jerusalem

Sieben Staaten und EU verlangen Stopp von Siedlungsprojekt im Westjordanland

Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und weitere Länder fordern Israel auf, die geplante Bebauung zu stoppen. Die EU bereitet offenbar ein Sanktionspaket vor

 21.08.2026

Khan Younis

Israel wirft Hamas Folter in Klinik vor

Die Terrororganisation soll ein Krankenhaus im Süden des Gazastreifens als Folterzentrale nutzen, um ihre Macht über die Bevölkerung auszubauen

 20.08.2026

Berlin

Diskriminierung wegen falscher Hummus-Aussprache?

Im Ortsteil Prenzlauer Berg soll ein arabisches Restaurant einen israelischen Gast wegen der vermeintlich falschen Aussprache des Kichererbsengerichts nicht bedient haben. Das Lokal widerspricht dem Vorwurf

 20.08.2026