Meinung

Das Versagen der Weltgemeinschaft

Michael Wuliger Foto: Marco Limberg

Aleppo ist gefallen. In den Ruinen der syrischen Stadt richten die Sieger ein Blutbad an. Assads Truppen, unterstützt von Russland, dem Iran und der libanesischen Hisbollah, massakrieren Männer, Frauen und Kinder. Und die »Weltgemeinschaft« schaut zu. US-Außenminister Kerry hatte vor ein paar Tagen die Sieger um Gnade angefleht. Wie sehr sie das beeindruckt hat, sieht man.

Kerrys hiesiger Kollege Steinmeier pflegt derweil seine Gesprächsfäden mit den Kriegsverbrechern und mahnt in Manier eines Sozialpädagogen per Twitter, dass »es keine militärische Lösung des Konflikts geben wird. Das werden auch Russland und Iran einsehen müssen«. Das werden sie nicht. Sie lösen gerade den Konflikt militärisch in ihrem Sinne.

friedensinitiative Kerry, Steinmeier und wie sie alle heißen: Das sind dieselben Leute, die seit Jahren Israel bedrängen, von ihnen ausgeklügelte Friedensinitiativen anzunehmen und sein Schicksal vertrauensvoll in die Hände ebenjener »Weltgemeinschaft« zu legen, die in Syrien aktuell beweist, wie wenig sie, wenn es hart auf hart kommt, ausrichten kann oder will. Dass der jüdische Staat sich darauf nicht einlässt, erzürnt die Möchtegern-Friedensstifter. Israel bewege sich in eine gefährliche, falsche Richtung, hat Kerry erst vor ein paar Wochen wieder erklärt, es solle besser auf ihn hören.

So wie die syrischen Rebellen wahrscheinlich. Die haben lange auf die »Weltgemeinschaft« vertraut – ein tödlicher Irrtum. Von Israel zu verlangen, denselben fatalen Fehler zu machen, zeugt von schon pathologischer Blindheit, wie sie Israels damaliger Verteidigungsminister Yaalon vor zwei Jahren Kerry und Konsorten attestiert hat.

genozid Die »Weltgemeinschaft« hat in Aleppo wieder einmal bewiesen, dass sie zu nichts nutze ist. Für Juden ist das keine Überraschung. 1938 fand im französischen Évian eine internationale Konferenz statt, um die verfolgten Juden aus Hitler-Deutschland zu retten. Es kam dabei dasselbe heraus wie jetzt bei den internationalen Syrien-Gesprächen in Genf und Paris: erst nichts und dann ein Genozid. Israel hat diese Lektion gelernt. Es weiß, dass es alleine auf sich selbst vertrauen kann. Nach Aleppo werden das vielleicht einige Menschen mehr verstehen.

Und was die Topdiplomaten der »Weltgemeinschaft« angeht: Die sollten jetzt, wenn sie noch einen Rest an Schamgefühl besitzen, eine Weile schweigen.

Der Autor ist Publizist in Berlin.

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« erhält Tacheles-Preis

Der Tacheles-Preis wird alle zwei Jahre an Personen oder Organisationen verliehen, die sich für die Sicherung einer jüdischen Zukunft in Deutschland einsetzen. Die Laudatio hält der neue WELT-Chefredakteur Helge Fuhst

 18.05.2026

Berlin

Josef Schuster für Bestrafung der Leugnung von Israels Existenzrecht

Der Zentralratspräsident stellt sich hinter das Vorhaben aus Hessen. Derweil sind einige Strafrechtler skeptisch

 18.05.2026

Interview

»Sonntagsreden reichen nicht«

Hessens Justizminister Christian Heinz will, dass Aufrufe zur Vernichtung Israels künftig unter Strafe stehen. Wie lässt sich ein solcher Eingriff in die Meinungsfreiheit begründen? Ein Gespräch über Staatsräson, den Schutz jüdischen Lebens und Mehrheiten im Bundesrat

von Joshua Schultheis  18.05.2026

Mailand

Provokantes »Hitler mit Kufiya«-Mural bei israelfeindlicher Demonstration aufgetaucht

Nach Angaben des Künstlers versteht sich die Aktion als Warnung vor wachsender gesellschaftlicher Radikalisierung und der zunehmenden Normalisierung antisemitischer Sprache

 18.05.2026

Washington D.C.

Mutmaßlicher Drahtzieher von Angriffen auf jüdische Einrichtungen vor Gericht

Auch für einen Brandanschlag auf ein jüdisches Restaurant in München soll Mohammad Baqer Saad Dawood Al-Saadi verantwortlich sein

 18.05.2026

Initiative

Offener Brief jüdischer Organisationen an Berliner Senatorin

Nachdem eine Klage des jüdischen Studenten Lahav Shapira gegen die Freie Universität Berlin für unzulässig erklärt worden ist, fordern jüdische Organisationen eine Gesetzesänderung

 18.05.2026 Aktualisiert

Potsdam

Forscher: Offenheit für AfD wächst trotz mehr Radikalität

Der Extremismusforscher Botsch erklärt, warum die Bereitschaft wächst, die zumindest in Teilen rechtsextremistische Partei zu wählen - ungeachtet ihrer Entwicklung

von Marc-Oliver von Riegen  18.05.2026

Ramallah

Abbas will blockierte Gelder als Terror-Renten verwenden

In Zusammenhang mit Israels Entscheidung, Teile der Steuereinnahmen für die PSA einzubehalten, spricht der Palästinenserpräsident von einem Rechtsbruch, will aber weiterhin illegale Terror-Renten bezahlen

 18.05.2026

Pilsen

Wie es mit Marla Svenja Liebich weitergehen könnte

Nach monatelanger Fahndung wurde die Rechtsextremistin gefasst. Seit einigen Wochen sitzt sie in Tschechien in Haft. Ein Gericht dort will nun über eine Auslieferung entscheiden

 18.05.2026