London

Cameron: Geduld mit Israel muss abnehmen

Der britische Außenminister David Cameron Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Der britische Außenminister David Cameron hat Israel mit deutlichen Worten kritisiert. »Die Geduld muss deutlich abnehmen, und es muss eine ganze Reihe von Warnungen ausgesprochen werden«, sagte der konservative Politiker am späten Dienstagabend im britischen Parlament in London. Das werde er auch bei einem Gespräch am Mittwoch mit dem israelischen Minister Benny Gantz in London tun, kündigte er an.

»Wir sind mit einer Situation furchtbaren Leidens in Gaza konfrontiert«, sagte Cameron bei der Debatte im Oberhaus. Er habe bereits vor Wochen vor dem Ausbruch von Krankheiten und einer Hungersnot gewarnt. Dieser Punkt sei nun erreicht.

»Menschen sterben an Hunger, Menschen sterben an vermeidbaren Krankheiten.« Doch trotz Aufforderungen an Israel, mehr zu tun, seien im Februar nur halb so viele Hilfsgüter im Gazastreifen angekommen wie im Januar. Israel sagt hingegen, die Menge an Hilfslieferungen, die nach Gaza eingeführt werden dürfe, sei nicht begrenzt.

Zugang für Hilfslieferungen zum Gazastreifen erhöhen

Cameron forderte erneut eine humanitäre Feuerpause. Zudem müsse der Zugang für Hilfslieferungen zum Gazastreifen über den Land- und Seeweg erhöht werden. Das schließe auch den israelischen Hafen Aschdod ein. Zu viele Hilfsgüter würden zudem abgewiesen, weil sie angeblich für militärische Zwecke verwendet werden könnten, kritisierte er.

»Manche dieser Dinge sind absolut notwendig für medizinische und andere Verfahren«, sagte Cameron. Auch die Strom- und Wasserversorgung müssten im Norden und Süden des Gazastreifens wiederhergestellt werden. »Israel ist die Besatzungsmacht. Es ist verantwortlich, und das hat Konsequenzen, wie wir bewerten, ob Israel humanitäres Völkerrecht einhält«, so Cameron weiter.

Israels Ziel in dem aktuellen Krieg, den die Hamas mit Massakern, Geiselnahmen, Folter und Vergewaltigung begann, ist eine Zerschlagung der Terrororganisation und die Befreiung der weit mehr als 100 Geiseln, die sie weiterhin in ihrer Gewalt hat. Trotz der Weigerung der Hamas-Terroristen, einer Vereinbarung zuzustimmen oder die Geiseln freizulassen - und trotz ihrer Verantwortung für den Krieg und die Lage in Gaza -, wird in Europa und Nordamerika derzeit vor allem Israel kritisiert.

Beginn des Prozesses

Zur Frage der Anerkennung eines palästinensischen Staats sagte Cameron, es sei noch zu früh dafür. »Es sollte nicht am Beginn des Prozesses stehen, weil es all den Reformdruck von den Palästinensern nehmen würde, aber es sollte auch nicht am Ende stehen.«

Israel dürfe kein Veto-Recht darüber haben. Das sei aber derzeit der Fall mit der US-amerikanischen Haltung. »Ich denke eine Anerkennung kann Teil einer unaufhaltbaren Dynamik werden, wie wir sie für eine Zweistaatenlösung benötigen«, sagte Cameron. dpa/ja

Krieg

Medien: Trump fordert von Israel Verzicht auf Gegenschläge

Der US-Präsident fordert zugleich den Iran auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und ein Abkommen abzuschließen

 07.06.2026

Krieg

Iran bricht die Waffenruhe und feuert Raketen auf Israel

Was bislang bekannt ist

 07.06.2026 Aktualisiert

Kommentar

Der alte Hass trägt heute Palästinaflaggen

Wie der kulturelle Boykott Israels die Ausgrenzung von Juden normalisiert

von Sarah Maria Sander  07.06.2026

Meinung

Libanon: Zwischen Anschein und Wirklichkeit

Wer den aktuellen Konflikt verstehen will, darf den Zedernstaat nicht als tragisches Opfer Israels lesen

von Jacques Abramowicz  07.06.2026

Berlin

Verfassungsschutz warnt vor islamistischer Einflussnahme auf deutsche Institutionen

Laut BfV-Chef Sinan Selen geht es nicht um kurzfristige Aktionen, sondern langfristig angelegte Strategien, die auf eine Veränderung politischer Entscheidungsprozesse abzielen

 07.06.2026

Justiz

Richterbund warnt vor Einfluss der AfD auf Justiz

Das Risiko gezielter politischer Eingriffe in die Richterauswahl und in die Strafverfolgung müsse minimiert werden

von Lukas Philippi  07.06.2026

»documenta«

Kulturrat: Antisemitismus letztlich nicht zu verhindern

Olaf Zimmermann will mit einem »Code of Conduct« Antisemitismus, Rassismus »und jedweder anderen Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aktiventgegentreten«

von Susanne Rochholz  07.06.2026 Aktualisiert

NSDAP-Mitgliederkartei

Ein Land durchsucht den Datenschatz

Die Recherche nach der Nazivergangenheit der eigenen Vorfahren scheint neuerdings so einfach wie eine Google-Suche. Auch in manch jüdischer Familie wächst das Interesse. Doch tragen die Erkenntnisse wirklich zur Aufklärung bei?

von Mascha Malburg, Michael Thaidigsmann  07.06.2026

Teheran

Irans neuer Oberster Führer erklärt USA zum Verlierer des Krieges

Der Oberste Führer wirft den Gegnern seines Landes vor, nach dem militärischen Konflikt nun auf psychologische Mittel zu setzen

 05.06.2026