Karlsruhe

BND muss NS-belastete Mitarbeiter nicht nennen

Muss keine Auskunft über Nazi-Vergangenheit erteilen: Bundesnachrichtendienst in Berlin-Mitte Foto: imago

Der Bundesnachrichtendienst (BND) muss der »Bild«-Zeitung nicht die Namen von NS-belasteten Mitarbeitern mitteilen. Das hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe am Dienstag entschieden. Geklagt hatte »Bild«-Chefreporter Hans-Wilhelm Saure. Auch Saures Verfassungsbeschwerde wurde von den Karlsruher Richtern abgelehnt, da keine Verletzung seiner Grundrechte vorliege.

Im November 2010 hatte Saure beim BND angefragt, wie viele hauptamtliche und inoffizielle Mitarbeiter zwischen 1950 und 1980 mit einer NS-Vergangenheit belastet waren. Insbesondere hatte sich Saure für mögliche Mitgliedschaften der Geheimdienstmitarbeiter in der NSDAP, Gestapo, der SS und der Abteilung »Fremde Heere Ost« interessiert. Seinen Anspruch auf Auskunft begründete er mit dem Pressegesetz des Landes Berlin.

präzedenzfall Zur Jüdischen Allgemeinen sagte Saure, er fände es »bemerkenswert«, dass gerade seine Frage nach der NS-Belastung von BND-Mitarbeitern das Bundesinnenministerium dazu veranlasst hatte, »einen Präzedenzfall zu schaffen und Auskunftsansprüche von Journalisten gegenüber Bundesbehörden komplett zu verneinen«. Bei einem Rechtsstreit im Dezember 2012 hatte das Innenministerium einen solchen Auskunftsanspruch komplett abgelehnt – entgegen jahrzehntelanger Praxis.

Saures Auskunftsanspruch wurde 2013 vom Bundesverwaltungsgericht zurückgewiesen, da sich Ansprüche gegenüber Bundesbehörden nicht auf die Landespressegesetze stützen können. Gegen dieses Urteil hatte Saure Beschwerde eingelegt. Die hat das Bundesverfassungsgericht jetzt abgelehnt. In ihrem Urteil bestätigten die Verfassungsrichter nun zwar das Grundrecht eines Journalisten auf Pressefreiheit, stellten aber fest, dass die Behörden keine Auskunft über aufwendig zu beschaffende Informationen geben müssen.

beschluss Der »Bild«-Chefreporter empfindet den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts dennoch als Stärkung von Journalisten, weil Bundesbehörden nach dem Grundgesetz zu Auskünften verpflichtet sind, die in ihrem Umfang dem der Landespressegesetze entsprechen müssen. Die Feststellung des Gerichts, die gewünschten Informationen seien schwer zu beschaffen, hält Saure allerdings für falsch. »Aus bisher freigegebenen Akten weiß ich, dass der BND in seinen alten Personalunterlagen sehr wohl vermerkt hat, welche Mitarbeiter bei der SS oder Gestapo waren«, sagte er der Jüdischen Allgemeinen. »Es ist schlicht falsch, dass der BND diese Informationen beschaffen muss. Er braucht nur in sein Archiv zu gehen.«

Nach dem Karlsruher Urteil bleibt allerdings unklar, ob und wie weit sich ein Auskunftsanspruch für Journalisten aus dem Grundgesetz ableiten lässt. Auch die Frage, ob presserechtliche Regelungen eines Bundeslandes den Auskunftsanspruch gegenüber einer Bundesbehörde begründen können, ließen die Karlsruher Richter offen.

Meinung

Wie London die Verweigerungshaltung der Palästinenser belohnt

Mit ihren Sanktionen gegen israelische Siedlungen will die britische Regierung im Nahost-Konflikt einer Zwei-Staaten-Lösung näher kommen. Doch sie zeigt vor allem: Verhandeln lohnt sich nicht, Blockade und Terror aber sehr wohl

von Daniel Neumann  11.09.2026

Deutschland

Morddrohung gegen Charlotte Knobloch nach AfD-Wahlsieg

Die Gewaltandrohung steht in explizitem Zusammenhang mit dem Wahlsieg der AfD. Knobloch sagt aus Sicherheitsgründen Veranstaltung ab

 11.09.2026

Berlin

Juden im Visier? Mutmaßliche Hamas-Leute in Berlin angeklagt

Sturmgewehr, Pistolen, Munition: Mutmaßliche Mitglieder der Hamas sollen von Deutschland aus Waffen für Anschläge der Terrorvereinigung besorgt haben. Die Bundesanwaltschaft zieht erneut vor Gericht

 11.09.2026 Aktualisiert

Meinung

Droht in Sachsen-Anhalt eine Allianz der Antisemiten?

In Sachsen-Anhalt könnte es zu einer Zusammenarbeit zwischen AfD und BSW, die potenziell gravierende Folgen hat für die jüdische Gemeinschaft

von Igor Matviyets  11.09.2026

Sachsen-Anhalt

Empörung über AfD-Spitzenmann Siegmund wegen Rüstungsaussage 

Siegmund: »Weil wir bei späteren Remigrations- und Abschiebeoffensive natürlich auch entsprechende Hilfsmittel brauchen«

 11.09.2026

Hamburg

Senator Grote unterstützt Prüfung von AfD-Verbotsverfahren

Nach dem Wahlerfolg der rechtsextremistischen AfD in Sachsen-Anhalt könnte die Partei an die Regierung kommen. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz hält es für einen logischen Schritt, nun ein Verbot zu prüfen

 11.09.2026

Großbritannien

Applaus für britischen Außenminister von der Hamas

Ein hochrangiger Funktionär der Terrorgruppe begrüßt die Sanktionen, mit denen das Vereinigte Königreich Israel belegt hat. Das sei ein »wichtiger Schritt in die richtige Richtung«

 11.09.2026

Tel Aviv

Antisemitische 9/11-Verschwörungsmythen tauchen zum 25. Jahrestag wieder auf

Die israelische Organisation CyberWell dokumentiert entsprechende Beiträge auf mehreren großen Social-Media-Plattformen

 11.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  11.09.2026