Meinung

BND – mit der Pflicht zur Aufklärung

Einer quälte Anne Frank« – so ist in dieser Woche ein Artikel des Focus überschrieben. Darin berichtet das Magazin, der ehemalige österreichische SS‐Oberscharführer Karl Josef Silberbauer habe für den Bundesnachrichtendienst (BND) gearbeitet. 1944 hatte ebendieser Silberbauer in Amsterdam die Familie Frank und die anderen Untergetauchten festgenommen, nachdem ihr Versteck verraten worden war.

Dunkles Kapitel Später, nach Kriegsende, war der Nazi in Wien wieder als Polizeibeamter tätig und half dem Vorläufer des Geheimdienstes, der Organisation Gehlen, als Kontaktvermittler. Silberbauer schämte sich offenbar nicht für seine frühere Tätigkeit, da er nach eigenem Bekunden nur auf Befehl gehandelt und sich bei der Verhaftung der Familie Frank »korrekt« verhalten habe. Pflichterfüllung im Dritten Reich wie in der Bundesrepublik, auch Kontinuität genannt. Ein dunkles Kapitel, immer noch.

Umso wichtiger ist es, dass sich eine Organisation wie der BND endlich seiner braunen Vergangenheit stellt, einschließlich der Mitarbeiter, die das NS‐Régime tatkräftig gestützt haben. Nach dem Auswärtigen Amt, dem Finanzministerium und der Polizei hat die Behörde zwar damit begonnen, mithilfe einer Historikerkommission ihre Geschichte aufzuarbeiten.

Jüngst hat zudem das Bundesverwaltungsgericht den Nachrichtendienst dazu verdonnert, Akten über Adolf Eichmann zugänglich zu machen. Dazu gehört aber, dass die historischen Archive wirklich vollständig geöffnet werden, dass Medienvertreter und Forscher ohne Einschränkung mit den Dokumenten arbeiten können. Es ist an der Zeit, dass wir alles über die Mörder von Anne Frank und all die Silberbauers erfahren. Man könnte es auch Pflichterfüllung nennen.

Der Autor ist Direktor des Anne Frank Zentrums in Berlin.

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