Meinung

Bitte nicht umkippen, liebe CDU!

Joshua Schultheis Foto: Charlotte Bolwin

Meinung

Bitte nicht umkippen, liebe CDU!

Die Christdemokraten bleiben in Sachsen und Thüringen als einzige relevante Kraft der Mitte übrig

von Joshua Schultheis  03.09.2024 13:45 Uhr

Es ist ein politisches Erdbeben: Nie zuvor seit dem Ende des Nationalsozialismus war eine rechtsextreme Partei bei einer landesweiten Wahl so erfolgreich. Die Sachsen-AfD verpasste die Sperrminorität von einem Drittel der Sitze nur knapp, und in Thüringen machten die Wähler die Partei unter dem Faschisten Björn Höcke gar zur stärksten Kraft. Das traditionelle Parteiensystem der BRD, das sich auch im damals neuen Osten der Republik zunächst in Ansätzen etablieren konnte, wurde in diesen beiden Bundesländern fast vollständig pulverisiert.

Einzig die Christdemokraten bleiben als relevante Kraft der Mitte in Sachsen und Thüringen übrig. Nicht wenige haben die CDU in genau dieser Erwartung gewählt – eine Stimme für FDP, SPD oder Grüne, so die nicht unbegründete Sorge, hätte verschenkt sein können. Mehr noch als den anderen demokratischen Parteien fällt damit der Union jetzt eine wichtige Rolle zu: Sie muss in Thüringen und Sachsen als Bollwerk der politischen Vernunft auftreten, die von den populistischen Rändern aus angegriffen wird.

Manchmal klingt die CDU den Populisten zum Verwechseln ähnlich.

Doch derzeit werden die Konservativen diesem Anspruch nicht immer gerecht. Sie klingen den Populisten zum Verwechseln ähnlich, wenn CDU-Chef Friedrich Merz einen rechtlich nicht umsetzbaren Aufnahmestopp für bestimmte Flüchtlinge fordert, um nur wenig später zurückzurudern, oder wenn der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer die militärische Unterstützung der Ukraine infrage stellt. Die dahinterstehende Taktik mag bisher aufgehen, doch sie ist ein Balanceakt. Man kann die Union nur ermahnen, dabei nicht umzukippen.

Immerhin: Die Absage an eine Koalition mit der AfD bleibt glaubwürdig. Unverständlich ist dagegen das Nein zur pragmatischen Linkspartei unter Bodo Ramelow im derzeit unregierbaren Thüringen, während gleichzeitig über ein Zusammengehen mit dem Russland-affinen Bündnis Sahra Wagenknecht nachgedacht wird. Der CDU-Unvereinbarkeitsbeschluss gegen Die Linke muss daher fallen. Es wäre ein Zeichen, dass die Union ihrer Verantwortung für das Land, im Osten wie im Westen, gerecht wird.

schultheis@juedische-allgemeine.de

Berlin

Linke, Grüne und SPD einigen sich auf Sondierungsgespräche

Beim Streit um antisemitische Ausfälle von Abgeordneten soll es eine Einigung gegeben haben

 08.10.2026 Aktualisiert

Ausgerechnet am 7. Oktober

Greta Thunberg marschiert mit Terror-Unterstützern und Israelfeinden

Drei Jahre nach den Massakern der Hamas gab es in Berlin israelfeindliche Proteste. Mit dabei: die einstige Klima-Ikone Greta Thunberg

 07.10.2026

Berlin

Kerzen, Gebete und Warnungen - und Gedenken an Terroropfer

Der 7. Oktober 2023 hat sich eingebrannt in das Gedächtnis - nicht nur bei Opfern und Angehörigen des islamistischen Terrorangriffs auf Israel. Zum Jahrestag gibt es besorgte Warnungen

 07.10.2026

Berlin

Julia Klöckner ruft zum Kampf gegen Antisemitismus auf

Die Bundestagspräsidentin erinnert an die Opfer des 7. Oktober 2023 in Israel. Ihre Botschaft: Antisemiten müssten in die Schranken gewiesen werden

 07.10.2026

Bettina König (SPD), Kerstin Wolter (Die Linke) und Nina Stahr (Grüne, v.l.) vor dem ersten Vorsondierungsgespräch, 1. Oktober

Nach der Wahl

Linke, Grüne und SPD in Berlin beraten über Umgang mit Antisemitismus

Die Regierungsbildung ist noch nicht richtig in Gang gekommen. Nun treffen sich Linke, Grüne und SPD zu einem dritten Vorgespräch – an einem historischen Tag. Prominente warnen vor Rot-Grün-Rot

 07.10.2026

Meinung

Magdeburg: Versagen der Demokraten

Nach der Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt: Wie der Vormarsch der Rechtsextremen weitergeht, hängt auch von den demokratischen Parteien ab. Jetzt wären Zusammenhalt, Disziplin und Führung gefragt

von Michael Thaidigsmann  07.10.2026

Nahost

Test für den Pakt

Was bedeuten die jüngsten Huthi-Angriffe für das Verteidigungsabkommen, das Saudi-Arabien mit Pakistan und der Türkei unterzeichnet hat?

von Reinhard Schulze  07.10.2026

Islamismus

Studie: Nach Verbot des Islamischen Zentrums Hamburg verlagern sich Netzwerke nach Frankfurt

Einer neuen Untersuchung von American Jewish Committee Berlin und democ zufolge bestehen die Strukturen des vom Iran gesponserten schiitischen Islamismus in Deutschland fort

 07.10.2026

Berlin

Fischer, Thierse, Altmaier – Prominente warnen vor Rot-Grün-Rot

Frühere Spitzenpolitiker von SPD, Grünen und CDU wenden sich gegen eine Koalition mit der Linkspartei in der Hauptstadt. Sie sähen gemeinsame Grundüberzeugungen zu Rechtsstaat und Demokratie nicht gesichert, heißt es in einem Appell

 07.10.2026