Meinung

Besser spät als nie

Immer wieder werden bei propalästinensischen Demos antisemitische Slogans gebrüllt. Wie hier am 1. Mai in Berlin Foto: picture alliance/dpa

»From the river to the sea, Palestine will be free!« Immer wieder war in der Vergangenheit diese Parole auf propalästinensischen Demonstrationen in Berlin zu hören. Immer wieder gingen diese einher mit gewalttätigen Übergriffen auf Polizisten, Journalisten oder Personen, die man verdächtigt hatte, »Zionisten« zu sein.

Und man konnte wetten, das diesem Slogan sehr bald Rufe wie »Kindermörder Israel« und »Scheiß-Juden« folgten oder die Forderung, endlich einmal ordentlich »Tel Aviv zu bombardieren«.

ERSCHÜTTERNDE BILDER Zu lange hatte der Senat dieses Schaulaufen der Antisemiten geduldet und ist nicht eingeschritten – beispielsweise noch im April dieses Jahres, als hunderte Menschen durch Neukölln und Kreuzberg marschierten und genau solche Parolen skandierten. Und wie üblich war das Entsetzen danach wieder groß.

»Hass hat in unserer Gesellschaft nichts zu suchen«, twitterte Berlins Innensenatorin Iris Spranger und der damals noch designierte Regierende Bürgermeister, Kai Wegner, erklärte dem Tagesspiegel: »Die Bilder aus Neukölln sind erschütternd.«

Umso erfreulicher ist es, dass am vergangenen Samstag die Polizei sofort eingriff und eine propalästinensische Demonstration in Neukölln auflöste, als einer ihrer Wortführer »From the river to the sea, Palestine will be free!« zu skandieren begann. Denn eine Genehmigung der Veranstaltung, zu der Samidoun aufgerufen hatte, eine sich selbst als »Solidaritätsnetzwerk« für die Verteidigung palästinensischer Gefangene bezeichnende Gruppierung, die von Mitgliedern der Terrortruppe »Volksfront zur Befreiung Palästinas« (PFLP) 2012 ins Leben gerufen wurde, war nur unter Auflagen erfolgt. Und eine davon lautete, dass genau dieser Slogan nicht gebrüllt wird.

Darauf hatte auch der Wortführer der Demonstrationen die rund 40 Teilnehmer der Veranstaltung aufmerksam gemacht – nur um zu verkünden, dass man der Auflage keinesfalls Folge leisten wolle, weshalb er und einige seiner Genossen sofort »From the river to the sea, Palestine will be free!« zu brüllen anfingen. Die Polizei unterband das Spektakel unmittelbar, woraufhin sieben der Teilnehmer kurzfristig in Gewahrsam genommen wurden, um ihre Identität festzustellen. Die Veranstaltung wurde aufgelöst.

HOFFNUNG Das lässt hoffen, dass Demonstrationen, in denen zur Vernichtung Israels und zur Gewalt gegen Juden aufgerufen wird, endlich der Vergangenheit angehören und die Intervention der Polizei kein einmaliges Ereignis war – schließlich handelte es sich dieses Mal um eine recht überschaubare Zahl von Demonstranten. Mal sehen, wie die Polizei handelt, wenn wieder Hunderte ihre hasserfüllten Parolen skandieren.

München

Haft für mehrfach vorbestraften Holocaustleugner

Selbst im Gerichtssaal tätigte der Verurteilte weitere strafrechtlich relevante Äußerungen

 24.09.2026

Gespräch

Antisemitismusbeauftragter: Linke muss sich von Antisemiten trennen

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner fordert von der Linken einen entschlosseneren Umgang mit Antisemitismus. Im Interview spricht der frühere Linken-Politiker darüber, was die Partei ändern müsse

 24.09.2026

Berlin-Wahl und ihre Folgen

Katherina Reiche: Linke-Regierung in Berlin gefährlich für Standort

Enteignungen und Judenhass seien für den Investitionsstandort Deutschland gefährlich, sagt die Bundeswirtschaftsministerin

 24.09.2026

Berlin

CDU bringt Verfassungsschutz-Prüfung der Linken ins Spiel

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Alexander Throm, begründete seinen Vorstoß mit Verbindungen einzelner Linken-Politiker zur organisierten Kriminalität sowie mit Antisemitismus

 24.09.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  24.09.2026

Berlin

Jüdische Sozialdemokraten gegen Koalition der SPD mit der Linken

»Schon längst werden wir nicht mehr nur von rechts bedroht«, schreibt Renée Röske, die Vorsitzende des Arbeitskreises

 24.09.2026

Debatte

Wehret den Anfängen gilt rechts und links

Ein Offener Brief an Bischof Christian Stäblein vom Evangelischen Arbeitskreis der CDU Berlin/Brandenburg

von Cornelia Seibeld  24.09.2026 Aktualisiert

New York

Peseschkian vor der UNO: Iran will »Widerstand« fortsetzen

Der Präsident des Terror-Regimes in Teheran beklagt »Aggression und Ungerechtigkeit«. US-Außenminister Rubio kontert ihm

 24.09.2026

Kommentar

Sprecht mit uns. Nehmt uns ernst

Herr Ramelow, die jüdische Gemeinschaft, die vor Judenhass warnt, ist nicht das Problem. Antisemitismus ist das Problem - insbesondere in Ihrer Partei

von Avitall Gerstetter  24.09.2026