Einspruch

Bernie, Bloomberg & Co.

Zieht ein Jude ins Weiße Haus», so könnte ein Witz anfangen. Oder ein Zeitungsartikel im Januar 2017. Denn nach Bernie Sanders liebäugelt jetzt auch Michael Bloomberg, Medienunternehmer und Ex-Bürgermeister von New York, mit dem Präsidentenamt.

Erst neulich hatte Bloomberg, von einigen als «salonfähige Version von Donald Trump» bezeichnet, behauptet, dass ein «kleiner, jüdischer, geschiedener Milliardär» wohl kaum Aussicht auf einen Wahlsieg hätte. Aber in der Tat wäre ein jüdischer Präsident ein bisschen wie Chanukka – ein kleines Wunder.

rückhalt Amerikaner sind trotz ihres laizistischen Staatswesens tief religiöse Menschen. Sie wollen, dass Gott auch im Weißen Haus wohnt. Daher bekäme ein bekennender, wenn auch nicht streng regelgläubiger Jude wie Bloomberg, so absurd es auch klingt, mehr Rückhalt aus den christlichen Reihen als aus den Reihen seiner Glaubensgenossen. Jüdischen Wählern ist egal, welcher Religion ein Kandidat angehört, solange er ihre Interessen unterstützt.

Einer aktuellen Umfrage zufolge würden 91 Prozent der US-Wähler einem jüdischen Kandidaten ihre Stimme geben. Dass die jüdischen Wähler sehr viel zögerlicher sind, musste schon Joseph Lieberman erfahren, der 2004 erfolglos um die Nominierung zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten kämpfte.

angst Amerikanische Juden haben Angst, dass der Antisemitismus wächst, wenn der jüdische Präsident kontroverse Entscheidungen oder wirtschaftlich einschneidende Maßnahmen trifft. Und sie befürchten – ein aus deutscher Sicht befremdlicher Gedanke – , dass die einem Juden immanente Loyalität zu Israel die Loyalität zu den USA gefährden könnte.

Es war eine Revolution, als Barack Obama als erster afro-amerikanischer Präsident ins Weiße Haus einzog. Wenn Sanders und Bloomberg scheitern, setzt ihre Kandidatur vielleicht ein Zeichen von Normalität und Toleranz und ebnet künftigen jüdischen Kandidaten den Weg ins Weiße Haus.

Die Autorin ist Anwältin und Publizistin in Atlanta/USA.

Benjamin Graumann Jüdische Gemeinde Frankfurt

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  21.08.2026

Berlin/Brüssel/Jerusalem

Sieben Staaten und EU verlangen Stopp von Siedlungsprojekt im Westjordanland

Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und weitere Länder fordern Israel auf, die geplante Bebauung zu stoppen. Die EU bereitet offenbar ein Sanktionspaket vor

 21.08.2026

Khan Younis

Israel wirft Hamas Folter in Klinik vor

Die Terrororganisation soll ein Krankenhaus im Süden des Gazastreifens als Folterzentrale nutzen, um ihre Macht über die Bevölkerung auszubauen

 20.08.2026

Berlin

Diskriminierung wegen falscher Hummus-Aussprache?

Im Ortsteil Prenzlauer Berg soll ein arabisches Restaurant einen israelischen Gast wegen der vermeintlich falschen Aussprache des Kichererbsengerichts nicht bedient haben. Das Lokal widerspricht dem Vorwurf

 20.08.2026

USA

Amerikas nächster Präsident?

Rahm Emanuel gilt als Hoffnungsträger der Demokraten und steht für einen Kurs der Mitte – sowohl in innenpolitischen Fragen als auch im Verhältnis zu Israel. Eine Annäherung

von Joshua Schultheis  20.08.2026

München

Knobloch in Zeiten von Judenhass: »Ich habe mich getäuscht«

Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden spricht offen über ihre Enttäuschung: Warum die Reaktion auf das Hamas-Massaker ihr nicht genügt und der Judenhass sie tief erschüttert

 20.08.2026

Florida

Nach antisemitischen Angriffen: »Hebräischer Hammer« gewinnt Vorwahl

Der jüdische Abgeordnete Randy Fine, ein republikanischer Israel-Unterstützer, setzt sich gegen den Antisemiten Dan Bilzerian durch

 20.08.2026

Berlin

Medienbericht: Andreas Franck will nicht Antisemitismusbeauftragter werden

Das Bundesinnenministerium wollte die Absage Francks auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren

 20.08.2026

Mar del Plata

Argentinien entlässt Bundesrichter wegen antisemitischer Äußerungen

Der Justizrat sieht einen schweren Verstoß gegen die für Richter geltenden Anforderungen an Anstand und Unparteilichkeit

 20.08.2026