Regierungsbildung in Berlin

Banaszak: Emdes Fraktions-Aus war Grundlage für Sondierungen

Nina Stahr, Landesvorsitzende der Grünen Berlin, und Felix Banaszak, Bundesvorsitzender der Grünen (v.r.) Foto: picture alliance/dpa

Für rot-grün-rote Sondierungsgespräche in Berlin war nach Darstellung von Grünen-Bundesparteichef Felix Banaszak auch Grundlage, dass die umstrittene Abgeordnete Vanessa Emde nicht Teil der Linken-Fraktion wird. Auf die Frage im ZDF-»Morgenmagazin«, ob es eine entsprechende Vereinbarung von Linken, SPD und Grünen gegeben habe, sagte Banaszak: »Das ist meine Information. Ich saß da nicht selbst am Verhandlungstisch, aber es ist meine Information. Es war die Grundlage auch dafür, dass wir am Donnerstag unseren Segen dieser Vereinbarung gegeben haben.«

Linke, Grüne und SPD hatten vergangene Woche vor Aufnahme der Sondierungen eine Vereinbarung geschlossen, wie sie im Falle einer Koalition mit antisemitischen Vorfällen in den Reihen der Linken umgehen wollen. Angedacht sind auch Sanktionen bis hin zum Fraktionsausschluss. Am Dienstag unterschrieben die Mitglieder der Linken-Fraktion geschlossen eine inhaltlich zwar ähnliche, aber andere Erklärung zu dem Thema. Daraufhin unterbrachen Grüne und SPD am Dienstagabend die laufenden Gespräche.

Lesen Sie auch

Unter den Unterzeichnern ist auch die frisch ins Parlament gewählte Linken-Abgeordnete Emde. Kritiker werfen ihr vor, nicht zum Existenzrecht Israels zu stehen. Vor dem Hintergrund wurde spekuliert, dass sie womöglich nicht Teil der Linke-Fraktion wird. Die Berliner Linksfraktion hat die Abgeordnete aber in ihre Reihen aufgenommen. Die von den Linken-Abgeordneten unterzeichnete Erklärung enthält ein Bekenntnis zum Existenzrecht Israels.

Grünen-Co-Chef Banaszak stellte die Frage: »Warum kann die Linke nicht sagen, wir haben hier ein Thema, wir haben hier ein Problem, wir nehmen das ernst und wir gehen das an.« Das sei die einzige Erwartung, die die Grünen hätten: »Wenn man über Monate akzeptiert, dass das Existenzrecht Israels infrage gestellt wird, und sagt, na gut, sie ist aber einmal unterschrieben worden, dann ist das für mich eben keine konsequente Haltung. Und die braucht es aber, wenn eine solche Koalition entstehen und fünf Jahre verlässlich das Leben der Berlinerinnen und Berliner besser machen soll.«

Landesvorsitzende Stahr: Gespräche unterbrochen, nicht abgebrochen

Unterdessen signalisieren die Berliner Grünen, dass sie grundsätzlich bereit sind, die Sondierungsgespräche mit der Linken weiterzuführen. Im rbb24 Inforadio sagte die Landesvorsitzende Nina Stahr am Mittwoch, die Gespräche seien unterbrochen, nicht abgebrochen.

Die Linkspartei müsse aber erklären, welche Vereinbarung sie mit ihrer Fraktion geschlossen hat: »Wir sind gestern ein bisschen davon überrascht worden, dass die Linkspartei ihren Fraktionär:innen etwas anderes vorgelegt hat zum Unterschreiben. Und deswegen erwarten wir jetzt von der Linkspartei, dass sie uns einmal erklärt, was da gestern in der Fraktionssitzung passiert ist.«

Wichtig sei, dass man sich an die geltenden Verabredungen zum Kampf gegen Antisemitismus halte. Stahr betonte zugleich, dass die Grünen am Wählerauftrag eines Politikwechsels in der Stadt festhalten: »Wir sitzen weiter an dem Tisch und wir warten, dass die Linkspartei jetzt zurückkommt und auf Basis unserer gemeinsamen Verabredung können wir dann auch weitersprechen.« dpa/ja

Berlin

Remmo: Koçak hat bei mir im Büro gesessen

Wie eng war der Kontakt des Linken-Bundestagsabgeordneten Koçak zur Großfamilie Remmo? Nach der Berliner Wahl kamen Chatnachrichten ans Licht, die er als Fehler bezeichnete. Gab es auch ein Treffen?

 16.10.2026

Berliner Sondierungen

Özdemir: Berliner Linke hat sich »radikalisiert«

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir schaut mit Sorge auf die politischen Geschehnisse in der Bundeshauptstadt. Seiner Ansicht nach hat sich die Berliner Linke radikalisiert

 16.10.2026

Kommentar

Deutsche Iran-Politik: Urkomische Dinge und pure Realitätsverweigerung

Der neue Botschafter der Bundesrepublik in Teheran, Axel Dittmann, produziert mit seinen Instagram-Videos unfreiwillig Realsatire

von Saba Farzan  16.10.2026

Meinung

Keine Wahlen in Palästina: Armutszeugnis für den Westen

Mahmud Abbas hat die Wahlen in den Palästinensergebieten erneut um ein Jahr verschoben und bricht damit seine Zusagen. Wann zieht man in Europa endlich Konsequenzen?

von Jacques Abramowicz  16.10.2026

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)

Rede des Bundesratspräsidenten

Bovenschulte zu AfD-Verbot: »Prüfen heißt nicht verbieten«

Seine letzte Rede als Bundesratspräsident nutzt Andreas Bovenschulte für einen Appell. Es geht darum, wie weit die Demokratie im Umgang mit der AfD gehen sollte – und warum kein Fehler passieren darf

 16.10.2026

München

Oberrabbiner Goldschmidt: »Wir können nicht immer wegrennen«

Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft, aber nicht von allein. Dafür braucht es nach den Worten des Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt Partner in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft

von Barbara Just  16.10.2026

Steffen Alisch

Meinung

Die Berliner Linke und ihr DDR-Vorleben

Linker Antisemitismus, Israelfeindschaft und Genozid-Vorwurf – all das gab es bereits in der DDR unter dem Regime der Linkspartei-Vorläuferin SED

von Steffen Alisch  16.10.2026

Staatsanwaltschaft

Der Bundestag hebt die Immunität von SPD-Abgeordnetem Adis Ahmetovic auf

Ermittler durchsuchen sein Büro und Wohnungen wegen des Verdachts verbotener Absprachen

von Leonard Fischer  16.10.2026

Annäherung

Warum die FPÖ auf ein Gütesiegel aus Israel hofft - Österreichs Rechte knüpfen Verbindungen zum Likud

Noch stehen in Österreich keine Wahlen an. Dennoch will die rechte FPÖ ihr aktuelles Umfrage-Hoch mit einer Strategie untermauern, die verwundert: Die einstige Altnazi-Partei sucht Unterstützung aus Israel

von Markus Schönherr  16.10.2026