Meinung

Aus dem Staub machen

Wer hätte das gedacht? Hape Kerkelings Bestseller ist zum Leitfaden für Amt‐ und Funktionsträger geworden. »Ich bin dann mal weg«, schallt es landauf, landab. Gestern Roland Koch, heute Ole von Beust. Und morgen? Kaum ein Tag vergeht, an dem sich nicht ein Mitglied der politisch‐gesellschaftlichen Führungsriege von seiner Aufgabe verabschiedet. Offenbar ist keiner gekommen, um auf Dauer zu bleiben. Nun gibt es selbstredend Rücktritte, die willkommen sind, weil längst überfällig waren. Bischof Walter Mixas erzwungener Abschied (Kindesmisshandlung, Veruntreuung) gehört in diese Kategorie. Und wer hat selbst nicht schon mal daran gedacht, alles hinzuschmeißen, frei von allen Zwängen zu sein? Doch für Wahlämter hat anderes zu gelten. Verantwortung, Pflichtbewusstsein und Durchhaltevermögen müssen für Volksvertreter jedweder Couleur zum moralischen Rüstzeug gehören. Man stelle sich nur vor, die Vorsitzenden der jüdischen Gemeinden würden den Null‐Bock‐Köhler machen und einfach das Weite suchen, wenn ihnen der Wind kräftig ins Gesicht bläst. Wer vorgibt, für die Gemeinschaft etwas leisten zu wollen, der muss für die Sache brennen. Wie heißt es so schön? In Amt und Würden. Stimmt genau, selbst wenn das Amt mal zur Bürde wird.

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